Sturz und Verbannung

Bolschewisten besiegeln das Ende der Romanows

Seit fast 150 Jahren ist der Winterpalast in Sankt Petersburg die offizielle Residenz der Romanows. Es war Peter der Große, der den Sitz der Zaren von Moskau nach Sankt Petersburg verlegte. Nach seiner Krönung hält auch Nikolaus II. mit seiner Gemahlin dort Einzug. Als autokratischer Monarch herrscht er uneingeschränkt über Russland.

Nikolaus II. ist der reichste und mächtigste Mann der damaligen Welt. Die Säle des Palastes werden von zahllosen Kerzen erhellt. Es sind Gemächer wie aus tausend und einer Nacht. Im Malachit-Zimmer trifft sich das junge Herrscherpaar immer wieder zum Tee - umgeben von unermesslichem Reichtum. Das wahre Vermögen des letzten Zaren ist bis heute ein Geheimnis geblieben. Seit den ersten Tagen des Zarengeschlechts ist ihre Geschichte untrennbar mit dem Verlangen nach Gold verknüpft. Die Legende vom Zarengold beginnt im Jahr 1547, als Iwan der Schreckliche zum ersten Zaren von Russland gekrönt wird.

Das Volk wird ausgebeutet

Mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn unter Nikolaus II. werden die Schätze Sibiriens unbegrenzt verfügbar. Zigtausende werden auf die Goldfelder längs der Lena verbannt. Tag und Nacht wird die Arbeit in der eisigen Hölle Sibiriens fortgesetzt. Abertausende werden von Hunger, Erschöpfung und Seuchen dahingerafft. Dem Zaren aber sollte ihre Arbeit die größte Goldreserve der Welt einbringen.


Scheinbar blind für das Leid seines Volkes lebt er abgeschnitten von der Realität in den Petersburger Palästen. Seine Dynastie feiert ihr 300-jähriges Jubiläum, als sich unter den Arbeitern Widerstand regt. Aber in den Palästen verhallt der Protest des Volkes ungehört. Der Zar vertraut auf seine von Gott verliehene Macht, und seine Regierung schickt Unschuldige in die Verbannung.

Krankheit und Rückzug

Doch war Nikolaus II. tatsächlich ein Despot? Der Schein trügt. "Alles, was er sich wünscht, ist, die Bürde der Macht über den stillen Freuden des Familienlebens zu vergessen", schreibt ein Freund der Zarenfamilie. Doch der Sohn, Zarewitsch Alexej, leidet seit seiner Geburt an der unheilbaren Bluterkrankheit. Die quälende Angst um den kranken Thronfolger führt Nikolaus und Alexandra in die Abgeschiedenheit.


Der Ort ihres Rückzugs ist das Alexanderpalais im verträumten Zarskoje Selo bei Sankt Petersburg. Kein Prunk, keine großen Empfänge, hier finden nur noch die unerlässlichsten Zeremonien statt. Ein kleiner Kreis von Vertrauten bildet die einzige Verbindung zur Außenwelt. Die zur Schwermut neigende Zarin flüchtet sich immer tiefer in einen mystischen Glauben an Gott. Und ihre Schicksalsgläubigkeit wird zum Mittel seiner Politik. Sein Weg führt in den Untergang.

Rücktritt und Gefangenschaft

Am 28. Juni 1914 bricht der Erste Weltkrieg aus. In Russland eskalieren die Ereignisse. Im ganzen Land treten die Arbeiter in den Streik und rufen zum Kampf gegen den Zaren auf. Nikolaus II. sieht sich zur Abdankung gezwungen. Auch im Namen des Zarewitsch Alexej verzichtet Nikolaus auf den Thron. "Da wir nicht wünschen, von unserem geliebten Sohn getrennt zu werden", so der Zar in seinem Manifest.


Die neue provisorische Regierung schickt die Zarenfamilie in die Gefangenschaft in das abgelegene Tobolsk in Sibirien. Hier soll der Zar vor der Rache der Bolschewisten sicher sein. Noch immer ist er erfüllt von einer tiefen Liebe zu seinem Land. Am 24.Oktober 1917 ergreift Revolutionsführer Lenin die Macht und verhaftet die provisorische Regierung. Seit dieser Stunde ist das Leben der Romanows in Gefahr.

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