Sucht nach Luxus

Der ungenierte Umgang mit Reichtum fasziniert Dürer

Nach langer Wartezeit soll Albrecht Dürer endlich einen der großen Malerfürsten treffen: Gentile Bellini. Der Verleger und Unternehmer Alfred Kolb hat Dürer bei seinem Freund und Geschäftspartner die Türen geöffnet. Bellinis Großwerk zeigt das opulente Leben der Venzianer.

Bellini ist einer der staatlich bestellten Makler, ohne die kein Geschäft im Deutschen Handelshaus abgewickelt werden kann. Auch Kolb ist vom Wohlwollen des einflussreichen Bellini auch in Geschäftsdingen abhängig. So geht er ein gewisses Risiko ein, wenn er Bellini den jungen Künstler empfiehlt.

Großdimensioniertes Gemälde

Aber mittlerweile ist Kolb von seinem Schützling überzeugt, vielleicht hofft er sogar, der begabte Maler bliebe in Venedig, um Teil des Künstlerbetriebes zu werden. Bellini vertraut Kolb und gibt Dürer Gelegenheit, sein neuestes Werk genauer zu studieren. Bilder in großen Dimensionen kennt Dürer bislang nur als Fresken, aber nicht als transportables Gemälde. Besonders fasziniert ihn, mit welchem Pomp sich die Bürger Venedigs auf dem Bild darstellen lassen.


Ungeniert protzten die Venezianer mit ihrem Reichtum. Ihre Sucht nach Luxus war legendär und zeigte sich nirgends so deutlich wie in der Kleidung. Im 15. Jahrhundert waren 10.000 Webstühle rund um die Uhr in Betrieb, um die Bedürfnisse nach wertvollen Stoffen zu befriedigen. Heute sind es nur mehr 24.

Männer am Webstuhl

In der Weberei Bevilacqua wird auch heute noch nach Vorlagen aus dem Mittelalter gefertigt. Venezianische Weber - die Weberei war früher Männerarbeit - arbeiteten in die Seidestoffe Silber- und Goldfäden ein und produzierten so die teuersten Stoffe der Welt. Kostbarer Seidendamast aus Venedig war zu jener Zeit gefragt bei den Fürsten und Königen Europas. Sie bezahlten gerne den hohen venezianischen Preis. Doch die Stoffe fanden auch in der Metropole selbst ihre Abnehmer.

Parallelen zu Bellini

Vor allem die Kleidung der venezianischen Frauen begeistert Dürer. In einer Studie stellt er die Tracht einer Nürnbergerin der luxuriösen Erscheinung einer Venezianerin gegenüber. Doch wen hat Dürer skizziert? Bis heute ist nicht bekannt welche Venezianerin Dürer für diese Zeichnungen Modell gestanden hat. Dürer ist Perfektionist, wie kaum einer vor ihm. Alles muss stimmen bis hin zum Faltenwurf des Kleides. Realismus war ihm oberstes Gebot.


Eine andere Zeichnung, die Dürer in Venedig anfertigte, gibt den Forschern sogar noch mehr Rätsel auf. Auf dem gleichen Blatt sieht man die Rückenansicht einer Frau. Sie zeigt eine verblüffende Ähnlichkeit mit einem Detail aus Bellinis Gemälde. Ist die Frau, die auf dem Weg zur Markuskirche zu sehen ist, Dürers Modell? Ein weiteres Detail sind die drei Orientalen. Auch dieses Motiv findet sich sowohl bei Bellini als auch bei Dürer.

Pflichtschuldig berichtet Dürer von jedem seiner Schritte nach Hause. Er schreibt seiner Frau von seinen Eindrücken und den großartigen Projekten. Doch Agnes drängt auf seine Rückkehr. Über den Postdienst der deutschen Kaufmannschaft steht er mit der Heimat in Verbindung. Rund 10 Tage braucht ein Postreiter für die Strecke. Die schnelle Informationsübermittlung ist entscheidend für den Handel mit Venedig: Schon damals fielen und stiegen Preise mit den Nachrichten: ein im Sturm gesunkener Getreidefrachter oder schlimmer noch: die "Pest" - und schon schnellten die Preise nach oben.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet