Steinerner Beweis

Alte Legende über den babylonischen König bestätigt

Zweimal im Jahr - im Frühling und Herbst - reisen die deutschen Archäologen für mehrere Wochen nach Saudi-Arabien. Die Arbeit auf dem riesigen Gelände ernährt ein Heer von Helfern. Körperliche, zumal anstrengende Aufgaben erledigen in dem Öl-Staat vorwiegend Gastarbeiter. Sechs Millionen von ihnen leben in Saudi-Arabien. Sie stammen aus Indien, Pakistan und Bangladesh.

Inschrift im Stein Quelle: ZDF
Stele Quelle: ZDF

Für diese Saison geht ihr Einsatz dem Ende entgegen, doch für die Forscher soll es noch einmal einen Glückstag geben. Am Fundament des Tempels sieht Mohamed Najem eine merkwürdige Steinform aus dem Boden ragen. Eine ungewöhnliche Rundung, die zwischen dem Bauschutt auffällt. Der arabische Forscher ahnt, dass dies kein gewöhnlicher Stein ist. Gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen Arnulf Hausleiter inspiziert er das Fundstück. Auf den ersten Blick ist eine Stele zu erkennen. Noch wissen die beiden nicht, zu wessen Ehren sie angefertigt wurde.

Deutliche Botschaft

Mittlerweile haben die Wissenschaftler viele Lücken in der Geschichtsschreibung des Ortes geschlossen. Aber das Rätsel um seinen legendären Bewohner ist noch nicht ganz geknackt. Die Archäologen aus Berlin werten die Ergebnisse der täglichen Feldarbeit aus im Museum von Tayma aus. Die neuesten Erkenntnisse und Daten über die Oase des Königs. Doch obwohl er zehn Jahre in den Mauern von Tayma gelebt haben soll, stützen bislang nur Indizien, aber keine Funde die Legende von seinem Aufenthalt. Doch die geheimnisvolle Stele, die Mohamed Najem im Schutt des einstigen Tempels entdeckt hat, erweist sich als Volltreffer. Reste eines Keilschrifttextes sprechen von einem namenlosen König. Eine deutlichere Botschaft aber zeigt die Vorderseite: Eine babylonische Königsgestalt mit astralen Symbolen.

Keilschrift Chronik Quelle: ZDF

In der Ost-West-Wüste folgen die Wissenschaftler einem Hinweis auf eine weitere Inschrift. Eine von vielen, die unbekannte Reisende in der Antike in die Felsen geritzt haben. In der geschwungenen Felsformation sammelt sich das in der Wüste seltene Regenwasser. Ein idealer Rastplatz für Kamelkarawanen. Tatsachlich finden sie die Stelle, von der ihnen ein Beduine erzählt hat: eine Inschrift im Stein. Mohammed Najem entziffert die Zeichen: Ich bin Andes, ein Gefährte des Nabonid. König von Babylon.

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Der lang gesuchte Beweis, dass König Nabonid, der letzte Herrscher aus Babylon, tatsächlich da war. Die alte Legende über den fremden König ist bestätigt. Der Mann aus Babylon, der zehn Jahre seines Lebens in Tayma zubrachte, umgeben von nichts als Wüste. An einem Ort, der dank seines reichen Wasservorkommens damals die vermutlich wichtigste Oase an der Weihrauchstraße war. Die arabisch-deutsche Zusammenarbeit ist von Erfolg gekrönt.

Computerrekonstruktion Tempel Tayma Quelle: ZDF

Doch warum war Nabonid in Tayma und wo hat er residiert? Der erhöhte Standort des großen Tempels wäre aufgrund seiner Lage ideal für den Sitz eines Königs gewesen, nur: Bisher finden sich dort keine Reste eines Palastes. Der Tempel wurde im Lauf seiner Geschichte mehrfach umgebaut. Nachdem sich die Forscher durch vier Bauschichten in die Mitte des ersten vorchristlichen Jahrtausends gegraben haben, sind sie dem geheimnisvollen Monarchen so nah wie nie zuvor. Die Arbeit der Archäologen gilt der Erforschung einer uralten Oasensiedlung. Nabonid ist nur ein Teil ihrer Geschichte - wenn auch ein schillernder. Die Forscher sind zuversichtlich, seinen Palast eines Tages zu finden.

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