Spitzname "Megamouth"

Ein Großmaul unter den Haien taucht auf

"Eile mit Weile"“ scheint das Motto des sanften Giganten zu sein, dessen Entdeckung eine der größten zoologischen Sensationen des 20. Jahrhunderts ist. Stets sehr langsam unterwegs, ist er seither nur 55mal erschienen – meist tot oder in verletztem Zustand. Ein unversehrtes Exemplar der seltenen Riesenmaul-Haie vor die Kamera zu bekommen, ist der Traum eines jeden Tierfilmers. Er wurde 2012 wahr während der Filmexpedition zu den Tiefsee-Haien in der japanischen See.

Erstaunlich viel von dem, was sich im sagenhaften Seemannsgarn verfängt, kommt irgendwann – wenn auch meist etwas modifiziert – als naturwissenschaftliche Tatsache ans Tageslicht. So erging es auch dem Riesenmaul-Hai (Megachasma pelagios). Es ist schon verwunderlich, wie lange sich dieser Koloss in den Wogen der Weltmeere tarnen konnte. Immerhin wird ein im Jahre 2003 vor der kalifornischen Küste gesichtetes Exemplar auf 7,6 Meter Maximallänge und fünf Tonnen Gewicht geschätzt – der größte bislang bekannte Riesenmaul-Hai.

Markenzeichen: große Klappe

Als am 15. November 1976 die Treibanker eines amerikanischen Forschungsschiffes vor Hawaii eingeholt wurden, hing an einer der Leinen ein etwa 4,5 Meter langer seltsamer Fisch, den selbst die erfahrenen Seeleute nicht einordnen konnten. Sein mächtiger Kopf sah aus, als gehöre er zu einer Kreuzung aus Wal und Hai – rund und breit und mit einem riesigen weit vorn sitzenden Maul. Die genauere Untersuchung ergab, dass es sich um einen bis dahin unbekannten Hai handelte. Wegen seines großen Maules nannte man ihn "Megamouth Shark". Von da an hatte er auch außerhalb des englischen Sprachraumes seinen Spitznamen: Megamouth.

Megamouth
Markenzeichen: Der runde Kopf erinnert an einen Wal

Die wissenschaftliche Artbeschreibung, in der das Tier seinen zoologischen Namen erhielt, wurde erst 1983 veröffentlicht. Nur wenige der später gefundenen Exemplare konnten eingehend untersucht werden. So weiß man, dass Riesenmaul-Haie mehr als 400 kleine, in 50 bis 70 Reihen angeordnete Zähne im Mund tragen, mit denen sie jedoch nicht zubeißen. Die Tiere ernähren sich vor allem von Kleinkrebsen wie Krill. Ob sie ihre Beute mit Biolumineszenz im Maul anlocken, darüber wird noch spekuliert. Bei Blitzlichtaufnahmen fiel auf, dass das Licht von verschiedenen Bereichen der Mundschleimhaut stark reflektiert wurde. Ob diese Haie etwa entlang des Unterkiefers "Bio-Licht" erzeugen, das dann durch die Reflektion das Innere des Maules erleuchtet, ist noch unklar.

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