Spektakulärer Umzug

Große Teile der Megacity werden um 30 Kilometer verlegt

Für die Gründung von Piramesse im östlichen Nildelta spricht vor allem die strategisch günstige Lage am Nilarm und die Nähe zum Mittelmeer. Von mindestens zwei Häfen aus konnte der Herrscher seine Truppen gegen Feinde aus dem Norden mobilisieren. Bleibt noch zu klären, warum ein großer Teil der wichtigsten Bauelemente in Tanis entdeckt wurde und nicht in Qantir.

Statuen werden abtransportiert (Spielszene)
Statuen werden abtransportiert (Spielszene) Quelle: ZDF

Welches Ereignis löste den Abtransport der Monumente aus? Bedrohten Krieg, Epidemien oder ein Klimawandel die blühende Residenz des Pharao? Die Lösung klingt so einfach wie dramatisch. Was der kluge Herrscher nicht vorhersehen konnte, sollte das Schicksal seiner Stadt besiegeln und seinen Anspruch, für die Ewigkeit zu bauen, zunichte machen. Nur 150 Jahre nach dem Tod von Ramses II. war Piramesse dem Niedergang geweiht.

Pelusianischer Nilarm verschlammt
Pelusianischer Nilarm verschlammt Quelle: ZDF

Vom Königssitz zur Geisterstadt

Der Pelusische Nilarm, die Lebensader der Metropole, verschlammte nach und nach. Innerhalb kurzer Zeit saß die gesamte Region buchstäblich auf dem Trockenen - der Anfang vom Ende. Der bedeutsame Königssitz verwandelte sich in eine Geisterstadt - mitsamt seinen Garnisonen und Handelsplätzen. Die nachfolgende Dynastie der Bubastiden brauchte eine neue Machtzentrale. Die Natur war demnach Schuld.

Der Fluss änderte seine Richtung und floss nun in den Tanitischen Arm, der schließlich zur Hauptader für den Verkehr auf dem Nil wurde. Tanis wurde zum Zufluchtsort der Menschen von Piramesse. Doch bevor die Einwohner ihre Heimat verließen, trafen die neuen Herren eine außergewöhnliche Entscheidung. Die Architekten erhielten den Auftrag, in dem nur 30 Kilometer entfernten Ort eine Siedlung zu errichten. In einem spektakulären Umzug sollten sie dann die schönsten Bauwerke dorthin schaffen.

Markante Hinterlassenschaft

Füße einer Ramses-Statue
Füße einer Ramses-Statue Quelle: ZDF

In den Weizenfeldern von Qantir verbirgt sich bis heute ein Beweis für das kühne Unternehmen. Archäologe Edgar Pusch kennt ihn schon länger, doch erst seit seiner Grabung weiß er um dessen Bedeutung. Der Glücksfund ist eine markante Hinterlassenschaft des Super-Pharao. Er stellt die abgebrochenen Statuen von Tanis in ein völlig neues Licht. Einsam im Acker ruhen die wuchtigen Füße einer Statue von Ramses dem Großen.



Die Füße bilden den Sockel einer Kolossalfigur, die Pierre Montet und seine Leute vor einem knappen Jahrhundert freipinselten und die damals Rätsel aufgaben. Beide Teile kitten die Erklärungslücke im wundersamen Fall Piramesse. Endlich können die Ägyptologen das Puzzle nahtlos zusammenfügen. Aus der Not und zur Rettung der Ehre des Pharao nahmen die Einheimischen vor mehr als 3000 Jahren die Strapazen einer nicht alltäglichen Übersiedelung auf sich. Eine Großtat, die in die Weltgeschichte einging.

Treck durch Hitze und Sand

Tausende von Arbeitern traten an, um die verlorene Stadt Stück für Stück zu demontieren. Ausgestattet mit nur einfachen Hilfsmitteln, nahmen sie die Prunkstücke aus Tempeln und Palästen auseinander. Was ihnen damals an technischem Gerät fehlte, machten die Männer mit Knowhow, Erfahrung und Körperkraft wett. Meter für Meter zogen die Bewohner von Piramesse die zahllosen Denkmäler des Stadtgründers über Land - immer weiter nach Westen bis an den neuen, Tanitischen Arm des Nil.

Der Treck durch Hitze und Sand war eine Plackerei, die Übermenschliches abverlangte. Doch die Hoffnung auf eine sichere Zukunft und der Glaube an den Schutz der Götter versetzte eine ganze Stadt. So gelang es, das Erbe Ramses des Großen doch noch für die Ewigkeit zu retten. Es muss Jahre gedauert haben, bis alle Teile in Tanis montiert waren. Doch dann glänzte die frisch gekürte Residenz wie ein zweites Piramesse.

Animation des neuen Piramesse
Animation des neuen Piramesse Quelle: ZDF

Viele Jahrhunderte diente der geschichtsträchtige Ort mehr oder weniger berühmten Dynastien als Machtzentrum - bis in die Spätzeit der Pharaonen. Doch dann ereilte die Stadt das gleiche Schicksal. Der Tanitische Arm des Nil verlandete ebenfalls. Tanis ging unter. Zurück blieben die Ruinen einer Metropole im Schatten von Piramesse.

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