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Sprechstunde beim Kräuterhändler

Auf dem Basar von Teheran

In Teheran ist das erste Ziel des Medizinhistorikers der Basar der quirligen Millionenstadt. Seit 800 Jahren Drehscheibe des Handels im Vorderen Orient. Von hier aus gelangten Gewürze und Heilmittel über die Seidenstraße nach Europa.

Mayer besucht den Laden des Kräuterhändlers Mohammad Attarnadjad. Häufig wisse der 84-jährige schon auf den ersten Blick, welche Arzneipflanze helfen kann. So hat man es Johannes Mayer erzählt.

Großer Respekt

Staunend beobachtet er die Sprechstunde des Meisters. "Die Haut juckt?" "Ja, sehr." "Lass mich deine Augen sehen, lieber Herr." Der weise Alte flößt den Kunden mehr Respekt ein als so mancher Arzt. Eine Paste aus dem Kraut des Erdrauchs wird die Schuppenflechte des Patienten lindern, erfährt Mayer. Der Medizinhistoriker möchte sich einen Überblick verschaffen: Welche der alten Arzneipflanzen sind noch in Gebrauch? Der Kräuterhändler gibt eine überraschende Auskunft: Seit Avicennas Zeiten, so meint er, habe sich gar nicht so viel geändert.

Schon als junger Mann war Avicenna die meiste Zeit auf Reisen. Als Erbe eines beachtlichen Vermögens war er unabhängig. Sein einziges Interesse galt der Wissenschaft. So ritt er von einem persischen Fürstenhof zum anderen, wirkte als Staatsmann, Arzt und Naturforscher. Schon mit zwanzig Jahren hatte Avicenna die Werke der antiken Arztphilosophen durchgearbeitet. Von da an begann er, nach neuen, unbekannten Arzneipflanzen zu suchen. Er sammelte Wissen, das für viele Jahrhunderte in Asien und Europa Maßstäbe setzte.

Gesundes Gleichgewicht

Im Laden des Kräuterhändlers macht Johannes Mayer einen seltsamen Fund: eine Schlange als Medizin? Attarnadjad ist überzeugt: Mit Schlangenfleisch lassen sich Vergiftungen heilen. Mayer ist da skeptisch. Bemerkenswert findet er, dass der Händler noch immer der mittelalterlichen Lehre von den Wärmegraden folgt: Alle Speisen und Pflanzen seien ihrer Natur nach entweder kalt oder warm. Gesund, so Attarnadjad, sei nur ein Gleichgewicht zwischen Wärme und Kälte.


Zum Abschied überreicht der Händler ein Geschenk: Ein Liebespulver, das auch bei der reiferen Jugend Wunder wirke, wie er verspricht. Nicht zuletzt für solche Mittel wird er von seinen Kunden hoch geschätzt.

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