Suche nach der "Dynastie Null"

Moderne Forschung in den Fußstapfen von Mariette

1864 wurde die berühmte Königsliste von Abydos gefunden. Die Liste bildet mit umrahmten Emblemen, den so genannten Kartuschen, 75 Pharaonen ab. Die erste Kartusche zeigt die des Pharao Menes, der 2955 vor Christus herrschte. War Menes der erste Pharao?

Computeranalyse Schriftzeichen Quelle: ZDF

Nur langsam nähert sich die moderne Wissenschaft den tatsächlichen Anfängen des Alten Ägyptens. Inzwischen wissen die Forscher, dass Menes nicht der erste Herrscher war. Wer aber regierte vor ihm? Der Ägyptologe Günther Dreyer ist der Leiter des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo. Er arbeitet seit über 30 Jahren in Ägypten. Doch seine jüngsten Entdeckungen haben selbst den erfahrenen Wissenschaftler verblüfft.

Krummstab aus Elfenbein Quelle: ZDF

Archäologischer Meilenstein

In Abydos ging Günter Dreyer auf die Suche nach der Dynastie, die Wissenschaftler die "Nullte" nennen. Er entdeckte Gräber, die noch mindestens 150, wenn nicht sogar 200 Jahre älter sind als die der ersten Dynastie des Menes. Ein über 5000 Jahre alter Krummstab aus Elfenbein wurde geborgen, einem Königszepter ähnlich. Vielleicht das Zepter des ersten Herrschers der Dynastie Null. Auf einem der geborgenen Gefäße ist deutlich das Zeichen eines Skorpions zu erkennen. So bekam dieser vielleicht erste König seinen Namen: Skorpion. Für die Ägyptologie bedeutet Abydos einen Meilenstein auf der Suche nach den Wurzeln der Hochkultur.

Die Nachfahren der der berüchtigten Grabräuberfamilie Rasul leben noch immer in Qurna, dem legendären Grabräuberdorf. Und noch immer suchen sie nach Königsgräbern. Heute allerdings ganz offiziell. Als Helfer des Deutschen Archäologischen Instituts in Dra Abu el Naga, einer Nekropole nur wenige Kilometer vom Tal der Könige entfernt. Seit 1991 erkundet das DAI den riesigen Friedhof. Ein Ziel des Grabungsleiters Daniel Polz ist es, mehr über die Übergangszeit vom Mittleren zum Neuen Reich, die so genannte "zweite Zwischenzeit" um 1600 vor Christus zu erfahren.

Ruinen des Friedhofs von Dra Abu el Naga Quelle: ZDF

Archälogen als Detektive

Polz tritt in die Fußstapfen von Mariette, der hier schon 1870 nach Königsgräbern suchte. Auch heute noch nährt die Phantasie der Archäologen ein Fund, der seit 1830 im Britischen Museum ausgestellt ist. Der vergoldete Sarg des Pharaos Nub Cheper Re, ein König der zweiten Zwischenzeit aus Dra Abu el Naga. Doch Angaben zur Lage der Grabkammer wurden nicht überliefert. Für Polz begann eine Detektivarbeit. Ausgangspunkt für Mariette war ein Papyrus, der ebenfalls im Britischen Museum in London gelagert wird und in dem relativ genau beschrieben wird, wo die Grabanlage des Königs zu finden ist.

Maske des Nub Cheper Re Quelle: ZDF


Der so genannte "Papyrus Abbot" ist der antike Bericht einer Kommission, die bereits 1115 vor Christus Schäden an den Königsgräbern untersuchte. Darin findet sich der Hinweis, dass diese sich in unmittelbarer Nähe einer Pyramide befinden. Polz identifizierte den Ort, an dem die beschriebene Pyramide einst stand. Er entdeckte zudem, dass unter der Pyramide Schächte verlaufen. Die unterirdischen Stollen führen bis zu zehn Metern in die Tiefe. Doch die untersuchten Schächte bergen keine Königsgräber. Der leere und beraubte Sarg den die Archäologen vorfanden, gehört zu einer privaten Grabanlage eines Würdenträgers der staatlichen Verwaltung.

Hoffnung auf wissenschaftliche Schätze

Die Suche nach den in Dra Abu el Naga bestatteten Pharaonen geht weiter. Polz treibt die Hoffnung an, dass mögliche Plünderer oder frühe Archäologen wenigstens die wissenschaftlichen Schätze zurückgelassen haben.

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