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Kampagne für Gaius Terentius

Der Hafen von Pompeji ist ein geschäftiger Ort für Kaufleute und Handwerker. Und bedeutender Umschlagplatz für Waren aus aller Herren Länder. Vielleicht findet Gaius dort einen Sponsor für sein angestrebtes Amt als Magistratsmitglied.

Vom Hafen aus gelangen die Güter über den Landweg weiter in die süditalienischen Provinzen. Die Lagerhallen und Kontore sind die Welt der Tagelöhner und frei gelassenen Sklaven. Von früh bis spät sorgen sie für einen reibungslosen Ablauf beim An- und Verkauf.

Entscheidende Impulse

Eine Welt, in der sich kein Patrizier blicken lässt, denn dort wird mit Geschäften Geld verdient, für die sich die Aristokraten zu schade sind. Die befreiten Sklaven setzten die entscheidenden Impulse im Wirtschaftsleben von Pompeji. Sie scheuen weder Einsatz noch Risiko. Das notwendige Know-How hatten viele von ihnen bereits während der Leibeigenschaft erworben - ausgebildet zum Handwerker, Kaufmann oder Vermögensverwalter. Der Erfolg macht die Aufsteiger selbst bewusst und gibt ihnen eine neue Macht.

In einer Tuchwalkerei gibt es eine Reihe von Becken für die Bearbeitung von Stoffen. Sie werden mit verschiedenen Substanzen gewaschen, auch mit menschlichem Urin, der besonders wichtig für den Walkvorgang ist. Den Urin sammeln die Walker überall in der Stadt. Kein Wunder, dass sie nicht sehr angesehen sind, und so arbeiten in dieser Branche nur ehemalige Sklaven.

Eine Hand wäscht die andere

Kein Job also, den der Patrizier Terentius seinem Sohn Gaius ernsthaft vorschlagen würde. Ein öffentliches Amt ist da schon eher eine adäquate Beschäftigung für ein Mitglied der herrschenden Klasse. Der Vater zwingt seinen Sohn, sich für die anstehenden Wahlen als Magistratskandidat aufstellen zu lassen. Weil Gaius dafür Geld braucht, muss er es irgendwie auftreiben. Er selbst besitzt nichts und sein Vater kann ihm die hohe Summe nicht geben. So muss er einen Sponsor suchen. Daher wagt er sich in das Viertel, in dem sonst niemand seinesgleichen zu finden ist. Beißender Geruch von Ammoniak hängt in den Gassen, als er sein Ziel erreicht - die Tuchwalkerei von Scaurus Vettius.

Vom Ex-Sklaven Scaurus will der vornehme Gaius finanzielle Hilfe, die einzige Chance, seine ehrgeizigen politischen Pläne zu verwirklichen. Auch Scaurus kommt der Bittsteller wie gerufen. Denn er hofft auf ein Gegengeschäft. Die beim Erdbeben zerstörte Wasserleitung muss dringend repariert werden. Doch die Kosten sollen zu Lasten der Konkurrenz gehen. Ein Strohmann im Magistrat könnte die Sache in seinem Sinne regeln. Für die Gefälligkeit will Scaurus die Kampagne von Gaius unterstützen. Selbst wenn der Preis hoch ist. Ein Angebot, das der dekadente Jüngling sicher nicht ablehnen wird. Eine Hand wäscht die andere.

Nach dem großen Beben im Jahre 62 nach Christus boomt die Privatwirtschaft wie nie zuvor. Fresken dokumentieren die Vielfalt der Berufsstände. Allein vierzig Bäcker versorgen die Stadt mit Brot. Auch andere Handwerker können nicht über mangelnde Aufträge klagen. Diverse Villen werden zu kommerziellen Betrieben umgestaltet. 38 Manufakturen stellen dort Kleidung her. Trotz der Tragödie vollbringen die Pompejaner in kurzer Zeit Höchstleistungen. Nach und nach nimmt ihre Stadt wieder Gestalt an - mit Prachtstraßen und schmucken Fassaden.

Strenge Hierarchie

Als Ausgleich gönnen sich die Menschen Zerstreuung im Amphitheater. An Feiertagen ist das Oval bis zum letzten Platz gefüllt. Keiner will das Spektakel versäumen. Selbst die Sklaven dürfen dabei sein. Mit den beliebten Veranstaltungen sammeln die Verantwortlichen Pluspunkte beim Volk. Die Arena ist ein Treffpunkt für Jung und Alt, für Frauen und Männer, für Arm und Reich.

Die Hierarchie lässt sich besonders gut im Amphitheater erkennen. Wer wo sitzt, zeigt, zu welcher Gesellschaftsschicht er gehört. Die Stadträte logieren ganz vorne. Hinten sitzen die Frauen und Sklaven. Die Arena als Spiegelbild der Pompejianischen Gesellschaft.

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