Terra Incognita

Weite Teile des Oman noch unerforscht

Weiter im Norden setzt Heinz Gaube die Dokumentation der 8000 Briefe fort. Gaube ist Koordinator des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts. Transformationsprozesse in Oasen: Das heißt, wie und warum entstehen und vergehen Oasen an der Küste, im Gebirge und in der Wüste.

Direkt an der Küste, in Tiwi, haben die Archäologen einen Friedhof entdeckt: 26 Gräber aus dem frühen dritten Jahrtausend vor Christus. Bevor gegraben wird, müssen die Stätten erst dokumentiert werden. Die Gräber wurden an auffälligen Stellen positioniert, gut sichtbar vom Meer. Es scheint, als wollten die Menschen damals sagen: "Hier sind wir" und markierten ihr Territorium mit Gräbern.


Die Menschen in dieser Zeit waren noch Halbnomaden. Sie lebten von Fischen und Muscheln und ein paar Ziegen. Die ersten Oasen entstanden erst ein paar hundert Jahre später. Manche der Gräber wurden in späteren Zeiten erneut benutzt. Die Wissenschaftler hoffen, dass die Grabräuber etwas übersehen haben.

Darstellung aus Mesopotamien

Die Wissenschaftler finden ein Stempelsiegel. Wurde es schon vor den Persern hierher importiert? Gaubes Kollegin Jutta Häser, vom Deutschen Archäologischen Institut, datiert es in die frühe Eisenzeit um 1000 vor Christus. Das Siegelmotiv zeigt einen Strauß. Das Tier war jedoch fremd in Oman. Die Darstellung stammt aus Mesopotamien und zeigt, dass der Transfer von Wissen schon um 1000 vor Christus in der gesamten Golfregion stattfand. Kam auch das Falaj-System vor den Persern nach Oman? Wurde es sogar dort entwickelt?

Von Tiwi macht sich Gaube und das Team auf den Weg Richtung Ibra, um nach Spuren zu suchen. Die Forscher folgen den Wadis Kilometer um Kilometer. Noch heute sind weite Teile des südarabischen Landes wissenschaftlich kaum erforscht. Das Landesinnere des Oman gilt als Terra Incognita - unbekanntes Land.

Der Felsriegel des al-Hadjar Gebirges umfasst das Innere des Oman wie eine unüberwindliche Mauer von über 3000 Metern Höhe. Belagerer und Kolonialmächte scheiterten an dem Bergmassiv und kontrollierten lediglich die Küsten des Oman. Doch die Oasenkultur ist bis ins karge Gebirge vorgedrungen und konnte über Jahrtausende bestehen.

Hoch entwickelte Kultur

Auf dem Gebirgsplateau trotzen die Reste von Turmgräbern seit mehr als 5000 Jahren der Witterung. Aber die Gräber sind leer. Zeit und Grabräuber haben alle Spuren, die Aufschluss über die Erbauer geben könnten, verwischt. Nur ihre Stabilität und die erstaunlich glatte Oberfläche deuten auf eine hoch entwickelte Kultur hin. Wie die anderen Gräber an der Küste stehen sie als Markierung des gesamten Gebiets. Vielleicht weil hier oben vier große und stark wasserhaltige Wadisysteme entspringen? Von Oasen weit und breit keine Spur. Gab es keine - oder wurden sie nur noch nicht entdeckt?

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