Suche nach dem Seeweg

Portugiesen und Spanier als Rivalen

Der venezianische Kaufmann Marco Polo war im 13. Jahrhundert auf dem gefahrvollen Landweg in die sagenumwobenen Reiche des fernen Ostens gereist. Sein Bericht weckte die Begierde des Abendlandes nach den märchenhaften Schätzen des Orients.

Er erzählte von geheimnisvollen Inseln, "wo Gold und Gewürze wuchsen". Von Indien, das er als Paradies auf Erden beschrieb. Als Verbündete der Araber besaßen Venedig und Genua das Monopol im Handel mit Asien. Die Gewinnspannen waren immens. Die begehrten Gewürze erzielten in Europa das achtzigfache.

Der Landweg nach Osten steckte voller unberechenbarer Gefahren und Hindernisse. Die Seidenstraße führte über unwegsame Gebirgspässe und durch endlose Wüsten nach Peking und Shanghai im äußersten Osten Chinas. Häufige Überfälle machten den Handel zu einem unkalkulierbaren Abenteuer. Aber es gab noch eine andere, dem Abendland weithin unbekannte Route. Sie führte über den indischen Ozean. Und nur die arabischen Handelskapitäne kannten diesen Seeweg. Diese Vormachtstellung wollten die beiden Rivalen Portugal und Spanien mit allen Mitteln durchbrechen.

Gewagter Plan

Kolumbus glaubte, diesen Weg gefunden zu haben. Im Auftrag der Spanier war er nach Westen gefahren. Am 12. Oktober 1492 entdeckte er ein Land, das er für Indien hielt, das Land mit all den Schätzen und Gewürzen, von denen Marco Polo schwärmte. Er wähnte sich am Ziel seiner Träume. Am portugiesischen Königshof war Kolumbus mit seinem gewagten Plan abgewiesen worden. Er rächte sich nun für die Demütigung und schickte die Nachricht, noch bevor er die Spanier informierte, an den König von Portugal. Doch die königlichen Berater waren sich sicher: Der Seeweg zu den Gewürzländern konnte nur um Afrika herumführen. Kolumbus wollte Indien über den Weg nach Westen erreichen. Dies war eine im Mittelmeeraum entwickelte Vorstellung, von der der portugiesische König bereits wusste, dass sie falsch war.

Fantastische Erzählungen

Vasco da Gama, ein Mann, der sich bisher im Hintergrund hielt, sollte die Aufgabe als Gegenspieler des Kolumbus übernehmen. Im Spätsommer 1496 erreichte ihn der königliche Auftrag. Er suchte bei seinem älteren Bruder Paulo Rat, den er überreden wollte, das Kommando zu übernehmen, aber der lehnte ab. Paulo würde zwar mit auf die Reise gehen, aber die Verantwortung ruhte auf Vasco da Gama. Unermüdlich trieb er die Vorbereitungen für die größte Mission seines Lebens voran. Er galt als mutig und zielstrebig, aber auch als brutal und unberechenbar.


Vasco da Gama verbrachte seine Kindheit in Sines, einer kleinen Hafenstadt südlich von Lissabon, wo sein Vater Bürgermeister war. Er wuchs mit den Söhnen von Fischern und Matrosen auf. Schon früh lauschte er den fantastischen Erzählungen der Seefahrer, die auf ihren mit Gold und Sklaven schwerbeladenen Schiffen aus fernen Ländern heimgekehrt waren. Schon damals hatten portugiesische Kapitäne das Kap Bojador, an der Westafrikanischen Küste, umschifft und drangen immer weiter nach Süden vor, um den Seeweg nach Indien zu finden.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet