Tag der Abrechnung

Muslime und Christen treffen aufeinander

Die massive Truppenkonzentration in der Straße von Messina blieb den Türken nicht verborgen. Sie ahnten den Ernst der Lage. Umgehend versammelten sich die Vertrauten des Sultans. Istanbul hielt Kriegsrat.

Ein Historiker der Universität von Istanbul fand kürzlich Originaldokumente der türkischen Flotte. Darin schreibt der Großwesir über Kontakte zu Spionen. Die Osmanen verfolgten jeden Schritt des Feindes. Alle Informationen leiteten sie sofort weiter an ihre eigenen Kapitäne und Admiräle auf See. Zusammen mit dem Befehl, umgehend nach Lepanto zu fahren. Die kleine Hafenstadt lag strategisch günstig am Golf von Patras. Schon seit Jahren nutzten die Türken die Festung dort als Marinestützpunkt.

Muslimischer Schlachtplan

Hinter den Mauern arbeiteten die muslimischen Befehlshaber den Schlachtplan gegen die christliche Flotte aus. Das Kommando führte Ali Pascha, der strahlende Sieger von Zypern. Ihm zur Seite ein furchtloser, zu allem entschlossener Seeräuber - Uluch Ali Pascha. Die Kapitäne Allahs waren selbstbewusst. Seit der brutalen Schlacht von Prevesa im Jahr 1538 mussten sie keine Niederlage mehr einstecken. Von da an hielten sie ungebrochen die Hoheit im Mittelmeer.


Am 16. September 1571 verließ die Flotte der "Heiligen Liga" die Straße von Messina und nahm Kurs in Richtung Osten. Ziel der gewaltigen Armada: die Insel Oxia. Kundschafter hatten aus dem Gebiet türkische Flottenbewegungen gemeldet. An Bord der "Real" erläuterte Oberbefehlshaber Juan d'Austria seinen Angriffsplan. Der Venezianer Francesco Duodo sollte die sechs Galeassen vor den eigenen Linien in Position bringen. Admiral Sebastiano Venier und der Römer Marcantonio Colonna hatten die Aufgabe, die rechte und linke Flanke zu sichern. Dahinter die dichte Mauer aus Galeeren - zum Kampf bereit. Die Entscheidung über Kreuz oder Halbmond - über Europa - stand bevor.

Wie lauernde Katzen

Im Golf von Patras lag die stolze Armada des Sultans bereit: 250 Galeeren und 60 kleine, aber äußerst wendige Kriegsschiffe. An Bord fast 100.000 Mann. Von Lepanto aus stach die türkische Streitmacht in See, um die Christen im offenen Gefecht zu vernichten. Inzwischen passierten die Galeeren von Juan d'Austria die Insel Oxia.


Am Morgen des 7. Oktober 1571 trafen die verfeindeten Parteien aufeinander. Südlich des Eilands bauten sich die Fronten auf. Über eine Länge von fünf Kilometer - insgesamt knapp 600 Schiffe mit mehr als 200.000 Soldaten. Dicht gedrängt, Ruder an Ruder. Allein zwei Stunden manövrierten die Seeleute, bis die Formation endgültig stand. Drei Hauptgeschwader auf jeder Seite - wie lauernde Katzen vor dem Sprung auf die Beute.

Fertig zum Entern

Für Juan d'Austria und Ali Pascha der Tag der großen Abrechnung. Die Muslime waren zahlenmäßig im Vorteil. Die Christen dagegen waffentechnisch. Ihren Gewehren, den Arkebusen, hatten die Türken nur Pfeil und Bogen entgegen zu setzen. Schließlich gab der christliche Oberkommandant den Befehl zum Rammen.


"Da man an den Wimpeln, die es trug, erkennen konnte, welches das Hauptschiff der Türken war, befahl ich dem Steuermann, seine Galeere direkt zu der des Türken zu steuern. So machte er es, und sie griffen einander mit großer Heftigkeit an." Minuten später krachten die Führungsgaleeren ineinander. Mit Haken, Schwertern und Piken begannen die Entermannschaften ihr grausames Werk.

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