Spektakel im Kolosseum

Bau der Superlative

Im Kolosseum, dem blutigsten Ort der Welt, endete so manche Verbrecherkarriere - und auch viele Unschuldige wurden Opfer der staatlichen Willkür. Die Arena war die größte ihrer Zeit, ein Bau der Superlative.

Auf den Rängen fanden 50.000 Menschen Platz. 2000 Gladiatoren hatten allein bei den Einweihungsfeierlichkeiten ihr Leben gelassen.

Gigantische Unterhaltungsindustrie

Gladiatoren waren die Zuschauermagnete einer gigantischen Unterhaltungsindustrie und versetzten die Massen in Hysterie. Im Untergeschoss des Kolosseums erstreckt sich ein verwirrendes Labyrinth aus schmalen Gängen und kleinen Kammern. Ihre Funktion war lange unbekannt.

Forscher haben bereits einige der Rätsel dieser Anlage gelöst. Bauhistoriker Heinz Jürgen Beste kam zu dem Schluss, dass die Bauten unterhalb der Arena Teil einer raffinierten Bühnentechnik waren. Aufzüge, für die Zuschauer unsichtbar, ließen plötzlich Raubtiere auf der Bühne erscheinen. Exotische Landschaften, ganze Wälder wurden aufgebaut um dem blutigen Schauspiel einen spektakulären Rahmen zu verleihen. Bei über 100 Vorstellungen im Jahr musste für immer neue Sensationen gesorgt werden, um das Publikum bei Laune zu halten.

Seeschlachten in der Arena


Nie waren sich Kaiser und Volk näher als im Kolosseum. Während in den Rängen die Zuschauer tobten, hielt unter der Arena eine eingespielte Mannschaft die Unterhaltungsmaschinerie in Gang. Sie sorgte dafür, dass in der Arena das Spektakel kein Ende nahm. Um im Kolosseum richtige Seeschlachten veranstalten zu können, konnte die Arena samt Untergeschoss sogar geflutet werden.

Die zum Tode Verurteilten mussten mit bloßen Händen gegen Bären, Löwen und andere wilden Tiere antreten - zur Belustigung der Zuschauer. Viele der Gladiatoren waren Profis, gut ausgebildete Kämpfer, die es zuweilen zu Ruhm und Reichtum brachten. Das Publikum verehrte sie wie "Popstars" - so lange sie am Leben blieben. Im Kolosseum galt das Gesetz: Töte, damit du nicht getötet wirst. Gladiatorenkämpfe waren herausragende Ereignisse im eintönigen Alltag und Tagesgespräch, wie heute große Sportereignisse.

Wenige kritische Stimmen


Nur wenige kritische Stimmen verurteilten die grausame Massenunterhaltung. Mit "Brot und Spielen" sicherten sich die Kaiser die Gunst der Untertanen. Zudem sollten die öffentlichen Hinrichtungen abschreckend wirken. Die erste Millionenstadt der Geschichte ist letztlich mit ihrem Konzept der Gewalt gescheitert. Tausend Jahre währte das römische Reich. Am Ende zerbrach es nicht durch einen Angriff von Außen, sondern wurde vom Gewicht der eigenen Größe erdrückt.

Die Metropole war abhängig von den Provinzen. Mit dem Niedergang des Reiches wurden die Lebensadern Roms durchtrennt und die Hauptstadt brach zusammen. Eine vergleichbare Bedeutung wie das Rom der Antike, sollten erst wieder die Megacitys der Neuzeit erlangen.

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