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Stationen einer Expedition

Ausgedehnte Aufenthalte in Irkutsk und Jakutsk

Während der Leiter der Großen Nordischen Expedition, der Däne Vitus Bering, gegen örtliche Willkür kämpfte und sich gegen die Admiralität durchsetzen musste, war die Expedition der Akademie unter Leitung von Johann Georg Gmelin und Gerhard Friedrich Müller ganz gemächlich in Irkutsk angekommen.

Eigentlich sollten unverzüglich Jakutsk und die Halbinsel Kamtschatka angesteuert werden, doch die beiden Gelehrten ließen sich 1735 erst einmal in Irkutsk nieder.

Fenster nach Osten

Irkutsk, das 1652 von Kosaken gegründet worden war, entstand zunächst als kleine Festung, um die sich im Laufe der Zeit immer mehr Holzhäuser scharten. Für Russland wurde Irkutsk zum Fenster nach Osten, Ausgangspunkt für viele weitere Unternehmen - bis nach Amerika, obwohl immer wieder Brände die Stadt verwüsteten. Gmelin und Müller waren Augenzeugen.



Das alte Irkutsk wurde vor allem für Gerhard Friedrich Müller zu einer wahren Fundgrube. Im Archiv der Stadt stöberte er nicht nur den ältesten Stadtplan auf, er legte dort auch den Grundstein für seinen späteren Ruf als "Vater der sibirischen Geschichte".

Langsames Vorankommen

Drei Jahre waren die Forscher nun schon unterwegs, als sie sich entschlossen, weiter nach Norden zu ziehen. Noch immer hatten sie sich nicht an das raue Land und die Strapazen des Reisens gewöhnt. Der Weg führte mehr schlecht als recht durch die einsame Taiga. Der Reisewagen musste neben der Ausrüstung, auch bereits eine umfangreiche Sammlung von Fundstücken transportieren. Man kam nur sehr langsam voran und so entstanden weitere Landkarten und Zeichnungen, die Gerhard Friedrich Müller nach realen Objekten anfertigen ließ.



Ab und an stießen sie bei ihren Expeditionen auf wertvolle skythische Erzeugnisse aus der Vergangenheit. Die Fundstücke aus sibirischen Grabhügeln erfreuten bereits Peter den Großen. Und gewiss waren schon die ersten Kosaken auf solche Schätze gestoßen, hatten die Kurgane ausgeraubt und anderen Grabräubern den Weg gewiesen.

Erkundung des Seeweges

Die anderen Teilnehmer der Großen Expedition überwanden derweil die Berge im östlichen Sibirien. Die einen marschierten direkt nach Osten, um den Ozean zu erkunden. Die anderen zogen nach Norden, in noch unwirtlicheres Gebiet. Es ging um die Erkundung des nördlichen Seeweges durch das Polarmeer. Eine für Russland strategisch wichtige Verkehrsverbindung, von der man sich viel versprach. Doch die Expeditionen kehrten ergebnislos zurück. Zu unwirtlich war der Norden, in dem nur die Stärksten und die Rentiere überleben konnten.


Gmelin und Müller hatten im September 1736 Jakutsk erreicht. Als sie dort eintrafen, befanden sich viele Mitglieder der verschiedenen Seeexpeditionen schon seit längerem in der Stadt. Gmelin und Müller fanden eine primitive Bleibe, wo sie mühsam ihre Arbeiten fortführten. Dann brannte am 8. November Gmelins Behausung ab und mit ihr fast alle Aufzeichnungen der letzten Jahre und fast die gesamte wertvolle Bibliothek.

Bekanntschaft mit Schamanen

Trotz dieses Unheils waren Gmelin und Müller keineswegs darauf versessen, weiter nach Osten, bis nach Kamtschatka zu reisen. Sie erforschten die Umgebung von Jakutsk, machten Bekanntschaft mit Schamanen und der einheimischen Bevölkerung. Müller förderte im Archiv von Jakutsk die verschollenen Aufzeichnungen des Semjon Deschnew über dessen Reise durch die nordsibirischen Gewässer zutage, und Gmelin rekonstruierte seine verbrannten Forschungsergebnisse.



Ihre bisherige Arbeit war bereits sehr erfolgreich. Doch es gab immer noch Überraschungen, wie zum Beispiel Funde von Mammutknochen. In den sibirischen Weiten war einst die Heimat riesiger Mammutherden. Ihre Knochen blieben unter dem ewigen Eis bestens erhalten. Gmelins und Müllers Fund wurde durch einen zaristischen Kurier nach Sankt Petersburg gebracht.

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