Sultan Saladin

Das Schwert des Islam

Kaum ein islamischer Herrscher ist in Europa bekannter geworden als Saladin. Als in den Kreuzzügen (1096 - 1291) christliche und moslemische Heere auf dem Gebiet des beiden Religionen "heiligen Landes" aufeinander treffen, wird Saladin zum Gegenbild des christlichen Ritters. Sultan Saladin ist der "edle Heide." Für Moslems ist er ein Held. Der Kalif in Bagdad verleiht ihm den Ehrentitel: "Schwert des Islam."

Statue Saladins in Damaskus
Statue Saladins in Damaskus Quelle: Godfried Warreyn

Salah a-Din ben Ayyub al-Ayyubi, genannt Saladin, wird um 1137 in Tikrit geboren als Sohn eines kurdischen Offiziers im Dienst des türkischen Fürsten Nurredin. Dessen Vater war Atabeg in Aleppo und Mosul. Sein Angriff auf die von den Christen gehaltene Grafschaft Edessa löst 1144 den zweiten Kreuzzug aus. Wie stets verbinden sich mit dem Kampf gegen die Ungläubigen handfeste wirtschaftliche und politische Interessen. Nurredin ist Anhänger der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam. Sein Kampf gilt den Christen und den schiitischen Fatimidenherrschern in Kairo. Zunächst jedoch erweitert Nurredin seine Machtbasis und erobert nach längerer Belagerung Damaskus (1154), die alte Hauptstadt der Umayyaden-Kalifen. Saladin wächst am Hof Nurredins auf als ein wissbegieriger Schüler des machtorientierten Feldherren.

Gewagtes Spiel

Animation: Aus Fustat entwickelt sich Kairo Quelle: ZDF

Die Lehrjahre Saladins sind geprägt von komplizierten und wechselnden Bündnissen zwischen christlichen und moslemischen Machthabern der unterschiedlichen Glaubensrichtungen. Erstes Ziel im Spiel aller Beteiligten ist Machterweiterung. Die Fatimidenherrscher in Kairo geraten in Bedrängnis. Am Ende sind sie die Verlierer und nicht die Ungläubigen. Nurredin schickt ein Heer unter dem Kommando eines kurdischen Anführers nach Ägypten. Als dieser während des Feldzugs stirbt tritt sein Neffe, Saladin, an seine Stelle. Saladin nutzt seine Chance. 1158 erobert er Kairo und steigt zum Wesir des schiitischen Fatimiden-Sultans auf. Ein gewagtes Spiel, das allseits für Verstimmung sorgt, sich für Saladin jedoch bald auszahlt. Bereits drei Jahre später setzt er den Sultan ab und lässt die Freitagspredigten in der Al-Azahr Moschee im Namen des sunnitischen Kalifen von Bagdad halten.

Nicht nur seine Gegner sind, sofern sie den Herrschaftswechsel überleben, alarmiert. Sein Mentor Nurredin ist verstimmt. Saladin weiß ihn zu beruhigen. Der Kalif in Bagdad reagiert mit Misstrauen. Er will den Emporkömmling auf Distanz halten. Als Nurredin bald darauf stirbt und Saladin nach kluger Vorbereitung - die allerdings erneut einige Gegner ihr Leben kostet - die Macht in Damaskus an sich zieht, erreicht ein überschwängliches Schreiben des Kalifen den siegreichen Feldherren. Darin erkennt Bagdad die Unabhängigkeit des neuen Herrschers in Kairo und Damaskus an. Der Kalif verleiht Saladin eine Reihe ehrenvoller Titel unter anderen: "Beherrscher der Gläubigen", "Schutz des Kalifen" und "Schwert des Islam". Mehr an Unterstützung im nun beinahe unausweichlichen Kampf gegen die Christen darf Saladin vom Kalifen nicht erwarten.

Der Kampf um Jerusalem

Stadtbild Jerusalems mit dem Felsendom Quelle: ZDF

Als die Christen 1099 Jerusalem erobert hatten, feierten sie ihren Sieg mit einem Blutbad unter der Bevölkerung. Juden, Moslems und Christen, die sich nicht zum Papst in Rom bekannten, wussten von nun an, was sie von den neuen Herren zu erwarten hatten. Unter den Moslems wuchs die Zahl derer, die auf den Kampf gegen die Ungläubigen und Befreiung der heiligen Stadt Jerusalem drängten. Mit Saladin besitzen sie erneut einen Feldherren und Anführer, der die uneinigen Fürsten unter der Fahne des Propheten Mohammed versammeln und den Eroberungssturm der ersten Kalifen neu entfachen kann. Doch Saladin lässt sich Zeit. Er verhandelt, gilt bei Feind und Freund als großzügig. Christen schätzen seine hohe Bildung und die Gastfreundschaft, die er pflegt. Und er mehrt seinen Reichtum. Kairo mit dem sichern Hafen von Alexandria ist einer der wichtigsten Handelsplätze der Region.

Man könnte auch sagen, Saladin studierte seinen Gegner wie er es gelernt hatte: gründlich und mit Neugier. Und im entscheidenden Moment ist das Glück auf seiner Seite. Das gesamte christliche Heer stellt sich am 4. Juli 1187 bei Hittin, am See Genezareth zum Kampf. Die schwer gerüsteten Ritter haben kein Wasser. Unter sengender Sonne sind sie der Vernichtung ausgeliefert. Nur Wenige überleben. Als Saladin bald darauf nach kurzer Belagerung Jerusalem erobert (2. Oktober 1187) beweist er Klugheit: Lateinische Christen dürfen sich frei kaufen und abziehen. Die übrige Bevölkerung wird verschont. Saladin fördert den erneuten Zuzug von Juden und öffnet zugleich die Stadt für Pilger aller Religionen.

Ruhm und Nachruhm

Saladin ist auf der Höhe seiner Macht, ein Held des Djihad, ein einsamer Despot. Doch er folgte früh dem Beispiel anderer Alleinherrscher: Er ließ sich durch seinen Berater in Rechtsfragen, Abu Nadschib Suhrverdi ein Buch schreiben, über das Geheimnis, eine gerechte Regierung zu führen. Einen Ratgeber, den er dann befragt, wenn er wie so oft allein mit sich zu Rate gehen muss. Die Staatslehre des Juristen gehört zur ständigen Lektüre Saladins in Damaskus, in Ägypten und auf seinen Feldzügen. Teile des verschollenen Originals sind in türkischen Archiven erhalten. Wie ein Leitmotiv klingen die Zeilen eines zitierten Liedes:

Saladin stirbt am 4. März 1193 in Damaskus an einer Seuche. Nicht alle sind darüber traurig. Zu schwer lasten die Steuern auf der Landbevölkerung. Kaum 60 Jahre später endet die von Saladin begründete Herrschaft seiner Familie in Kairo. Die neuen Herren, die Mamluken, erobern 1291 Akkon, letzte Bastion der christlichen Kreuzfahrer im heiligen Land.

Lange bestimmt in Deutschland das Schreckensbild der "Türken vor Wien" den Blick auf den islamischen Orient. Doch 1779 setzt der Dichter Gotthold Ephraim Lessing Saladin ein literarisches Denkmal. In seinem Drama:"Nathan der Weise" macht er ihn zu einem Vordenker des Toleranzideals der Aufklärungszeit in Europa. Lessing nutzt dabei das Theater als Bühne für den eigenen Streit um religiöse Freiheit. Sein Dichterkollege und Historiker Friedrich Schiller urteilt zurückhaltender. In einer in Jena 1790 veröffentlichten Schrift, der die lateinische Übersetzunge einer zeitgenössischen Biographie Saladins zu Grunde liegt, merkt er an: Das Bild, dass der Biograf gezeichnet habe sei vermutlich deshalb von ruhmreich-ritterlichen Kampf gegen die Kreuzritter geprägt worden um nicht von anderem, weniger rühmlichen berichten zu müssen. Gleichwohl lebt auch in Europa der Mythos und die Legende vom edlen, maßvollen Eroberer, der Jerusalem zur frei zugänglichen Pilgerstädte für Gläubige unterschiedlicher Religionen macht.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet