Superkontinent Pangäa

Europa wird Teil einer zusammenhängenden Landmasse

Das Karbon ist eine tektonisch unruhige Epoche. Das Land hebt und senkt sich, wird immer wieder vom Meer überflutet. Ganze Landstriche werden verwüstet, weite Waldgebiete versinken unter Schlammlawinen. Ein Superkontinent entsteht.

Über Jahrmillionen pressen wachsende Sedimentschichten die Baumleichen zusammen bis aus ihnen wertvolle Kohle entsteht. Aus einer Schicht von zehn Metern Pflanzenresten bildet sich ein Kohlelager von einem Meter Dicke.

Urzeitliche Karbonwälder

Die Steinkohlereviere Europas, von England bis Nordfrankreich, von der Ruhr bis nach Polen und Russland lassen die immense Ausdehnung der urzeitlichen Karbonwälder erahnen. Kohle wird zur Grundlage eines der größten Umbrüche in der Geschichte Europas werden. Der Abbau dieser unermesslichen fossilen Energiequellen in vielen Teilen des Kontinents ist die Voraussetzung für Europas industriellen und wirtschaftlichen Aufstieg.


Alle diese Vorgänge hängen von den Zufällen der Kontinentaldrift ab. Kohlelagerstätten entstehen im Karbon vor allem dort, wo Kontinente im günstigen Klima des Äquators liegen. Aber noch während diese dampfenden Tropenwälder üppig gedeihen, kündigen sich neue Ereignisse an: Die Kontinente treiben weiter. Europa wird eingekeilt von anderen Platten. Es wird Teil des Riesenkontinents Pangäa, der fast alle Landmassen der Erde umfasst.

Europa wird zur Wüste


Vor rund 220 Millionen Jahren liegt Europa fern von jeglicher Küste des damals einzigen Ozeans. Kaum eine Wolke dringt bis ins Zentrum vor. Unter der glühenden Sonne verdorren die Regenwälder. Europa wird zur Wüste. Weltweit sterben 90 Prozent aller Arten aus. Auch der Osten Europas steht auf versteinerten Sanddünen. Sie sind Zeugen dieser Wüste in der Epoche des Perm. Es fällt schwer sich vorzustellen, dass die heutigen Gebiete des harten russischen Winters einst trocken heiße Ödnis waren.



Am Rand dieser Wüste entsteht eine neue Tiergruppe, die den Kontinent viele Jahrmillionen beherrschen sollte. Die Dinosaurier. Das Zeitalter der Amphibien ist vorbei. Die Reptilien bewältigen die Herausforderung des Superkontinents Pangäa. Sie haben eine wasserundurchlässige Haut und ihre Eier können sich auch im trockenen Sand entwickeln.

Jede Flut hinterlässt eine Salzschicht

Die Teile Pangäas, die später Mitteleuropa bilden, werden immer wieder von einem flachen Meer überflutet. Jede Flut hinterlässt eine neue Salzschicht. Die mächtigen Salzlager liegen heute tief unter Tage, etwa in Holland, Polen, Nordengland, Deutschland und Österreich. An diesen Stellen entstehen die ersten Bergwerke der Welt. Das "weiße" Gold ist eines der ersten Handelsgüter und prägt ganze Kulturen. Heute ist Salz ein wichtiger Grundstoff der chemischen Industrie.


Dreihundert Kilometer Stollen ziehen sich durch Salzlagerstätten in Polen. Die Ablagerungen aus dem Perm sind hier so mächtig, dass die Bergleute eine Kathedrale in das Salz meißeln konnten. Sogar die Kronleuchter sind aus Salz. Nach vielen Millionen Jahren Auf- und Ab beginnt Europa tiefer und tiefer zu sinken. Im Juragebirge, an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz, sind die Hänge fruchtbar - ein ideales Weinbaugebiet. Verstreut zwischen den Weinstöcken finden sich unzählige Hinweise auf das Ende des Superkontinents Pangäa vor rund 200 Millionen Jahren: Ein versteinerter Ammonit, Muscheln und sogar Vorfahren unserer Tintenfische - die Weingärten sind alter Meeresboden.

Eine neue Zeit

Weil es von Fischen wimmelt jagen hier Ichtyosaurier. Meeresechsen, die mit Lungen atmen und lebende Junge zur Welt bringen. Sie erinnern an die heutigen Delphine. Alle diese Meerestiere schwimmen dort, wo heute Wein gedeiht. Wissenschaftler haben die Zeit nach dieser Gegend benannt: dem Jura.

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