Suche nach Siedlungsspuren

Fruchtbares Umland

Bislang ist nur ein Bruchteil der Gesamtanlage ausgegraben. Unter dem 90.000 Quadratmeter großen Schutthügel erwarten die Experten jedoch weitere archäologische Schätze. In den nächsten Jahren will Klaus Schmidt mit seinem Team vor allem die Großbauten freilegen. Die Frage, ob die Urweltler dort auch lebten, lässt sich noch nicht beantworten.

Die Steinzeitmenschen schafften es, riesige Pfeiler in Kreisen von bis zu 20 Metern Durchmesser aufzustellen. Typisches Merkmal ist jeweils ein mächtiges Pfeilerpaar im Zentrum - eine ingenieurtechnische Spitzenleistung, für die es kein Vorbild gibt.

Rohmaterial aus Kalkstein

Im Steinbruch am Fuß des Göbekli Tepe lieferten die Kalksteinbänke den ersten Architekten der Menschheit das Rohmaterial für den Tempel. Unvollendet ruht noch immer ein längst verwitterter Monolith in der kargen Landschaft. Vielleicht war das Trumm von rund sieben Metern Länge und fünfzig Tonnen Gewicht während der Bearbeitung gerissen und musste aufgegeben werden.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass zum Bau einer einzigen Kreisanlage mehrere hundert Mann über viele Monate Schwerstarbeit verrichteten. Ein Großprojekt, das nur mehrere Stämme und Sippen gemeinsam realisieren konnten - eine Organisation aus Spezialisten, die vermutlich vom religiösen Oberhaupt der Gesellschaft angeführt wurden. Vor 11.000 Jahren muss auf der Großbaustelle reges Treiben geherrscht haben. Doch ob die Urweltler dort auch lebten, lässt sich nicht ohne Weiteres belegen. Denn Siedlungsspuren fehlen nahezu ganz. Auch Hinweise auf Süßwasser konnten die Forscher auf dem Hügel nicht finden.

Paradiesische Zustände

In der weiten Ebene hingegen gab es alles im Überfluss. Wildschweine galten als begehrte Leckerbissen. Die üppig grünen Täler boten den Ureinwohnern alles, was sie zum Leben brauchten. In jener Epoche herrschten paradiesische Zustände - fast wie im Garten Eden. Stattliche Gazellenherden streiften durchs Land. Im Lauf der Jahrtausende wussten die Jäger ihre Techniken zu perfektionieren. Daher war es naheliegend, dass auch die Männer vom Göbekli Tepe erfolgreich Beute machten.

Das Horn einer Gazelle ist der Überrest einer neolithischen Mahlzeit. Immer wieder stoßen die Ausgräber in dem ausgedehnten Areal auf unterschiedliche Tierknochen. Die Fleischversorgung bestand ausschließlich aus Wild. Die Idee, Tiere zu domestizieren, war noch nicht geboren. Die Untersuchungen der Skelettfunde auf Hochtouren. Akribisch sortieren die Forscher selbst kleinste Knochen nach unterschiedlichen Tierarten. Neben Gazelle und Wildschwein haben sie auch die wilden Vorfahren von Schaf, Rind, Esel und Hase identifiziert. Ein lohnendes Puzzle für Zoologen. Denn so gewinnen sie Einblicke in die Küchen der Urzeit.

Irgendwann haben die Menschen begonnen, Wildgräser zu kultivieren. Der entscheidende Schritt hin zur Landwirtschaft.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet