Staatsstreich gegen Peter III.

Die wahre Todesursache wird geheim gehalten

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) kämpft Russland mit Frankreich und Österreich gegen Preußen und Großbritannien. Doch Peter will als Zar Frieden mit Preußen schließen. Damit macht er sich nicht nur bei der russischen Garde verhasst. Es gibt auch andere, die Peter gegen sich aufbringt und die einen Umsturz befürworten. Diese Chance macht Katharina sich zu Nutze.

Katharina wählt Grigori Orlow zu ihrem heimlichen Liebhaber und Verbündeten. Raffiniert, skrupellos und berechnend webt sie die Offiziere in das Netz ein, das sie über Peter werfen will.

Perfektes Timing

Kurz vor dem Tod von Zarin Elisabeth wird Peter im Dezember 1761 zum Thronfolger bestimmt. Doch kaum trägt er die Zarenkrone, demütigt er Katharina. Peter III. hat eine Geliebte, nennt seine Gemahlin in aller Öffentlichkeit eine Idiotin und will sie verstoßen. Katharina aber will ihn über seine Fehler vom Thron stürzen lassen. Sie beherrscht das perfekte Timing und kalkuliert das Risiko improvisierter Aktionen. Orlow und die Offiziere erkennen nicht, dass sie manipuliert werden. Die Großfürstin zieht die Fäden des Komplotts selbst, ebenso versteckt wie erfolgreich.

Der Putsch gelingt. Ganze sechs Monate reichen aus, um es zu einem unblutigen Staatstreich kommen zu lassen. Katharina wird im Sommer 1762 von der Garde auf den russischen Zarenthron gehoben. Armee und Aristokratie - alle schwören den Treueeid auf die neue Regentin. Andere wiederum - sowohl in Russland als auch in Europa - werfen ihr vor, eine Thronräuberin zu sein. Doch über die Inszenierung der Palastrevolte gibt es kein einziges belastendes Dokument - dazu war Katharina viel zu gerissen.

Zar Peters blutiges Ende

Im Moskauer Staatsarchiv findet der Historiker Detlef Jena einen bewegenden Brief von Peter an Katharina. Der gestürzte Monarch bittet darum, dass die Wachoffiziere sein Zimmer verlassen, wenn er sein Bedürfnis verrichtet. Er bittet um sein Leben und um die Erlaubnis, nach Deutschland zurückkehren zu dürfen: "Euer sehr ergebener Peter!" Peters untertänige Bescheidenheit findet bei Katharina kein Gehör. Nur wenige Tage nach seiner Verhaftung ist das Ende des gestürzten Zaren besiegelt. Alexei Orlow, ein Bruder Grigoris, erledigt das blutige Handwerk. Die Zarin wusste nichts - beteuern die Täter, denn die Wahrheit muss unterdrückt werden. Katharinas Image darf keinen weiteren Schaden nehmen.

Sie verfasst ein Manifest, in welchem steht, dass "seine Hoheit Peter III. an einer starken Kolik erkrankt und nach dem Willen des Allerhöchsten verschieden ist". Aus der kühl kalkulierten Reaktion auf die Todesnachricht schließt die Profilerin Gaby Dubbert, dass Katharina informiert war und die Tat vertuschen wollte. Doch harte Beweise für ihre Mittäterschaft gibt es nicht. In seinem Brief beteuert Peter, ihr nicht schaden zu wollen. In Russland aber war es gang und gäbe, politische Gegner aus dem Weg zu räumen - und Katharina blieb kalt. Dubbert findet in Katharinas Memoiren kein Wort über den Mord an Peter.

Karg und emotionslos

Beweise oder Indizien könnten die Briefe liefern, die Alexei Orlow unmittelbar nach dem Mord schreibt. In diesen teilt er der Kaiserin den genauen Tathergang mit. Gerade das erregt den Verdacht der Profilerin. Die Kriminalistin entlarvt den "Augenzeugenbericht" als Lügengeschichte. "Mütterchen, er weilt nicht mehr auf dieser Welt", schreibt der Mörder und deutet vage einen Streit an. "Wie sollten wir auf den Gedanken kommen, die Hände gegen den Kaiser zu erheben." Zu karg und emotionslos sei der Text, um glaubhaft zu sein. "Zu untersuchen ist nichts", heißt es weiter - als wäre alles ein unglücklicher Zufall gewesen. Die Psychologin erkennt darin eine reine Schutzbehauptung der Mörder für die Zarin, die in das Komplott eingeweiht war.

Katharina war keine eiskalte Meuchelmörderin. Aber sie vollstreckte erbarmungslos die Gesetze der Zaren, entschied allein über Leben und Tod. Die Wahrheit sollte im aufgeklärten Europa niemand wissen.

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