Suche nach Unsterblichkeit

Aufbruch zum Weisen Uta-napischti ans Ende der Welt

Als Gilgamesch nach dem Sieg im Zedernwald nach Hause zurückkehrt, bereitet er sich auf das alljährliche Fruchtbarkeitsritual vor - die Heilige Hochzeit. Gemäß der Tradition vollzog der König dabei den Geschlechtsakt mit einer jungfräulichen Priesterin, die im Tempel auf ihn wartete.

Gilgamesch vor dem Berg Mashu Quelle: ZDF

Die Zeremonie ist ein Symbol für die Erneuerung der Natur. Doch dieses Mal schlägt das Schicksal plötzlich zu. Die Patronin von Uruk, die Liebesgöttin Innana-Ischtar, erscheint, entbrannt in leidenschaftlicher Glut. Die Göttin selbst möchte den Helden verführen und zum Ehemann nehmen. Von dem unerwarteten Antrag aber will der stattliche Galan nichts wissen. Er verweigert sich.

Innana-Ischtar Quelle: ZDF

Verführt, geschlagen, verhext

Die betörende Frau kann es nicht fassen. Seine Worte treffen sie hart: "Welchen deiner Liebhaber hast du für lange geliebt? Erst hast du sie verführt, dann geschlagen und verhext. Wenn ich mich dir hingebe, wird es mir ebenso ergehen." Nichts kann den überheblichen Herrscher reizen. Voller Zorn verschwindet Ischtar, Gilgameschs Frevel aber bleibt nicht folgenlos.

Beleidigt flüchtet Ischtar zu ihrem himmlischen Vater und erzwingt von ihm die Herausgabe des todbringenden Himmelsstieres. Die Bestie richtet in der Stadt eine Katastrophe an. Gilgamesch und Enkidu gelten seit dem Erfolg im Zedernwald als unbezwingbar. Wenn sie ihre Autorität nicht verlieren wollen, müssen sie dem Wüten ein Ende setzen. Schließlich gelingt es ihnen, den rasenden Stier zu erstechen. Die Rache kommt prompt.

Gilgamesch weint um Enkidu Quelle: ZDF

Gilgameschs Klagelied

Als Strafe für die Morde an Humbaba und dem Himmelsstier muss einer der Helden sterben, und die Strafe trifft Enkidu. Noch in der Nacht überfällt ihn ein schweres Fieber. In einem letzten Aufbäumen verdammt er die Dirne, die ihn aus der Wildnis geführt hat. Nach Enkidus Tod stimmt Gilgamesch ein Klagelied an, das bis zu den Göttern dringt. Zum ersten Mal im Leben spürt der selbstherrliche Monarch die Endgültigkeit des Todes. Tagelang wacht er neben der Leiche. Erst als Maden aus dem Körper kriechen, ordnet er für Enkidu eine würdevolle Bestattung an.

Gilgamesch allein in der Wüste Quelle: ZDF

Bald darauf entledigt sich der verzweifelte König der Insignien seiner Macht und beschließt, unsterblich zu werden. Er lässt alles zurück und macht sich mutterseelenallein auf die Suche nach dem Weisen Uta-napischti, der mit seiner Frau die Flut überlebte. Uta-napischti ist der Einzige, der ihm dabei helfen kann. Entschlossen nimmt Gilgamesch den weiten Weg in Angriff. Nach damaliger Vorstellung muss er bis ans Ende der Welt wandern und eine Reihe gefährlicher Prüfungen bestehen.

Weltbild der Sumerer

Schließlich erreicht er am östlichen Rand der Erde den Zwillingsberg Mashu, auf dem der Himmel ruht. Mittendrin ist ein dunkles Loch, das Tor zur Sonnenbahn. Mutig nähert sich der Held dem Eingang. Er muss den Tunnel durchqueren auf dem Pfad, den auch die Sonne nimmt. Dabei darf ihn das Gestirn nicht überholen, sonst verbrennt er zu Asche. So steht es im Epos. Forscher sehen darin sogar Hinweise auf das Weltbild der Sumerer.

Computergrafik Weltbild der Sumerer Quelle: ZDF

Ihr Reich lag zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris. Das Ende der Welt markieren die Gebirge zum Iran und Libanon. Durch die beiden höchsten Berge läuft ein langer Tunnel. Aus einem Ende taucht die Sonne morgens auf, im anderen verschwindet sie abends wieder. So die Vorstellung. Darüber wölben sich die sieben Himmel der Götter. Das Reich der Toten aber ist eine eigene Parallelwelt und liegt tief im Bauch der Erde. Noch weiter unten breitet sich der Süßwasserozean aus, der Quellen und Flüsse speist. Das "Meer des Todes" umschließt das bekannte Universum. Vor fast 5000 Jahren eine visionäre Sichtweise, die auch noch bei den Babyloniern im sechsten Jahrhundert vor Christus gültig war.

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