Ständige Klimaschwankungen

Zwischen subtropischer Wärme und arktischer Kälte

Auf der Nordsee vor der niederländischen Küste suchen Paläontologen nach Überresten von uralten riesigen Tieren. Als vor gut einem Jahrhundert zum ersten Mal solche Knochen aus dem Meer gehievt wurden, sah ein holländischer Arzt darin einen Beweis für die Sintflut.

Was immer man von Noahs Sintflut halten mag, in einem hatte der Arzt recht: dass die Knochen tatsächlich von Landtieren stammen - von Mammuts

Massenhaft Mammuts

Wie aber kommt eine Mammutherde mitten in die Nordsee? Während der großen Vereisungen ist eine ungeheure Wassermenge in den Gletschern gebunden. Der Meeresspiegel liegt deshalb rund 100 Meter tiefer als heute. Die Nordsee ist in weiten Teilen trockenes Land, ein flaches Tal mit ausgedehnten Grasebenen. So ist das Europa der Eiszeit durchaus nicht überall ein lebensfeindlicher Kontinent. Die kalten Steppen bieten üppige Weiden, überall grasen große Tiere.

Vorfahren der heutigen Saiga-Antilopen sind über die neue Landbrücke der Beringstraße aus Nordamerika gekommen. Ihre auffällig großen Nasen sind eine Anpassung an das extrem trockenkalte Klima. Die eingeatmete Luft wird erwärmt, und Feuchtigkeit beim Ausatmen zurückgehalten. Eine andere Gruppe von Einwanderern aus Amerika sollte Europas spätere Geschichte entscheidend beeinflussen: Pferde. Sie werden den aufstrebenden Hochkulturen späterer Epochen unschätzbare Dienste leisten. Mit jeder Klimaschwankung verschieben sich die Eisränder und schaffen für die Tierwelt durchaus einen Kontinent der Möglichkeiten.

Überraschung im Untergrund

Die erstaunlichsten Zuzügler der Eiszeit kommen jedoch aus dem Süden. Als im Jahre 1830 auf dem Trafalgar Square in London die Nelson-Säule errichtet wird, stößt man im Untergrund auf eine Überraschung: Knochen von Tieren, die weder in die Eiszeit noch nach Europa passen: Flusspferde, Nashörner, Hyänen und sogar Löwen.


Vor 120.000 Jahren muss der Westen des Kontinents ausgesehen haben wie die Serengeti heute. In den letzten zweieinhalb Millionen Jahren pendelt das Klima regelmäßig zwischen subtropischer Wärme und arktischer Kälte. Die warmen Interglazialzeiten dauern bis zu 100.000 Jahre. Dann fällt der Kontinent erneut in einen ewigen Winter. Die anschließende Warmzeit ist lang genug, dass sich erneut Einwanderer ausbreiten, bis sie von der nächsten Kälte wiederum verdrängt werden. Diese klimatischen Umschwünge gehen schnell und sind von Extremen gekennzeichnet. Mindestens 20 Kalt-Warm-Zyklen sind nachgewiesen.

Die nächste Vereisung kommt bestimmt



Wir erleben heute gerade eine Warmphase. Die Temperaturschwankungen werden weitergehen, solange die Landbrücke zwischen den amerikanischen Kontinenten den Golfstrom erzwingt. Unsere Zivilisation wird irgendwann einmal mit den Herausforderungen der nächsten Vereisung fertig werden müssen - oder untergehen.

Homo sapiens: Neue Macht in Europa

Die letzte massive Vergletscherung beginnt vor etwa 115.000 Jahren. Die Landschaften Europas, wie wir sie heute kennen, werden zu dieser Zeit geprägt. Wieder wird es für viele überlebenswichtig, einen geschützten Unterschlupf gegen die Kälte zu finden. Der Höhlenbär zum Beispiel könnte anders nicht existieren. Er braucht tiefe, trockene Höhlen für den Winterschlaf. Aber er ist nicht der einzige, der vor der Kälte flüchtet. Neue und furchtbare Konkurrenten um diese lebenswichtigen Behausungen haben sich in Europa immer weiter ausgebreitet.


Auch die Neandertaler - Eiszeitspezialisten wie die Höhlenbären - meistern das härteste Klima, das der Kontinent je erlebt hat. Für 150.000 Jahre können sich die Neandertaler trotz Klimaverschlechterung behaupten. Doch ihre Tage sind gezählt. Schon während der letzten Eiszeit dringt eine neue Macht nach Europa vor. Bis heute beherrscht sie den Kontinent. Homo sapiens. Der moderne Mensch - unsere Vorfahren.



Vor circa 40.000 Jahren wandert Homo sapiens von Afrika nach Asien und Europa. Diese Menschen sind Nomaden und folgen den ziehenden Herden. Trotz der eisigen Winter bietet das Land den erfindungsreichen und anpassungsfähigen Jägern alles was sie brauchen im Überfluss. Begegnungen zwischen Neandertalern und Homo sapiens sind selten. Das Land ist riesig und die Zahl der Menschen äußerst gering. Doch die Uhr der Neandertaler läuft ab. Vor 30.000 Jahren verschwinden sie auf rätselhafte Weise für immer. Vielleicht dahingerafft durch eingeschleppte Seuchen oder letztlich überfordert durch den extremen Klimawandel.

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