Der Kampf um Rom (3/4)

Angriff der Hunnen

"Nach Kunde der Alten" berichtete der Historiker Jordanes vom Schicksal der Westgoten. Bisher hatten sie friedlich in der Nachbarschaft des Römischen Reiches gelebt. Aber dann kamen die Hunnen.

Im Jahr 376 nach Christus hatten sich Kinder, Frauen und Männer mit ihren Habseligkeiten an der Donau gesammelt, an der Grenze zum Römischen Reich. Es dauerte Wochen, alle auf notdürftig zusammengezimmerten Flößen in Sicherheit zu bringen. Man wusste, die beutegierigen Hunnen waren im Anmarsch.

"Viele Völker hatten die Hunnen bereits überfallen und unterworfen. Dann fielen sie auch ins Land der Goten ein. Sie überrannten sie und vertrieben sie mit Gewalt aus ihren Wohnsitzen." Furchtbares hörte man von den Waffen der Hunnen und ihrer unglaublichen Reichweite. Schreckliches erzählte man über ihr Aussehen. Als einziger Ausweg blieb den Westgoten die Flucht über die Donau. Sie baten Kaiser Valens um Aufnahme und gelobten, sich seiner Herrschaft zu unterwerfen, nach seinen Gesetzen zu leben und Christen zu werden.

Gefahr für ganz Europa

Aus den Tiefen der Steppen Asiens waren die Hunnen gekommen. 375 unterwarfen sie Alanen und Ostgoten und trieben die Westgoten vor sich her. Ihr Heer war dazu geschaffen, die Welt zu erschüttern. Sie tauchten auf, wo man sie am wenigsten erwartete und überfielen die Völker mit Raub und Hinterlist. Für die Menschen der Antike waren sie die "fürchterlichsten aller Krieger". Nie zuvor hatten sie solch eine brutale Kriegsführung erlebt.

Sie waren maßlos geschwind. Auf ihren wendigen Pferden saßen sie, als wären sie eins mit ihnen. Keiner von ihnen rührte einen Pflug an und bebaute den Acker. Sie kannten keine andere Beschäftigung als die Jagd und streiften räuberisch umher. Die Hunnen waren kriegerische Reiternomaden - alles, was sie brauchten, raubten sie: Getreide, Vieh, Gold, sogar Menschen. Auch wenn viele kleinere Gruppen auf eigene Faust plündernd umherzogen, die Hunnen waren weit mehr als eine Ansammlung wilder, undisziplinierter Horden. Sie ordneten sich völlig ihren Führern unter und waren zu weiträumigen strategischen Aktionen fähig. Eine Gefahr für ganz Europa.

Wunderwaffe der Hunnen

Ein Schwert, einige Münzen, Beigaben aus einem Grab in Österreich. Eine war tödlich: die dreiflügelige Spitze eines Hunnenpfeils. Sie fand ihr Ziel im Wirbel eines Germanen. Der ungarische Archäologe Peter Tomka hat einen bedeutenden Hunnenschatz ausgegraben: den Fund von Pannonhalma. Unscheinbare Goldfolien gehören dazu. Mit ihnen konnte er einen der gefürchteten Reflex-Bögen rekonstruieren. Die Wunderwaffe der Hunnen, die wegen ihrer Reichweite und wegen ihrer Durchschlagskraft gefürchtet war.

Aus anderen Goldbeschlägen gelang es dem Archäologen Tomka, das Zaumzeug der Hunnenpferde zu rekonstruieren. Sie führten sie an Trensen und setzten den Pferden erstmals richtige Sättel auf, die den Reitern Halt gaben. So waren die Hunnen wendige Reiter und gefürchtete Bogenschützen zugleich. In vollem Ritt konnten sie ihre Pfeile abschießen, bis zu 30 in der einer Minute.

Antike Supermacht

Ein anderer bedeutender Fund ist ein schwerer Opferkessel der Hunnen aus ihrem Reich nördlich der Donau. Unter ihrem König Attila wurden sie zu einer antiken Supermacht. Attila strebte nach der Weltherrschaft. Seine legendäre Residenz wird zwischen Donau und Theiß vermutet. So könnte, nach antiken Beschreibungen, sein Palast mit dem römischen Badehaus, umgeben von Palisaden, ausgesehen haben. Das Reich der Reiternomaden wurde zu einer Bedrohung für Rom.

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