Spuren einer Tragödie auf See

Die Bergung der San Diego-Ladung

Zwei Jahre nach der Lokalisierung des Schiffswracks gehen 18 Berufstaucher und eine Handvoll Wissenschaftler an Bord der "Osam Service". Der umgebaute Schleppdampfer dient der Expedition als Kommandozentrale. Zwei Monate hat Franck Goddio für die große Kampagne angesetzt.

Unmengen von Sauerstoff-Flaschen, Zubehör fürs Unterwasser-Sonar und ein geräumiges Tauchboot für zwei Mann Besatzung gehören zur umfangreichen Ausrüstung. Vollgesichtsmasken mit integriertem Sprechfunk sorgen für direkte Kommunikation zwischen den Tauchern in der Tiefe und den Wissenschaftlern auf der "Osam Service".

U-Boot steht auf Position

Ein Unterwasserlift bringt die Truppe 50 Meter abwärts bis zum Meeresboden. Den Fahrstuhl benutzen normalerweise Techniker bei der Wartung von Bohrinseln. Auch das U-Boot steht auf Position. Franck Goddio will sich selbst ein Bild der Lage vor Ort machen. Zunächst umfährt er eine vier Meter große Hornkoralle, fast 200 Jahre alt. Dann aber liegt das Wrack direkt vor ihm - von Muscheln verkrustet, begraben unter einem gewaltigen Haufen von Ballast-Steinen. Sie dienten der Stabilisierung und gehörten zur festen Ausstattung eines Seglers.


200 Tonnen Geröll müssen beiseite geschafft werden, erst dann liegen die Überreste des Schiffsrumpfes frei. Die Planken und Spanten sind erstaunlich gut erhalten. Für die präzise Datierung des Holzes nehmen die Archäologen einige Proben. Die ersten Untersuchungen am Material erfolgen im bordeigenen Labor. Das Ergebnis überrascht selbst die Experten. Das Schiff war erst zehn Jahre alt, als es in den Küstengewässern unterging. Die typischen Versatzmarkierungen der Handwerker legen nahe, dass eingewanderte Zimmerleute aus dem Baskenland den Segler auf den Philippinen gebaut haben.

Millimetergenaue Erfassung

Ein ferngesteuertes Mini-U-Boot übernimmt die Vermessung des Wracks. Bestückt mit Videokameras und hoch sensibler Messoptik gleitet das Gefährt über den gesamten Schiffskörper. Dabei werden die Ausmaße des Wracks millimetergenau erfasst. Die Gesamtlänge des Seglers beträgt stolze 32 Meter, 24 Meter misst der Kiel. An Bord der "Osam Service" fertigen Ingenieure eine maßstabsgetreue Zeichnung an. Die Fachleute stellen dabei einige bauliche Mängel an dem alten Schiff fest. Offensichtlich haben einige Handwerker damals schlampig gearbeitet.



Bei der Bergung der Ladung kommt vor allem chinesisches Porzellan zum Vorschein - weitgehend unbeschädigt. Insgesamt 1500 Stücke aus der Ming-Dynastie können die Männer vom Sand befreien. Für das Team unerwartet - menschliche Schädel, die zwischen dem Geschirr liegen. Spuren einer Tragödie auf See. Vielleicht die der "San Diego" nach dem Kampf gegen die Holländer.

Indizien für die San Diego-Theorie

Den Quellen zufolge waren 400 Mann an Bord, darunter auch spanische Aristokraten. 300 überlebten das Desaster nicht. Ein wichtiges Indiz für die "San Diego"-Theorie: ein spanischer Helm aus Kupfer. Ebenso wie das verkrustete japanische Schwert. Aus Dokumenten wissen die Forscher, dass die Spanier zur Unterstützung eine Gruppe Samurai angeheuert haben. Die Krieger lebten in einer Kolonie unweit von Manila. Eine kleine Sensation ist das Astrolabium zur Messung des Breitengrades.


Entscheidend für die Identifizierung des Wracks sind die Kanonen aus Bronze. Sie machen Goddios Vermutung zur Gewissheit: Er hat tatsächlich die "San Diego" gefunden. Auf dem längsten Rohr prangt eine Plakette mit lateinischer Inschrift: 1593, Philip der Zweite, König von Spanien. Die Bergung der tonnenschweren Geschütze wird zum Höhepunkt der Expedition. 14 Kanonen auf einen Schlag - genau die Anzahl, die für die spanische Galeone überliefert ist. Die unterschiedliche Bauart der Waffen sind im 17. Jahrhundert keine Seltenheit. Adlige in Europa ließen immer wieder Geschütze auf eigene Kosten gießen, um sie als Geschenk in die Kolonien zu schicken.



Mit der "San Diego" fügt sich ein weiterer Mosaikstein in die dramatische Geschichte vom Seehandel in Südostasien.

Schon bald weitet sich der Kampf um lukrative Handelsplätze aus. Auch Holland und Frankreich unterwerfen fremde Völker rund um den Globus. England schickt Freibeuter wie Sir Frances Drake ins Gefecht, um Schiffe von Konkurrenten zu kapern. Doch die Piraterie konnte keine Dauerlösung sein.

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