Steinkonstruktion in Fläche B

Brunnenfund spricht für größere und dauerhafte Siedlung

Die Beweise für eine Siedlung werden immer zahlreicher. Wie entwickelte sie sich? Wie war das Aufeinandertreffen mit den als wild und grausam verschrienen Nordmännern, von denen so viele in den Hügeln bestattet sind? Im Grabungshaus, dem alten Schloss Bledau aus deutscher Zeit, geht die Arbeit nach der Feldforschung weiter.

Große Feldsteine Quelle: ZDF

Es folgt die Aufarbeitung der Funde durch die acht deutschen und zwölf russischen Studenten. Das schriftlose, von Mythen und Legenden umrankte Volk der Prußen bekommt eine durch Fakten belegte Geschichte.

Metallfunde auf der Geomagnetik-Karte von Wiskiauten Quelle: ,ZDF,Stephan Zengerle

Ungewöhnlich großer Brunnen

Timo Ibsen gibt die Ergebnisse in das Geoinformationssystem ein. Millimetergenau liegen alle relevanten Informationen virtuell übereinander, von der Wäldchenkarte bis zu jedem Einzelfund. Geomagnetisch untersuchte Flächen sind grau markiert und die Grabungsschnitte darin präzise gekennzeichnet. Ibsen interessiert vor allem die Steinkonstruktion von Fläche B. Der Archäologe erkennt eine quadratische Struktur, in der Mitte ein Ring. Das könnte ein Brunnen sein, ein ungewöhnlich großer Brunnen sogar. In Sichtweite zum Wäldchen mit den Gräbern.

Bernsteinperle Quelle: ZDF

In Fläche B soll die Steinkonstruktion genauer untersucht werden, doch über Nacht hat es stark geregnet. Fläche B ist wieder ein schmutziger Tümpel. Wie sollen sie in dieser Brühe eine wissenschaftliche Analyse des Bodens vornehmen? Damit ihnen davon auch nicht das kleinste Stück entgeht, wird der gesamte Aushub gesiebt und geschlämmt. Unermüdlich, Eimer um Eimer. Eine Studentin des Grabungsteams findet tatsächlich eine Bernsteinperle. Schmuck einer Prußenfrau? Kostbares Handelsgut? Eins wird schnell deutlich: Es ist nicht der einzige Bernstein, der in den Brunnen gefallen ist. Das begehrte "Gold der Ostsee", gefunden in einer mächtigen Brunnenanlage.

Neues Fahndungsgebiet

An der Stelle, an der sich jetzt die Autowerkstatt von Wiskiauten befindet, hat nach Timo Ibsens Berechnung sein Vorgänger Max Ebert die Siedlung vermutet. Doch der Boden ist großflächig versiegelt. Die Archäologen sehen keine Chance auf eine erfolgversprechende Grabung. Deshalb erweitern sie ihr Fahndungsgebiet auf das Kurische Haff, drei Kilometer nordöstlich von Wiskiauten. Die Kurische Nehrung ist ein überwiegend sandiger Streifen Land, der das Haff von der offenen Ostsee trennt. Wenn sie Wiskiauten den Zugang zur Ostsee abschnitt, kann es kein Handelszentrum wie Haithabu gewesen sein, und Timo Ibsen wird vergeblich nach umfangreichen Siedlungsspuren suchen.

Karte Verbindung Durchfahrt Wikingerschiffe Quelle: ZDF

Doch die Nehrung ist an ihrer schmalsten Stelle heute gerade 380 Meter breit. Bei Sturmfluten ist sie schon öfter überspült worden. Es könnte also auch in der Vergangenheit eine Durchfahrt für die Wikinger-Schiffe gegeben haben. Nur dann hätte Wiskiauten als einer der großen Umschlagplätze eine Chance gehabt. Die vorläufigen Ergebnisse der Kieler Geologen sprechen dafür. Es gab vor 1000 Jahren eine Öffnung zur Ostsee hin. Das Wasser reichte zumindest nah an die Prußensiedlung heran.

Bäume am Rand des Kurischen Haffs Quelle: ZDF

Alte Küstenlinie

Eine Handelsstadt also, wie Haithabu. Doch wo liegt die Voraussetzung dafür, der geschützte Hafen? Mit einem einheimischen Führer und dem geologischen Gutachten der Kieler geht Timo Ibsen auf die Suche. Die Gegend nördlich von Wiskiauten ist ein Irrgarten aus Schilf und Wasser. Mit dem Kanu stoßen sie immer weiter in das Labyrinth am Rand des Kurischen Haffs vor. Die Orientierung ist schwierig, doch die Kieler Bohrungen ergaben hier eine mögliche alte Küstenlinie. Ibsen entdeckt eine schiffbare Rinne, das Wasser wird immer flacher, mooriger. Dann stoßen sie auf Bäume: Hier muss früher einmal Festland gewesen sein - das Hafengelände.

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