Stadtstaat mit internationalen Beziehungen

Qatna wächst zu einer bedeutenden Handelsmetropole

Ständig belieferten Karawanen ganz Vorderasien mit kostbaren Waren wie Zedernholz. Qatna bildet damals einen Knotenpunkt im Netz der Handelsstraßen, die sich im frühen zweiten Jahrtausend vor Christus entwickeln.

Die neuen Routen bieten einen schnelleren Zugang zum Mittelmeer und nach Ägypten. So rückt das alte Syrien ins Zentrum der Wirtschaftsbeziehungen, avanciert zum erfolgreichen Umschlagplatz von Waren und Wissen.

Zahlungskräftige Abnehmer

Von der Küste aus drängen die Kaufleute hinaus übers Meer - mit Kurs nach Westen, um dort weitere Märkte zu erschließen. Die alten Ost-Routen zum Persischen Golf brechen in jener Zeit beinahe völlig zusammen. Fortan floriert der Seehandel und bringt Rohstoffe aller Art ins ferne Europa. Dort warten vor allem die minoischen Könige auf Kreta als zahlungskräftige Abnehmer.

Wer immer seine Güter zum Weitertransport in einen Hafen schaffen wollte, musste damals zwangsläufig über Qatna. Innerhalb kurzer Zeit wächst die Stadt zu einer bedeutenden Handelsmetropole heran. Im so genannten Karum, dem Kaufmannsviertel, finden die Kostbarkeiten reißenden Absatz: Feiner Purpurstoff aus dem Libanon. Aus dem fernen Asien exotische Gewürze. Seltene Kräuter und duftender Weihrauch aus Arabien. Edles Kupfer aus Zypern. Sowie kunstvoll geschmiedetes Silber und reines Gold aus Anatolien.

Exklusives Angebot

Auch Qatna glänzt mit einem exklusiven Angebot. Aus den königlichen Stallungen kommen prächtige Pferde zum Verkauf - damals ein sündhaft teures Luxusgut. Die Zucht machte den Stadtstaat international berühmt.




Ein spektakuläres Beispiel dafür verbirgt sich unter dem Staub: Fragmente einer eingestürzten Lehmziegelwand. Die Putzstücke lagen auf dem Grund einer ausgetrockneten Zisterne unweit des Palastes. Allmählich gibt die Zeichnung das Bild einer Schildkröte frei. Andere Stücke zeigen Spiralformen. Das Motiv - bekannt aus der minoischen Kultur. Die Komposition gehört zu einem riesigen Wandgemälde, darin sind sich die Wissenschaftler einig. Die Frage lautet nun: Haben Einheimische den Stil von Kreta imitiert oder holte der König von Qatna minoische Künstler an seinen Hof? In jedem Fall ein Beweis für intensive Kontakte zwischen den beiden Reichen.

Dreitausend Fragmente

Doch nicht nur aus diesem Grund ist die Untersuchung für Peter Pfälzner und sein Team von Bedeutung. Sondern auch, weil die Archäologen zum ersten Mal seit Grabungsbeginn einen handfesten Hinweis auf die prächtige Ausstattung des Palastes vor Augen haben. Dreitausend Fragmente müssen zusammen gesetzt werden. Sämtliche Vergleichsfunde stehen in einer eigens angelegten Datenbank auf Mausklick bereit. So auch der berühmte Ornamentfries aus dem Palast von Knossos. Dort entstand jener typische Stil, den Künstler noch Jahrhunderte später kopierten.

Dem Muster aus Qatna entspricht das Original aus Kreta bis ins Detail. Kein Wunder, denn minoisches Dekor galt auch im Alten Orient als chic. Das Ergebnis stellt die Experten zufrieden. Motive, Technik und Farben sind vom Vorbild fast nicht zu unterscheiden. Vor allem das charakteristische Minoisch-Rot überzeugt - sogar in den Nuancen. Das bedeutet: Entweder schulten Lehrmeister aus Kreta die Maler von Qatna. Oder sie schufen selbst - im Auftrag des Königs - die heraus ragenden Kunstwerke. Eine Frage, die sich wohl nie beantworten lässt.

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