Streit um Patent Nr. 3633

Goodyear diesmal als Kläger

Im Jahr 1850 reist Charles Goodyear nach Europa. Ein bedeutender Anlass steht bevor. In London eröffnet Queen Victoria eine große Ausstellung. In einem prächtigen Glasbau im Hyde Park feiert man das beginnende Industriezeitalter mit der ersten Weltausstellung. Doch Goodyears Euphorie wird durch einen lästigen Widersacher getrübt.

Charles Goodyear lässt mit Helium gefüllte Ballone durch die Räume schweben, die Wände verhängt mit gummierten Stoffen, Bildern und Schmuckstücken aus Gummi. Mit geliehenem Geld inszeniert er seine Vision - eine Welt aus Gummi.

Bedrohliche Nachrichten

Goodyears Pavillon bringt ihm Jubel und Auszeichnungen, macht ihn zum Star der ersten Weltausstellung. Doch noch während er sich in seinem Erfolg sonnt, erreichen ihn bedrohliche Nachrichten. Seine Partner in Amerika bitten ihn dringend zurückzukommen. Gerichtliche Auseinandersetzungen drohen. Doch diesmal wird Goodyear der Kläger sein.

Sein alter Widersacher Horace Day hat jahrelang Goodyears Patente missachtet. Nicht nur den elastischen Stoff, sondern auch Schuhe und andere Artikel aus "vulcanised rubber" hergestellt, immer wieder den Lizenzvertrag gebrochen. Jetzt ist ein Prozess nicht mehr zu vermeiden. Day hat den berüchtigten Anwalt Rufus Choate, engagiert, ein Spezialist für aussichtslose Fälle. Goodyear hat dem Anwalt an seiner Seite eine bis dahin noch nie gezahlte Summe geboten. Für 10.000 Dollar den angesehenen Politiker Daniel Webster verpflichtet.

Prozess des Jahrhunderts

Das öffentliche Interesse an dem Streit ist riesig. Die Zeitungen berichten täglich aus dem Gerichtssaal. Zuschauer müssen abgewiesen werden. Es wird der Prozess des Jahrhunderts. Zwei Tage dauern die Schlussplädoyers. Webster schickt seine Zuhörer auf eine Zeitreise. Beschreibt den Mann, der jahrelang Armut und Leiden auf sich genommen hat, um ein Verfahren zu finden unbrauchbaren Naturkautschuk in ein hochwertiges Produkt zu verwandeln. Wer außer Goodyear soll der wahre Entdecker der Vulkanisation sein? Wer außer ihm hat so sehr darum gekämpft? Wem, wenn nicht ihm, gebührt die Ehre und das Recht, sich Vater der Vulkanisation zu nennen?

Von Chemikalien verätzt

Am 23. März 1852 entscheidet der Richter, dass das Patent mit der Nr. 3633 rechtmäßig in Goodyears Besitz ist. Nur er dürfe als Erfinder das Verfahren zur Herstellung von Gummi nutzen und lizenzieren. Sein Konkurrent Day wird verurteilt, den Schaden aus sämtlichen Patentverletzungen voll und ganz zurück zu zahlen. Goodyear ist überglücklich. Ist dies doch endgültig die Anerkennung für all die entbehrungsreichen Jahre. Er zahlt den größten Teil seiner Schulden und investiert unverzüglich 50.000 geliehene Dollar für die Vorbereitung einer neuen Ausstellung in Paris.


Doch sein Gesundheitszustand verschlechtert sich. Seine Augen liegen tief in den Höhlen, seine Gesichtsfarbe ist gelblich. Die Hände schmerzen, sind von Chemikalien verätzt. Der jahrelange Umgang mit Bleioxyd scheint sich zu rächen. Charles Goodyear fühlt, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. In zwei Bänden hält er die Erfahrungen und Träume seines Lebens fest. Bringt Visionen von Kautschukanwendungen zu Papier. Als er keinen Verlag findet, publiziert er sein Werk selbst. Ganze zwölf Exemplare werden aufgelegt.



Im Jahr 1860 stirbt Charles Goodyear, sechs Monate vor seinem 60. Geburtstag. Seiner Familie hinterlässt er das Patent Nr. 3633 und 200.000 Dollar Schulden. 38 Jahre nach seinem Tod gründen die Brüder Frank und Charles Seiberling, Söhne deutscher Einwanderer, in Akron, Ohio eine Gummifabrik. Sie erhält den Namen Goodyear Tire & Rubber Company in Gedenken an den Vater der Vulkanisation. Eine Erfindung, die die Welt verändert hat.

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