"Tal der Ingenieure"

Hujayrat als Industriestadt der Frühzeit

Die Kupferzeit war eine Periode großer technischer Veränderungen. Nicht nur die Metallverhüttung, sondern auch das Rad wurde erfunden, der Pflug kam auf, und Tiere wurden nun nicht mehr nur als Fleischreserve gehalten, sondern auch für die Milchproduktion und für die Käse-Erzeugung.

In der Kupferzeit wurden technische oder technologische Grundlagen gelegt für eine Zunahme der Bevölkerung und damit für die Ausdehnung von Kontrolle und Entstehung von Großreichen.

Frühzeitliches Dorf

In der Siedlung Hujayrat al-Ghuzlan zeigt sich, welchen Aufschwung der technische Fortschritt damals bewirkte. Das frühzeitliche Dorf errichteten die Baumeister unweit der Erzlagerstätte Fenan. Dort, wo der Bergbau seinen Anfang nahm. Die vielen Menschen, die mitten in der Wüste wohnten, mussten versorgt werden. Dafür unerlässlich ein weit verzweigtes Bewässerungssystem. Der deutsche Archäologe Klaus Schmidt hat das raffinierte Kanalnetz freigelegt.




Nach heutigen Maßstäben präsentierte sich Hujayrat als Industriestadt der Frühzeit. Zumindest ab dem Moment, als es gelang, das begehrte Kupfer in großen Mengen zu produzieren. Eine neue Errungenschaft legte den Grundstein dafür: der Windofen. Er beschleunigte den Arbeitsprozess und sorgte für höhere Temperaturen. Doch damit nicht genug: Die Erfindung des Barrens stammt ebenfalls aus jener Region. Die handliche Form eignete sich vor allem als Zahlungsmittel. Zwei Sack teures Salz gegen einen Kupferbarren. Vielleicht entstand selbst das Bankwesen im "Tal der Ingenieure".

Transport über weite Strecken



"Massenproduktion" lautete das Schlagwort. Etwa 200.000 Tonnen Schlacke rund um Fenan beweisen es. Kein Problem mit mehr Holzkohle und leistungsfähigeren Öfen. Von Fenan aus trat Kupfer seinen Siegeszug an. Der Transport der Waren über die weiten Strecken erfolgte auf Eseln. Für den Lieferschein hatten die Händler eine pfiffige Lösung. Unterschiedliche Steine bedeuteten bestimmte Produkte. Die Steine wurden in eine Lehmkugel gepackt. Der Kaufmann drückte sein Zeichen mit einem Rollsiegel in den weichen Ton.

Der Auftrag lautete: Der Karawanenführer musste dem Abnehmer die Ware zusammen mit der Tonbulle überbringen. Eine Absicherung des Anbieters, denn auf den Reisen lauerten stets Gefahren. So verbreitete sich mit dem Fernhandel auch das Wissen um die Metallverarbeitung. Und das Fenan-Kupfer stand in der damals bekannten Welt hoch im Kurs. Erst wenn die Tonbulle unzerbrochen den Empfänger erreichte und die Anzahl der Steine mit der Anzahl der Güter übereinstimmte, war das Geschäft perfekt. Warenversand mit Lieferschein. Bezahlt wurde in der Regel mit Naturalien.

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