Supervulkane

Wehe, wenn sie losgelassen

Sie haben so viel Schlagkraft wie ein
Asteroid von 1000 Metern Durchmesser,
aber sie treffen die Erde viel häufiger:
Supervulkane.

Der Taupo-See in Neuseeland
Der Taupo-See in Neuseeland Quelle: reuters

Erst in den letzten zehn Jahren trat das Schreckgespenst ans Tageslicht, teilweise wohl weil die ungeheuren Ausbrüche, die sie erzeugen können, sich niemals in der dokumentierten Geschichte ereignet haben, und teilweise weil diese Ungeheuer sich meistens im Untergrund verstecken. Supervulkane sind über dem ganzen Globus verteilt, doch glücklicherweise gibt es nur wenige von ihnen. Die größten lauern unter dem Yellowstone National Park in Wyoming, dem Long Valley in Kalifornien, dem Lake Toba in Sumatra und der Taupo-Region von Neuseeland.

Wie ein Korken aus einer Sektflasche

Man geht davon aus, dass sie sich dort bilden, wo ein riesiger angeschwollener Pool heißen Mantelgesteins von unten mit solcher Kraft in die Kruste hineinboxt, dass sich Risse auftun und das Magma durch ein Netzwerk von Abzugsöffnungen austreten kann. Die Öffnungen verbinden sich zu einem Ring, sodass die in der Mitte liegende Kruste ihre Festigkeit verliert und einstürzt. Der Einbruch bewirkt in der darunterliegenden Magmakammer einen Druckabfall - das Ergebnis ist das gleiche, als würde ein Korken aus einer Sektflasche gezogen: Mit einem Mal schießt das gesamte Magmareservoir in einer katastrophalen Explosion nach draußen.

Heiße vulkanische Gase und Asche werden in Überschallgeschwindigkeit in die Stratosphäre gejagt, wobei Milliarden von Tonnen Schutt ins All schießen. Ein Schleier aus Smog legt sich umden Planeten, und es beginnt ein vulkanischerWinter, der massenhaft Leben auslöschen kann. Langfristig verursachen die vulkanischen Gase, wie Schwefeldioxid und Kohlendioxid, eine globale Erwärmung, und jüngsten Studien zufolge durchlöchern die Giftgase auch die Ozonschicht, sodass tödlicheMengen ultravioletter Strahlung bis zur Erdoberfläche dringen können.

Nicht jeder darf sich Supervulkan nennen

Nur Vulkane, die enorme Mengen Magma speichern können, verdienen das Prädikat Supervulkan. Sie müssen in der Lage sein, mindestens 300 Kubikkilometer Magma auszuspucken - genug Material, um den Großraum London 200 Meter tief zu begraben. Und das wäre nur eine winzige Supereruption. Vor rund 35.000 Jahren bedeckte ein Ausbruch dieser Größenordnung in der Bucht von Neapel die Region Campania meterhoch mit Asche. Einige Wissenschaftler meinen, die anschließende globale Klimaverschlechterung habe den Neandertalern - die bereits durch den Vormarsch des modernen Menschen existenziell bedroht waren - den entscheidenden Schlag versetzt.

Der Toba-See in Indonesien
Toba-See Quelle: C.J. Bucher Verlag

Unsere eigene Spezies wäre vielleicht beinahe einem ähnlichen Schicksal zum Opfer gefallen. Vor rund 74.000 Jahren brach ein Supervulkan am Lake Toba in Sumatra aus. Bei der Eruption, die zehnmal so stark wie die in Neapel war, wurden 3000 Kubikkilometer Magma in die Luft geschleudert, und es entstand eine Tausende von Kilometern breite Zone von Tod und Vernichtung. Hinweise in Eiskernen lassen vermuten, der anschließende vulkanische Winter habe viele Jahre gedauert und eine ökologische Krise ausgelöst.

Zeitweise nur noch 10000 Menschen

Einige vertreten die Auffassung, die modernen Menschen, die Afrika nur 30.000 Jahre zuvor verlassen hatten, seien beinahe ausgelöscht worden: Genetische Untersuchungen weisen darauf hin, es habe einen Bevölkerungsengpass gegeben, bei dem unsere gesamte Art auf 10.000 Individuen ausgedünnt wurde. Für einige Anthropologen waren die sozialen Strategien, mit denen die Menschen die Eiszeit überlebten und sich vielleicht gegen die Neandertaler durchsetzten, Überlebensmechanismen, die sie in diesem globalen vulkanischen Winter entwickelt hatten. Danach wären wir alle Nachfahren der wenigen kleinen Gruppen tropischer Afrikaner, die in der Not zusammenhielten.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet