Ströme aus Eis

Gleitende Gletscher prägen Europas Landschaften

Die Berge tragen noch immer die gewaltigen, dynamischen Mächte der Eiszeiten, denen viele europäischen Landschaften ihr heutiges Gesicht verdanken: Gletscher.

Gletscher scheinen starr und unbeweglich. Aber das Gegenteil ist richtig - vor allem im Hochgebirge. Gletscher fließen und gleiten erstaunlich schnell - bis zu 20 Meter in der Woche.

Unübersehbare Spuren

Eigentlich ist ein Gletscher eher ein Fluss aus Eis. Sein enormes Gewicht lässt ihn auf einem Film von Schmelzwasser gleiten. Dabei reißt er Felsbrocken aus dem Untergrund und schleppt sie mit sich fort. Wie ein gigantischer Hobel glättet der Strom aus Eis sein felsiges Bett. Die Spuren der Gletscher in Europas Landschaften sind unübersehbar: von Schottlands breiten Trogtälern bis zu Norwegens steilen Fjorden und von Spaniens Picos de Europa bis zu den Karen der Alpen.



Gletscher schürfen nicht nur Täler aus. Sie sind auch gigantische Förderbänder. Gewaltige Massen an Gestein fließen mit dem Eis oft Hunderte Kilometer weit. Das Geröll bleibt zusammen mit Erdwällen liegen, wo der Gletscher endet oder abschmilzt und bildet dort verschiedenartige Moränen, manchmal in bizarren Formen.

Wie versteinerte Zwerge

Eine der auffälligsten Gletschermoränen befindet sich bei Seganzano in Südtirol. Mitten aus dem Wald ragen hier Gruppen seltsamer Säulen - der Sage nach versteinerte Zwerge, die für ihren Übermut bestraft wurden. Tatsächlich aber sind es Reste einer Moräne der letzten Eiszeit. Im Lauf der Jahrtausende hat Regenwasser Sand und Lehm zwischen dem Geröll herausgespült, übrig blieben bizarre Gebilde.


In anderen Gegenden haben Eiszeitgletscher riesige Dünen hinterlassen. Woher aber stammt all dieser Sand? Als der Eisschild im Bereich der heutigen Ostsee schmolz, blieben Berge von Sand und Geröll zurück, die von der Brandung weiter zermalen wurden. An der Frischen und Kurischen Nehrung in Polen türmt der Wind den Eiszeitsand zu Dünen auf. Die Dünen wachsen noch immer, um bis zu 9 Meter pro Jahr. Und sie begraben alles, was sich ihnen in den Weg stellt.

Millionen Tonnen von Staub



Gletscher zerreiben Gestein sogar zu feinstem Staub. Die starken Nordwestwinde der letzten Eiszeit wehen Millionen Tonnen von Staub von den Alpen bis ans Schwarze Meer. Meterdicke Schichten dieses Flugsandes lagern sich als Löss entlang der Donau ab.

Europa verdankt diesem Staub einen Großteil seiner Macht. Denn die Lössböden gehören zu den weltweit fruchtbarsten Ackerflächen. Allein in Südosteuropa liegen 50.000 Quadratkilometer bestes Ackerland. Europas Kornkammer ist ein Vermächtnis der Eiszeit. Damit war die Grundlage für das Bevölkerungswachstum und die industrielle Entwicklung späterer Epochen gelegt, was Europa lange zu dem führenden Kontinent der Welt machte.




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