Spuren am Rhein

Entdeckungen im Schloss Beuggen

Auf Vermittlung von Anselm von Feuerbach wird Kaspar Hauser zunächst auf die Insel Schütt zu Georg Friedrich Daumer gebracht. Daumer möchte mehr über die Vergangenheit des Findelkindes herausfinden.

Georg Friedrich Daumer ist Privatgelehrter. Unter seiner Obhut lernt Kaspar lesen und schreiben. Daumer ist überrascht von Kaspars Wissensdurst, seine schnelle Auffassungsgabe ist verblüffend. Was andere in Jahren lernen, erreicht er in Tagen. Besonders unerklärbar ist die gestochen klare und feine Handschrift des Schülers.

Außergewöhnliche Fähigkeiten

Nur seine Liebe für das Malen übertrifft Kaspars Eifer und Fleiß beim Lernen. Schnell erlernt er den Umgang mit der Technik und seine Bilder zeugen von einer tiefen Empfindsamkeit. Kaspars auffallendes Talent gilt als ein Indiz für eine vornehme Abstammung. Noch andere Eigenschaften entdeckt der Lehrer an seinem Schüler. Daumer beschreibt dessen außergewöhnliche Fähigkeit, selbst in der Nacht noch Farben sehen zu können. Das könnte ein Beweis für die lange Kerkerhaft und die Gewöhnung der Augen an die Dunkelheit sein.

Auch 1829, ein Jahr lebt Kaspar Hauser nun in Freiheit, weiß niemand, wer er ist und woher er kommt. Kaspars Erinnerungen sind wie ausgelöscht. Doch nachts, in seinen Träumen, drängt Verschüttetes nach oben. Alle Neuigkeiten über das im Dunkeln liegende Vorleben des 17-Jährigen werden begierig aufgenommen. Sein Vormund schreibt, "vor längerer Zeit träumte ihm von einem Wappen, was er im Traum oberhalb der Türe eines großen Hauses gesehen habe. Er machte sogleich eine Zeichnung." Im Garten des Schlosses Beuggen am Hochrhein zwischen Basel und Waldshut gibt es über der Tür des abseitsgelegen Teehauses dieses Wappen.

Seit 1806 ist das Schloss im Besitz des Markgrafen von Baden, der es seiner zweiten Frau, Gräfin Hochberg, schenkte. Kaspar zeichnete übereinstimmend mit dem Original: die Krone, die Streifen links unten und das Löwentier rechts, die gekreuzten Schwerter und die Mittelachse bestehend aus einem Zepter. Das gezeichnete Wappen und Beuggen liegen am Rhein. Da, wo 1816 die Flaschenpost mit dem rätselhaften Inhalt gefunden wurde, der besagt, dass jemand hier gefangen gehalten wird. Denkbar also, dass die Flasche stromabwärts schwamm, bis hinter Basel, wo sie ein Fischer fand. Alte Karten und Chroniken beweisen, dass der Rhein schon damals in unmittelbarer Nähe an den Gebäuden und am Schloss vorbeifloss.

Über Jahre hinweg menschenleer

Als in Beuggen 1815 Typhus ausbrach, verließen alle fluchtartig das Anwesen und es blieb über Jahre hinweg menschenleer. Es ist denkbar, dass Kaspar Hauser in den Jahren nach 1815 in Schloss Beuggen gewesen ist. Dazu gibt es verschiedene Theorien, die einen sagen er ist in relativer Freiheit hier rumgesprungen. Andere sagen, er sei in einem Raum hinter zwei Fenstern gewesen. Der Raum ist von der Kellerseite her nicht zugänglich, es könnte eine Art Verlies für Kaspar Hauser gewesen sein. Bislang verboten Denkmalschutzauflagen eine Öffnung des historischen Gemäuers, doch das Landesamt für Denkmalschutz hat die Genehmigung erteilt. Niemand weiß, wann der Kellerraum zuletzt betreten wurde.

Gibt es Hinweise auf den Aufenthalt von Menschen, von Kaspar Hauser? Auf einem Balken, in etwa 50 Zentimetern Höhe gibt es eine Rötelzeichnung eines Pferdes. Der Körper ist 15 Zentimeter lang und sechs Zentimeter breit. Der Kopf hat Augen, Maul und Mähne, die Füße sind bloße Striche wie bei einer Kinderzeichnung. Dies erhärtet den Verdacht, dass Kaspar Hauser hier gewesen sein könnte, denn aus Kaspars Aufzeichnungen geht hervor, dass er zwei Holzpferdchen und einen kleinen hölzernen Hund besaß. Vier Jahre soll Kaspar hier gefangen gewesen sein. In der Wiege vertauscht, lebte er die ersten drei Jahre in Karlsruhe, kam dann nach Schloss Beuggen. Hier könnte er vier Jahre seiner Kindheit verbracht haben, bis seine Odyssee mit unbekanntem Ziel weiterging.

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