Streit der Kulturen

Aufbruch nach 13 Tagen im Paradies

Fünf Tage liegt die französische Boudeuse bereits vor Tahiti. Und noch immer scheint jeder Tag, den die Franzosen an Land verbringen dürfen, wie ein Tag im Paradies. Doch unter der idyllischen Oberfläche gären die ersten Konflikte.

Die Tahitianer kennen in ihrem Wertesystem weder privaten Besitz noch Eigentum. Aus naiver Neugierde entwenden sie immer wieder Waffen, Kleidung und Werkzeug der Franzosen. Der Unmut der Europäer darüber ist wiederum den Polynesiern völlig unverständlich.

Die Stimmung schlägt um

Bord-Arzt Commerson wagt es, trotz der gereizter werdenden Stimmung, die Kranken von Bord der Boudeuse ins Dorf bringen zu lassen. Ganz gegen die sonstige Vorsicht europäischer Seefahrer überwacht er in einem provisorischen Lazarett die Pflege der Skorbut-Patienten. Eigentlich benötigten sie noch Wochen der Erholung.


Tag für Tag müssen die Tahitianer nicht nur die Kranken, sondern auch die vielköpfige Besatzung der Boudeuse mit Nahrung versorgen. Die Stimmung schlägt gänzlich um, als drei Dorf-Bewohner erstochen aufgefunden werden. Bougainville muss die Matrosen, die man für die Schuldigen hält, vor den Augen der Polynesier in Fesseln legen lassen, um die Gemüter zu beruhigen.

Harte Verhandlungen

Der tahitianische Regent Ereti drängt die Europäer, die Insel zu verlassen, bevor der Streit der Kulturen eskaliert. Doch Bougainville, der Prinz von Nassau und Astronom Veron versuchen, Ereti umzustimmen. 18 Korallensteine sollen symbolisieren, wie viele Tage sie noch bleiben wollen. Jeder Stein steht für einen Tag im Paradies. Ereti lässt seinen Verhandlungsführer neun Steine entfernen. Zu wenig, um die Kranken gesund zu pflegen und genug Vorräte für die Weiterreise an Bord zu sammeln. Nach harten Verhandlungen gelingt es den Franzosen, wenigstens 13 Tage Aufenthalt auf Tahiti durchzusetzen.

Nach 13 Tagen auf Tahiti verlassen Bougainville und seine Männer das Paradies. Die Boudeuse hat Berge von Bananen und Kokosnüssen, 800 Stück Geflügel und 150 Schweine geladen. Es ist der 15. April 1768. Und man bricht mit gemischten Gefühlen auf. Dabei können die Franzosen nur ahnen, dass der gefährlichste Teil der Reise noch vor ihnen liegt. Etwa einen Monat lang kreuzt Bougainville im südlichen Pazifik und sucht weiter nach dem "Südland". Aber schon bald beginnt er zu zweifeln, ob es den sagenumwobenem Erdteil überhaupt gibt.

Eine Frage von Leben und Tod

Die Boudeuse passiert in den folgenden Wochen unzählige Inseln. Doch die Männer im Ausguck entdecken keine einzige Passage durch die unüberwindlichen Riegel der Korallenriffe, die jedes Eiland umgeben. Alle hören das Getöse der schweren Sturzwellen, die sich auf den Korallenbänken brechen. Die Navigation zwischen den messerscharfen Riffen erweist sich mehr und mehr als eine Frage von Leben und Tod: Der geringste Fehler kann den Untergang bedeuten - in einem unerforschten Ozean, den kein europäischer Seefahrer vor ihnen befahren hat.

Von einem der Beiboote lässt Bougainville immer wieder die Tiefe der Fahrrinne ausmessen. Im Schneckentempo kommt die Boudeuse voran. Doch die Franzosen haben nur noch für zwei Monate Brot und für 40 Tage Gemüse. Das in der Wärme verdorbene Fleisch dagegen macht die Männer krank. Bougainville schreibt ins Logbuch: "Wir aßen lieber die Ratten, welche wir fangen konnten. Es war also höchste Zeit, gegen Norden oder gar etwas gegen Osten hinaufzugehen."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet