Streitsüchtige Dynastien

Die ersten Jahre des Hundertjährigen Krieges

Frankreich steckt im 14. Jahrhundert in einer tiefen Krise. Die Zuspitzung eines Thronfolgestreits führt zu jenem Krieg, der als "Hundertjähriger" in die Geschichte eingehen sollte.

Zermürbt von der Pest im vorigen Jahrhundert und verstört durch den Tod des letzten männlichen Karpetinger und französischen Königs Karl IV. gerät Frankreich im Jahr 1328 in eine schwierige Lage. Der König stirbt kinderlos. Mit seinem Tod entbrennt ein Streit um die Thronfolge zwischen seinem Cousin Philipp IV. und Edward III. von England.

Ungeklärte Thronfolge

Nach salischem Erbrecht, welches Thronansprüche über weibliche Nachkommen ausschließt, wäre der Vetter Philipp aus dem Haus Valois der rechtmäßige Thronfolger gewesen. Aber mit dieser französischen Thronfolge findet König Edward III. von England sich nicht ab. Durch seine Mutter Isabella, der Schwester Karls IV., erhebt er trotzdem Ansprüche. Er pocht auf seine eigene Verwandtschaft mit dem erloschenen Königsgeschlecht und versucht, seinen Anspruch ab 1339 auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen.

In diesem Jahr ernennt sich Edward III. selbst zum König von Frankreich. Die französische Flotte wird in einer Seeschlacht vor dem flämischen Hafen Sluys vernichtend geschlagen. Erst 1345 entschließt sich Edward III. nach einem kurzen Waffenstillstand, die militärische Entscheidung auf dem Kontinent zu suchen.

"David gegen Goliath"

Während König Edward III. selbst nach Flandern geht und dort nicht wirklich viel ausrichten kann, heimsen seine Heerführer in der Gascogne und der Bretagne umso größere Siege ein. Stadt um Stadt nehmen sie ein und breiten sich weit nach Norden aus. Die Besatzungstruppen von König Philipp VI. werden vertrieben und schließlich bringen die Engländer 1347 die gesamte Bretagne unter ihre Kontrolle, in die die Engländer zuvor eingedrungen waren.

In anderen Schlachten beweisen die Engländer wiederum ihr Talent in der Kriegsführung. In der Normandie stehen sie einem fast doppelt so großen Heer der Franzosen gegenüber. Während die Soldaten Philipps IV. auf ihre zahlenmäßige Überlegenheit vertrauen und glauben, die Schlacht durch offensive Ritterangriffe für sich entscheiden zu können, setzen die Engländer auf ihre Erfahrung aus den früheren Kriegen gegen Wales und Schottland. Sie beziehen eine streng defensive Position: Abgesessene Reiter, Fußsoldaten und Bogenschützen warten auf ihre Gegner um sie innerhalb weniger Stunden mit Geschosshageln außer Gefecht zu setzen und so die Bataille für sich zu entscheiden. Über 1500 tote Franzosen bleiben auf dem Feld zurück, unter ihnen auch befreundete und verwandte Bündnispartner des französischen Monarchen.

Sieg als nationales Anliegen

Als die Franzosen im Herbst 1347 einem siebenjährigen Waffenstillstand zustimmen, kann König Edward III. als Sieger und Triumphator in die Heimat zurückkehren. Der Krieg, der ganz im Sinne einer Fehde zwischen dem französischen und dem britischen Königshaus um feudale Rechtsansprüche begonnen hat, ist zum nationalen Anliegen geworden.

Zehn Jahre später entflammt der Streit erneut. In Frankreich ist inzwischen Johann der Gute seinem Vater Philipp auf den Thron gefolgt, während in England der "Schwarze Prinz", der tatkräftigste Sohn des Edward III, für die Territorialansprüche zuständig ist. Die zweite große militärische Entscheidung im Hundertjährigen Krieg fällt, als Johann der Gute 1356 bei Poitiers die Engländer zur Schlacht stellt.

Fette Kriegsbeute

Wiederum unterschätzen die Franzosen die zahlenmäßig unterlegenen Briten und so müssen sie sich unter Geschosshagel der Niederlage stellen. Unter den schließlich aufgegriffenen Kriegsgefangenen befindet sich ein Prominenter - der französische König selbst hat es nicht mehr rechtzeitig geschafft, vom Schlachtfeld zu fliehen.

Johann wird gefangen genommen und nach England verschleppt, muss dort einem Waffenstillstandsabkommen zustimmen und eine hohe Lösegeldsumme aufbringen. Diese Niederlage stürzt Frankreich in eine schwere Krise. Erst 1360 lösen ihn die Franzosen aus - zu einem fast unerschwinglichen Preis von drei Millionen Goldkronen.

Vertrag von Brétigny

Die kriegsführenden Länder einigen sich 1360 in Brétigny endlich auf einen Friedensvertrag. König Edward III. verzichtet offiziell auf den französischen Thronanspruch und kann doch beachtliche territoriale Eroberungen vorweisen - die Gascogne, das Limousin, Calais und weitere Gebiete im Norden und Westen Frankreichs gehen an England. Zunächst scheint es so, als sei der Krieg nun auf Dauer beendet. Doch keiner der beiden Vertragspartner hält sich an die Abmachungen und die beiden kriegsgeläuterten Parteien begeben sich wiederum in den Krieg.

Um 1369 bricht der Krieg unter Karl V., dem Weisen, erneut aus. Innerhalb weniger Jahre erobert das französische Heer viele der besetzten Gebiete wieder zurück. Der britische Thronfolger und sein Vater, der König, sterben in zwei aufeinander folgenden Jahren. Die Eroberungsfeldzüge werden 1386 ausgesetzt, die Kriegsparteien gewähren sich einen 28-jährigen Waffenstillstand.

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