Strapazen im Inka-Land

Monate der Entbehrungen

Während sich die Indios in den unzugänglichen Bergen versteckt hielten, stieg die Spannung unter den spanischen Soldaten. Immer wieder trafen sie nur auf verlassene Städte. Von Spionen erfuhren sie, Atahualpa hätte alle Krieger zu einer gewaltigen Streitmacht zusammengezogen.

Als die Soldaten auf dem Vormarsch Inka-Gräber plünderten, starben einige von ihnen auf unerklärliche Weise. Die Prophezeiungen der fremden Götter schienen einzutreffen: "Wir werden aus ihrer Hirnschale trinken, aus ihren Knochen Flöten schnitzen, wir werden ihnen die Haut abziehen und sie auf unsere Trommeln spannen." Heute weiß man, dass sich in den versiegelten Gräbern im Laufe der Jahre ein hochgiftiges, leicht entflammbares Gas bildete.

Unsichtbarer Feind

Wenn die Nacht hereinbrach, suchten Pizarro und seine Männer Schutz in den verlassenen Ruinenstädten. Hier verteilten sie die ersten, glanzvollen Stücke, die sie aus Gräbern geplündert hatten. Die Beute heizte die fiebrige Gier weiter an: In diesem Land müsse es noch viel mehr Gold geben. Einen wichtigen Schatz der "Neuen Welt" hatten sie jedoch schon entdeckt, ohne es zu ahnen. Am Lagerfeuer rösteten sie eine seltsame Knolle, die schon bald ganz Europa erobern sollte: die Kartoffel.

Noch immer führte Pizarro seine Männer gegen einen Feind, der unsichtbar blieb. Drei Monate waren sie schon unterwegs und unter den Männern regten sich erste Zweifel am Erfolg ihrer Mission. Trost suchten sie in Gebeten und Bittgesängen an die Jungfrau Maria. Heimweh plagte die Gemüter, doch in die spanische Heimat, wo sie als Bauern geknechtet und von der Inquisition bedroht wurden, führte kein Weg zurück. Ihre einzige Chance lag hier in der "Neuen Welt", wo sie ihr Leben für Reichtum und den Ruhm des Vaterlandes aufs Spiel setzten.

Gefährliche Pfade

Nach Monaten der Entbehrung stießen die Männer endlich auf ein Vorratslager der Inka. Erste indianische Verbündete versprachen, die Spanier durch die schneebedeckten Anden zu ihrem König Atahualpa zu führen. Obwohl sie auf diesen gefährlichen und einsamen Pfaden den Indios nicht wirklich trauen konnten, blieb ihnen kaum eine Wahl. Im November 1532 erreichten die Konquistadoren die 5.000 Meter hohen Gipfel der Kordilleren. Der Chronist notierte: "Das Atmen in der dünnen Luft schmerzt in den Lungen. Am Tag tasten sich die Männer mit ihren Pferden an den schwindelerregenden Abgründen entlang. So fürchterlich sind die Strapazen, dass ein jeder nur noch ihr Ende herbeisehnt, was immer danach auf ihn warten mag."

Vormarsch nach Cajamarca

Nach 400 Kilometern näherten sich die Spanier der Inka-Festung Cajamarca. Für Atahualpa war dies keine Überraschung, schon längst hatten ihm seine Staffelläufer die Nachricht überbracht. Entschlossen wagten sich die Soldaten ins Herz des Inka-Reiches. Zum ersten Mal trafen sie nicht auf verlassene Ruinen, sondern staunten über gewaltige Terrassenanlagen. Nun wurde ihnen klar, sie würden nicht auf einen Haufen wilder Eingeborene stoßen. Möglicherweise wartete die Inka-Armee im Schutze der gewaltigen Berge.

Unbeirrt befahl Pizarro den Vormarsch nach Cajamarca. Kurz vor dem Ziel stießen seine Truppen jedoch auf ein gewaltiges Hindernis. Mächtige Steinblöcke schützten eine gigantische Festungsanlage. Bis heute ist ungeklärt, wie die Baumeister der Inka bis zu 130 Tonnen schwere Quader brechen und fugengenau zu einer Mauer zusammensetzen konnten. Die staunenden Spanier hatten ihre eigene Erklärung: Sie vermuteten, dass nur mit Hilfe des Teufels die riesigen Felsbrocken so perfekt behauen werden konnten. Dennoch schickte Pizarro seine Kundschafter auf "Luzifers Mauern".

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