Tempel der stolzen Königin

Eine der schönsten Anlagen der Welt

Es ist wahrscheinlich das Jahr 1479 vor Christus, als Hatschepsut nach dem plötzlichen Tod ihres Gemahls und Halbbruders Pharao Tutmoses II. die Macht übernimmt. Zuerst nur als Regentin für den minderjährigen Stiefsohn. Sie ist höchstens 16 Jahre alt.

Einer ihrer ersten Befehle gilt der Errichtung des grandiosen Totentempels am Rande der Wüste. Der Felsentempel von Deir el-Bahari bei Luxor war einst die schönste Tempelanlage Ägyptens. Ein dunkles Geheimnis umgibt sie seit langem, denn Bildnis und Name der königlichen Bauherrin wurden auf Wänden und Säulen ausgelöscht. Der Tempel fiel in Trümmer. Das Monument wurde mittlerweile nahezu vollständig wiedererrichtet.

Friede und Wohlstand

Eine Frau auf dem Pharaonenthron war Gotteslästerung. So verschwanden die Spuren des Pharao Hatschepsut von den Tempelwänden und aus den Geschichtsbüchern für fast 3500 Jahre. Djeser-Djeseru - "Heiligste des Heiligen", diesen Namen hatten die Erbauer dem Bauwerk einst gegeben. Seit Jahrtausenden scheint ein Fluch auf ihm zu lasten. Die Erde hat gebebt und immer wieder stürzen Felsbrocken und Wassermassen über das Tal herein. Doch als der Tempel einst von einer stolzen Königin ihrem Lieblingsgott Amun geweiht wurde, schien die Welt noch in Ordnung zu sein. Auch wenn erstmals in der Geschichte des Landes eine Frau den Thron der Pharaonen für sich beansprucht hatte.

24 Monumentalstatuen der Herrscherin empfangen die Besucher. Als "Geliebte des Gottes Amun" wird Hatschepsut auf dem Eingangstor aus Granit gefeiert. Überall lässt sie in den Wandnischen Statuen von sich aufstellen. Die Inschriften nennen sie "Tochter des Sonnengottes" - niemand komme ihrer Schönheit gleich. Wie ein Gott bringt sie Ägypten Frieden und Wohlstand - so heißt es.

Gut entlohnte Spezialisten

Der Tempel der Königin Hatschepsut wurde am Fuß eines gewaltigen Felsmassivs errichtet. Die Umgebung hat das grandiose Erscheinungsbild des Tempels, damals wie heute, betont. Leider brachte sie eine Reihe von Gefahren mit sich. Es können jederzeit größere oder kleinere Felsblöcke herunter fallen. Aus diesem Grund haben die antiken Erbauer über dem Tempel eine große Plattform errichtet, die das Bauwerk vor solchen Bedrohungen schützen sollte. Die Handwerker in der Antike waren entgegen einer heute weit verbreiteten Annnahme keine Fron-Sklaven, sondern gut entlohnte Spezialisten, die selbstbewusst ihrer Arbeit nachgingen. Sie lebten nicht weit von der Baustelle entfernt in einer eigens für sie errichteten Siedlung und wurden privilegiert mit Nahrung und Kleidung versorgt.

Die neuen Quader aus weißem Sandstein werden mit fast der gleichen Technik wie im Altertum aus großer Entfernung auf dem Nil herantransportiert und mit Muskelkraft zur Baustelle gezogen. Nur präzis behauene Quader garantieren die notwendige Stabilität der Mauern, um selbst ein mittleres Erdbeben einigermaßen schadlos zu überstehen. Ob der Neubau den Naturkräften besser standhält, bleibt unsicher. Aber die Archäologen sind optimistisch.

Kapelle mit Farbenpracht

Der heutige Restaurierungsstandard für antike Fresken verbietet das Nachmalen beschädigter Bildpartien, sie dürfen nur gesäubert werden. Als großartiges Ergebnis präsentiert sich die Anubis-Kapelle und lässt die Farbenpracht erahnen, mit der die Kulthallen einst ausgeschmückt waren. Hatschepsut widmet die Kapelle auch ihren verstorbenen königlichen Vorfahren: Vater Tutmoses und Großmutter Seniseneb. Außer den Göttern duldete die Herrscherin im heiligen Bezirk nur die Abbilder ihrer engsten Verwandtschaft - und ihren eigenen Namen. Doch auch in der Kapelle wurde übertüncht. In der Inschrift, die den Pfosten des Tores zum Sonnenhof verziert, wurde der Name Hatschepsut ersetzt durch den Namen von Tutmoses II.

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