Stunde des Strategen

Die "Kesselschlacht" von Cannae

In Cannae bezieht Hannibal ein Lager und erwartet den Angriff der römischen Legionen. Und sie kommen! Auf der Ebene von Cannae marschieren 80.000 Mann auf - das größte Heer, das Rom jemals ins Feld geschickt hat.

Cannae, ein kleines Nest in Apulien, sollte zum Inbegriff von Vernichtung und Verderben werden. 130.000 Soldaten kämpfen um Sieg und Leben. Als "Kesselschlacht" ist Cannae in die Annalen der Militärgeschichte eingegangen. Bis heute gilt sie als das Meisterwerk raffinierter Kriegsführung.

Karthagische Klammer

Im Vordergrund steht das Heer der Karthager, dahinter die römischen Legionen. Hannibals Schleuderer machen den Auftakt. Gezielt nehmen sie die Römer unter Beschuss und ziehen sich dann schnell hinter die eigenen Linien zurück. Dann stoßen die karthagischen Fußtruppen in Richtung der Römer vor.


Mit einem besonderen Auftrag: Sie sollen die weit überlegenen römischen Legionen eine Zeitlang aufhalten und dann langsam von den Seiten her umklammern. Noch ahnen die Römer nichts von der tödlichen Gefahr. Die Schlacht wird in ihrem Rücken entschieden. Hannibals Reiter lassen die Falle zuschnappen. Blitzschnell schließen sie den Kessel von Cannae.

Eine ganze Armee wird zermalmt. Ein Blutbad von schockierenden Ausmaßen: 50.000 Tote auf der Fläche eines Fußballfeldes. Die noch Kraft besitzen, entblößen ihren Nacken und flehen um den Gnadenstoß. Und Hannibal schickt die Ringe der Gefallenen als Trophäen nach Karthago. Was für ein Sieg!

Ruf der Unbesiegbarkeit

Hannibal hat in Cannae über die doppelte Übermacht der Legionen triumphiert. Von jetzt an geht ihm der Ruf der Unbesiegbarkeit voraus. Muss Rom vor dem Mann aus Afrika kapitulieren? Die Nachricht von der Katastrophe erschüttert die Stadt am Tiber in ihren Grundfesten. So siegesgewiss hatten die Senatoren ihre kolossale Armee losgeschickt, so zuversichtlich, den Eindringling von der Erde zu tilgen. Der Schock sitzt tief. Aber kapitulieren? Das Wort kennen diese Männer nicht. Sie folgen ihrer eigenen Logik:

Aber mit welchen Konsequenzen? Der Hölle von Cannae ist Scipio mit knapper Not entkommen, hat erlebt wozu der Karthager fähig ist. Wer kann Rom jetzt noch helfen? "Hannibal ante portas" - Hannibal vor den Toren, der Schreckensruf hallt durch die Gassen. Sind die Tage Roms gezählt? Jede Stunde rechnet man damit, dass der Karthager die Stadtmauern belagert. Wochen des Wartens, der Angst - aber Hannibal greift nicht an.

Kein Angriff auf Rom

Auch Hannibals Generäle sind fassungslos. "Zu siegen verstehst Du, aber nicht den Sieg zu nutzen," halten sie ihm vor. Er verspiele die Früchte seiner großartigen Erfolge. Aber Hannibal weigert sich. Es gibt keinen Angriff auf Rom. Was hält ihn ab? Angst, übertriebene Vorsicht - wie die antiken Chronisten vermuten? Oder ganz im Gegenteil: Weitsicht, die nüchterne Einschätzung seiner Lage?




Führt der Weg zum Sieg wirklich nur über die Mauern Roms? Die militärische Stärke der Römer beruht nicht auf dieser Stadt, sondern vor allem auf dem Land, das sie umgibt. Von hier rekrutiert der Senat über die Hälfte seiner Soldaten. Aber diese Männer sind Angehörige italienischer Volksstämme, die Rom blutig unterworfen hat. Sie müssen nun Seite an Seite mit den Legionären vom Tiber Wehrdienst leisten - eine erzwungene Waffenbrüderschaft. Hier will Hannibal den Hebel ansetzen, will die Bundesgenossen Roms auf seine Seite ziehen.

Feldzug ohne Ziel

Aber diesmal verrechnet sich Hannibal. Die Verbündeten der Römer weigern sich, zu seiner Armee überzulaufen. Und der Senat hat dazugelernt: er lässt das unbesiegbare Heer einfach in die Leere laufen, verweigert jede Schlacht. Eine absurde Situation: Hannibal zieht von jetzt an kampflos durch Feindesland - auf verschlungenen Wegen ohne Anfang und ohne Ende. Ein Feldzug ohne Ziel. Ein Sieger ohne Besiegte. Der Enttäuschte greift zu brutalen Mitteln: Wenn Überredung nicht reicht, soll blanker Terror wie Brandschatzung die Freunde Roms auf seine Seite zwingen. Das Land versinkt in Schutt und Asche.

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