Tauchfahrt im Toplitzsee

Die Spuren der Nazis

Der tiefe, kalte Bergsee im steirischen Salzkammergut ist zwei Kilometer lang, 400 Meter breit und mehr als 103 Meter tief. Gerüchte und Legenden ranken sich um dieses stille Gewässer.

Taucher verloren ihr Leben, mysteriöse Unfälle beschäftigten Justiz und Presse. Hartnäckig hielt sich das Gerücht, dass Kisten mit den letzten Goldreserven des Dritten Reiches auf dem Grund des Toplitzsees liegen sollen. Das hatte zur Folge, dass viele Schatzsucher versuchten, in die dunklen Tiefen des Sees zu gelangen. Daher erließen die Behörden in Österreich im Jahr 1963 für den Toplitzsee ein striktes Tauchverbot.

Kein Leben in der Tiefe

Erst 1983 erteilte der österreichische Innenminister eine Tauchgenehmigung. Der Biologe Hans Fricke und sein Tauchboot-Pilot Jürgen Schauer suchten aber nicht nach Gold, sondern untersuchten im Auftrag der Zeitschrift Geo die Biologie des Alpensees. Mit einem eigens konstruierten U-Boot, das bis zu einer Tiefe von 400 Metern tauchen kann, erforschte das Taucherteam den See.

Im Toplitzsee nimmt die Sicht schon nach wenigen Metern rapide ab. Bis zu 16 Metern Tiefe gedeiht eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt. Blasige Kolonien von Wimpertierchen sind Indikatoren für besonders gutes Wasser. Doch mit jedem weiteren Meter nimmt der Sauerstoffgehalt ab. Die Kulisse wird gespenstisch und lebensfeindlich. Hier gedeihen nur Algen und Bakterien, die ohne Sauerstoff überleben können. Doch Hans Fricke findet in 60 Meter sauerstoffloser Tiefe eine kleine "Sensation", den 23 Zentimeter langen Wurm Lumbricus cf. Polyphemus.

Das "Geld fressende" Methanbakterium

In der Tiefe brodelt eine Suppe aus Schwefelwasserstoff - pures Zellgift. Die Baumeister der geisterhaften Kulisse im Toplitzsee sind winzige Mikroorganismen. Die Wissenschaftler suchen Archaebakterien, die in diesem giftigen Schwefel-Lebensraum gedeihen könnten.

Auf dem Grund des Sees entdecken sie Papiere und gefälschte britische Pfundnoten in klebrigen Bündeln. Das Papier aus reiner Zellulose dient den Archaebakterien als Nahrung. Diese Bakterienkulturen leben sonst nur in heißen Quellen. Die Forscher taufen es Methanobakterium pecunivorans, das Geld fressende Methanbakterium. Aus dem aufgewirbelten braunen Sediment tauchen immer mehr britische Pfundnoten auf. Das Boot schwimmt förmlich im Geld. Es sind Relikte einer undurchsichtigen braunen Geschichte.

Das Tauchteam verständigt die Behörden und das österreichische Bundesheer holt mit Hilfe des Tauchbootes körbeweise das Falschgeld vom Grund des Sees. Doch wie kamen die gefälschten englischen Pfundnoten in den See?

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet