Spezialisiert aufs Überleben

Wie Australien besiedelt wurde

Wann erreichte der Mensch den fünften Kontinent? Schon vor mehr als 50.000 Jahren, vermuten Forscher. Uralte Indizien, wie Felszeichnungen von Steinzeitkünstlern, führen sie auf die Spur der ersten Australier. Der Mensch begann, die neu eroberte Welt zu verändern. Er lernte, sich an die extremen Bedingungen des trockenen, heißen Landes anzupassen und die knappen Ressourcen der Natur effizient zu nutzen.

Felsmalereien der Aborigines in Australien
Die Felszeichnungen der Aborigines sind für die Wissenschaft interessant. Quelle: Beyond

Die älteste Höhlenmalerei, die Wissenschaftler in Australien untersuchten, entstand vor über 40.000 Jahren. Weil die Farben, die die Schöpfer der Kunstwerke verwendeten, neben Wasser und Farbpigmenten organische Bestandteile wie etwa Eiweiß enthielten, lässt sich ihr Alter mithilfe der sogenannten Radiokohlenstoffdatierung oder C14-Methode recht genau bestimmen.

Wanderungswelle aus Afrika

Viele Indizien sprechen dafür, dass der Mensch Australien schon vor mehr als 50.000 Jahren besiedeln konnte. Forscher hatten eine so frühe Besiedlung des australischen Kontinents eigentlich für unwahrscheinlich gehalten. Denn der Mensch ist weit entfernt von Australien entstanden: in Afrika. Von dort machte sich Homo sapiens auf den Weg, die Welt zu erobern. Europa wurde erst vor 45.000 Jahren besiedelt. Wie konnte der Mensch das viel weiter entfernte Australien noch früher erreichen?

Nach einer wissenschaftlichen Theorie gab es eine erste Besiedlungswelle, die Europa links liegen ließ und entlang der Küsten Richtung Osten wanderte. Doch dann stießen sie auf ein unüberwindbares Hindernis: das Meer. Die Distanzen zwischen den Inseln des heutigen Indonesien ließen sich nur mit Schiffen überwinden. Aber vor 50.000 Jahren beherrschten die Menschen die Kunst des Bootsbaus noch nicht. Höchstens einfache Flöße konnten sie bauen.

Insel-Hopping in der Frühzeit

Forschergruppe auf dem Bambusfloß
Im Experiment wagten sich die Forscher mit dem Bambusfloß aufs offene Meer. Quelle: ZDF

Um herauszufinden, ob die Menschen damals zum Inselhüpfen fähig waren, wagten Forscher ein Experiment. Mit primitiven Bambusflößen planten sie, den offenen Ozean zwischen zwei Inseln zu überwinden. Obwohl tückische Strömungen den Versuch an den Rand des Scheiterns trieben, hielten die Flöße letztlich der Belastung stand. Aber die letzte Etappe von Timor nach Australien wagten die Forscher mit diesen Flößen nicht - die Distanz von mehr als 500 Kilometern war viel zu groß. Hier hätte eigentlich auch der Weg der frühen Menschen zu Ende sein müssen. Doch damals bot sich während einer Kaltzeit eine günstige Gelegenheit: Große Mengen

Wasser waren im Eis gebunden, deshalb lag der Meeresspiegel viel niedriger als heute. Timor und Australien waren nur 150 Kilometer voneinander entfernt. Diese Wasserbarriere war durchaus überwindbar. Auf diese Weise wäre der Mensch schon vor über 50.000 Jahren in der Lage gewesen, den Kontinent zu besiedeln. Die Spuren der ersten Australier sind allerdings so spärlich, dass vieles Spekulation bleiben muss.

Verfügbare Nahrungsquellen genutzt

Eine Gruppe Aborigines im australischen Busch
Die Urbewohner Australiens streiften als Jäger und Sammler durch den Busch. Quelle: ZDF

Das karge Land zeigte den Neuankömmlingen sein feindliches Antlitz. Es gab weder kultivierbare Pflanzen noch ausreichend Regen. Trotz der scheinbar widrigen Bedingungen offenbarte sich aber ein vielseitiges Angebot. Tiere und Pflanzen, die sich bereits an den feindlichen Kontinent angepasst hatten, waren die beste Nahrungsquelle. Bis zur Ankunft der Europäer blieben die Aborigines weitgehend bei ihrer steinzeitlichen Lebensweise als Jäger und Sammler. Einige ihrer Traditionen habensie bis heute bewahrt. Sie zeugen von ihren Fähigkeiten, im kargen Land zu überleben.

So ist der Witchetty-Strauch für das Volk der Aranda eine Art lebende Speisekammer: In den Wurzeln dieser endemischen Akazienart findet man die Larven des Holzbohrers. Diese Maden sind extrem proteinreich und waren für die frühen Australier eine wichtige Nahrungsquelle. Ein weiteres Beispiel sind grüne Ameisen, die wegen ihres Vitamin-C-Gehaltes einen säuerlichen, zitronenartigen Geschmack haben. Die Aboriginies nutzten alle vorhandenen Ressourcen. Dabei half ihnen ihre genaue Kenntnis von den Zyklen der Natur.

Einwanderer setzen auf Viehzucht

Zwei Aborigines mit erlegtem Känguru
Jagd auf Kängurus mit Speeren Quelle: ZDF

Die Aboriginies mussten flexibel und kreativ sein. Um an Fleisch zu kommen, verfolgten sie ausgeklügelte Strategien. So rodeten sie Wälder oder setzten Teile des Busches in Brand, um Grasflächen zu schaffen. Das lockte Pflanzenfresser wie Kängurus an und erleichterte die Jagd. Zu ihr gab es keine Alternative. Denn Kängurus lassen sich nicht als Nutztiere in Herden halten - sie sind Einzelgänger und brauchen große Flächen.

Die Viehwirtschaft begann in Australien erst mit der Ankunft der Europäer um 1800. Die Siedler konnten erfolgreiche Farmer werden, weil sie Tiere, die sich in Herden halten lassen, selber mitbrachten: Rinder und Schafe. Die Rinderzucht in Australien bleibt jedoch bis heute eine Herausforderung. Die Tiere müssen regelmäßig zur Tränke, die Wege zu den Wasserlöchern können aber bisweilen lang werden, denn die Farmen sind riesig. Oft fällt nicht genug Regen, und wenn in Dürrejahren die Wasserlöcher austrocknen, müssen die Farmer mit hohen Verlusten rechnen. Bis zu 20 Prozent der Rinder einer Herde können dann verdursten.

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