"Auf zur Bastille!"

Aufruf des erzürnten Volkes wird zur Parole des Tages

Am 14. Juli wird das Hôtel de Ville - das Rathaus - zum politischen Zentrum der Bürgerschaft. Diese hat den Bürgermeister bereits am Vortag abgesetzt und eine neue provisorische Stadtregierung gebildet, das Comité Permanent. Es ist vom Volk legitimiert, nicht vom König.

Das Volkskomitee organisiert den Aufruhr, stellt die Bürgerwehr auf und sorgt für die Verteilung von Waffen und Pulver.

"Viel zu wenig Pulver"


Charpentier-Bericht (4.15 Uhr): "Wie ein Lauffeuer hatte sich in der Nacht die Nachricht verbreitet, dass im Rathaus Schießpulver gelagert sei. Alle strömten dorthin, jeder wollte einen Teil ergattern. Denn ohne Pulver waren unsere Waffen nutzlos. Das Volkskomitee hatte eine ganze Schiffsladung Fässer bei einem Händler beschlagnahmen lassen. Aber dann stellte sich heraus: Es war immer noch viel zu wenig Pulver für uns alle."

Verfaulen bei lebendigem Leibe

Nur zwei Kilometer vom Rathaus entfernt liegt die Bastille. Die Armee hat 350 Fässer Pulver dorthin bringen lassen, um sie dem Zugriff der Bürgerwehr zu entziehen. Das Volk fühlt sich verraten und reagiert erzürnt: "Auf zur Bastille!": Der Ruf wird zur zündenden Parole des Tages.


Seit dem 17. Jahrhundert haben die Könige von Frankreich die Bastion der mittelalterlichen Stadtbefestigung als Gefängnis genutzt: "Gleich beim ersten Anblick macht die Bastille einen gewaltigen Eindruck. Darin schmachten oft lebenslänglich alle, die etwas wider den König oder die höchste Regierung gesagt haben. Wasser und Brot ist ihre Nahrung; viele verfaulen bei lebendigem Leibe", berichtet ein Augenzeuge. Am 14. Juli wird das berüchtigte Staatsgefängnis zum Brennpunkt des Geschehens.

Kanonen auf der Bastille

Auf den Zinnen der Bastille stehen mehr als ein Dutzend Geschütze, ausgerichtet auf den Vorort St. Antoine. Dort befürchtete man, der Kommandant der Bastille könne das Viertel in ein Trümmerfeld verwandeln.



Charpentier-Bericht (6.30 Uhr): "Als wir im Morgengrauen mit einer Delegation an der Bastille ankamen, hatte sich bereits eine aufgebrachte Menge versammelt. Sie forderte die Herausgabe der Pulverfässer an die Bürgerwehr. Wir aber mussten erst einmal dafür sorgen, dass die Kanonen auf der Bastille zurückgezogen wurden."

Die Delegierten werden zum Gouverneur De Launay vorgelassen. Er befehligt 82 Soldaten und eine Verstärkung von 32 Schweizer Gardisten. So kann er aus einer Position der Stärke verhandeln. Er stellt sogar Unteroffiziere als Geiseln, um dem Volk vor der Bastille die unversehrte Rückkehr der Delegierten zu garantieren.

Schweizer Gardisten als Rückhalt

Die Delegierten schildern dem Gouverneur die Ängste der Bevölkerung vor einem Einsatz der Kanonen, doch De Launay kann sie ohne Befehl des Königs nicht entfernen lassen. Er bietet aber unter Ehrenwortbekundung das Herumdrehen der Kanonen und den Verzicht auf deren Einsatz an - unter der Bedingung, dass die Bürger die Brücken und Tore nicht angreifen. De Launays Rückhalt sind die Schweizer Gardisten. Seit dem 7. Juli sind die Elitesoldaten zur Verstärkung in der Bastille. Befehligt werden sie vom Schweizer Offizier Ludwig von Flühe.


Nicht nur an der Bastille, auch vor dem Rathaus sammeln sich am Morgen des 14. Juli immer mehr aufgebrachte Bürger. Aber noch denkt niemand an die Erstürmung der Bastille.

Zwischen den Fronten




Charpentier-Bericht (9.00 Uhr): "Als die Delegierten von der Bastille zurückkehrten, um der Stadtregierung Bericht zu erstatten, wartete vor dem Rathaus bereits ungeduldig eine Menschenmenge auf sie. Alle waren gespannt, ob ihre Verhandlungen erfolgreich waren. Für uns hing so viel vom Einlenken des Gouverneurs ab. Innerhalb der Stadt drohten uns die Kanonen der Bastille, außerhalb der Stadt standen die Truppen des Königs zum Kampf gegen uns bereit."

Beim Verkünden der beruhigenden Botschaft durch einen der Delegierten gibt es plötzlich einen lauten Knall. Charpentier-Bericht: "Woher kam der Donnerschlag? Waren es die Kanonen des Königs? Doch dann wurde uns klar: die Bastille!" Die versammelte Menge wittert Verrat, jetzt gibt es nur einen Weg: "Auf zur Bastille! Auf zur Bastille!"

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