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Streitmacht neuer Maßstäbe

Ying Zheng revolutioniert die Kriegsführung

Nicht nur die Größe seiner Armee sichert König Ying Zheng den militärischen Erfolg, sondern auch seine neuen Ideen in der Kunst der Kriegsführung. Noch heute lässt sich die Schlachtordnung anhand der 2200 Jahre alten Terrakotta-Krieger von Xi'an präzise rekonstruieren.

Obwohl die farbige Bemalung über die Jahrtausende abgeblättert ist, zeugen die entschlossenen Gesichtszüge der Ton-Soldaten immer noch von der unerbittlichen Härte dieser tödlichen Phalanx. Die Kämpfer verbreiteten in allen Teilen des Landes und über seine Grenzen hinaus Furcht und Schrecken.

Moderne Taktiken

Die Aufstellung seiner Truppen stellt die Feinde des Königs von Qin vor ungekannte Herausforderungen: Vorweg marschieren drei Reihen Armbrustschützen, die antike Artillerie. Dahinter folgen die Streitwagen, die von vier Schlachtrössern gezogen werden. Von hier aus kommandieren die Offiziere ihre Einheiten. Die Truppen, die die Kampfwagen flankieren, tragen bis zu sechs Meter lange Lanzen. In der Schlacht hindern sie die gegnerischen Soldaten daran, den Schlachtrössern der Kommandowagen die Köpfe abzuschlagen.



Ihnen folgen in Viererreihen die Fußsoldaten. Die effektivste Waffe der Armee aus Qin ist die Armbrust. Mit einer Reichweite von mehr als 200 Metern trägt die Fernwaffe den Tod in die feindlichen Linien - ohne das Risiko des Kampfes von Mann gegen Mann. Die Scharfschützen wechseln sich beim Schießen ab. Überlieferungen berichten von der rhythmischen Schussfolge und dem endlosen Pfeilschwarm, der den Himmel zu verdunkeln schien.

Seiner Zeit weit voraus

Ein ganzes Arsenal einsatzbereiter Waffen förderten Archäologen Ende der 70er Jahre aus den Gruben der Terrakotta-Armee zutage. Der nahezu neuwertige Zustand gab den Experten zunächst Rätsel auf. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass die Waffenschmiede der Qin bereits ein Verfahren zur Metall-Konservierung kannten, das in Europa erst 1938 zum Patent angemeldet wurde.

Die Qin stellen Qualitätsarbeit am Fließband her - ein Vorläufer industrieller Massenproduktion. Die Formen sind so exakt vermessen, dass die Serienprodukte nur wenige Millimeter voneinander abweichen. Auch Abzugsmechanik und Pfeile für die Armbrust wurden in Stückzahlen gefertigt, die in die Zehntausende gehen. Den massiven Pfeilspitzen sieht man ihre tödliche Wirkung noch heute an, ihre Durchschlagskraft war unerreicht.

Grauenvoller Militärkodex

Oberstes Gebot der Armee ist Tapferkeit: Fällt ein Qin-Soldat, muss der Rest der Einheit seinen Tod rächen. Wer versagt, wird nach der Schlacht hingerichtet. Die Revolution gegen die alte Vielstaaterei kostet über zwei Millionen Menschen das Leben. Der ritterliche Kampf des Feudalzeitalters mit seinen moralischen Vorstellungen von Ehre und Gnade hat ausgedient: Qins Heerführer verdienen sich ihren Rang durch den Erfolg auf dem Schlachtfeld, nicht durch aristokratische Abstammung.


Die Maxime, nach der Qins Soldaten ausgebildet werden, lautet: "Bring mir den Kopf eines Feindes, und Du wirst einen Rang höher steigen." Sogar die Hinrichtung von Kriegsgefangenen gilt als ehrenvolle Tat. Die Qin-Krieger begraben sie bei lebendigem Leibe. Glaubt man der Überlieferung, so fallen diesen Massakern mehr als 400.000 Menschen zum Opfer.

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