Suche nach den Skythenkriegern

Schwierige Grabungen in Zentralasien

Im mongolischen Altai-Gebirge, einer der entlegensten Regionen der Erde, begibt sich ein Archäologen-Team auf die Suche nach einer längst untergegangenen Kultur. Sie erforschen die Gräber der Skythen, antiken mongolischen Reiternomaden.

Hermann Parzinger und Vjaceslav Molodin, zwei der renommiertesten Skythen-Forscher, leiten die Expedition deutscher, russischer und mongolischer Wissenschaftler. In den Hochtälern des Altai befinden sich zahlreiche Steinhügel, die von den Archäologen als Kurgane, die Gräber der Skythen, erkannt werden. Die Forscher hoffen, in einem dieser Hügel eine intakte Mumie zu finden, die ihnen Aufschlüsse über das Leben der sagenumwobenen Reiter geben kann.

Die Qual der Wahl

In Sichtweite des mit 4374 Metern höchsten Bergs der Mongolei, dem schneebedeckten Chujten Uul, liegt das Forschungsgebiet der Wissenschaftler. Hier sehen sie die besten Chancen für ein "eisiges Grab". Nur im Dauerfrostboden können die Leichname der Skythen die letzten 2500 Jahre überdauert haben. Durch die globale Erwärmung haben sich die Gletscher der Umgebung schon weit zurückgezogen, so dass auch ein Schmelzen der letzten Grabkammern nur noch eine Frage der Zeit ist. Dutzende von Kurganen sind über die weite Hochebene verteilt. Für Parzinger stellt sich die Frage, unter welchem von ihnen sich eine intakte Eisplatte befinden könnte.

Da es viel zu aufwändig wäre, jeden einzelnen Kurgan auszuheben und Probebohrungen die wertvollen Funde zerstören könnten, kommt modernste Technik zum Einsatz. Nachdem die Steingräber mit GPS kartiert worden sind, machen sich russische Geophysiker ans Werk. Normalerweise erschließen sie Öl- und Gasfelder, die gewaltigen Energiereserven Sibiriens. Jetzt geht es um archäologische Pionierarbeit. Mit Geoelektrik werden elektrische Widerstände parallel zur Erdoberfläche gemessen, mit Georadar werden vertikale Messungen vorgenommen.

Schweißtreibende Wissenschaft

Die Auswertung erfolgt mit Rechenprogrammen. Daraus ergeben sich genaue Bilder, die Einlagerungen von Eis zeigen. Aus über 80 prospektierten Hügeln müssen Parzinger und Molodin einen auswählen. Sie vertrauen den Messungen und wählen den vielversprechendsten Kurgan aus. Im Hochtal von Ulan Daba stoßen die Archäologen nach sechs Tagen körperlicher Schwerstarbeit auf den ersten Fund: einen verkohlten Knochen.

Schnell sind sich die Wissenschaftler einig, dass es sich hierbei um den Überrest eines geopferten Schafs handelt. Die weiteren Grabungen fördern eine mehr als 2000 Jahre alte Tonscherbe zutage. Doch der erhoffte Fund bleibt aus. Auch nach 17 Tagen sind die Archäologen auf keine Grabkammer gestoßen. Sie geben ihre Untersuchungen auf. Bei diesem Kurgan handelte es sich aller Wahrscheinlichkeit nach nur um einen Opferplatz.

Ein Wüstenschiff im Gebirge

Nach der herben Enttäuschung wird das Expeditions-Team durch einen überraschenden Fund entschädigt. Auf den Felsen um das Lager befinden sich unzählige skythische Zeichnungen. Meist malten die Reiterkrieger ihr Hauptmotiv, einen Hirsch. Auf einem der hier gefundenen Steine befindet sich jedoch die Abbildung eines Tieres, das in der weit entfernten Wüste Gobi lebt, etwa eintausend Kilometer südlich des Altai-Gebirges: Die Felsmalerei zeigt ein Kamel.

Das Reich der Skythen erstreckte sich zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung im dritten Jahrhundert vor Christus von Innerasien bis ans Schwarze Meer. Doch dass die Skythen so weit in den Süden vordrangen, war bisher unbekannt. Für die Archäologen geht es allerdings nicht in südlicher, sondern in nördlicher Richtung weiter. Auf Pferden begeben sie sich in die Grenzregion des Vierländerecks Kasachstan, Russland, China und Mongolei.

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