Die geheime Entdeckung

Das Fossil und seine Botschaft

Terra X zeigte zusammen mit der BBC und dem amerikanischen History Channel exklusiv im ZDF die Geschichte eines sensationellen Fundes, nach dem die Wissenschaft von der Entstehung des Menschen neu überdacht werden muss. Es ist die Entdeckung der nahezu vollständig erhaltenen Versteinerung eines Lebewesens, das vor rund 47 Millionen Jahren lebte und ganz neue Einblicke in unsere Urverwandschaft erlaubt.

Primatenfossil Ida in der Aufsicht
Primatenfossil Ida in der Aufsicht Quelle: Atlantic Production Ltd.

Entdeckt wurde das Fossil in der Grube Messel bei Darmstadt. Dort wurden schon viele berühmte Versteinerungen, wie die vom Urpferdchen, gefunden. Doch dieser Fund stellt sie alle in den Schatten. "Für mich ist dieses Fossil das achte Weltwunder, so was hat die Welt noch nicht gesehen", sagt Dr. Jens Franzen, ein führender Paläontologe und ausgewiesener Spezialist für Fossilien vom Senckenbergmuseum Frankfurt.

Forschung im Geheimen

Den Fund hatte schon 1983 ein anonymer privater Sammler gemacht, der das Fossil jedoch für sich behielt. Erst vor zwei Jahren bot er es schließlich zum Verkauf an. Über einen Mittelsmann gelangte es in die Hände des norwegischen Paläontologen Jörn Hurum, der sich dann an Dr. Franzen und einige andere Fachwissenschaftler wandte.

Grube Messel Tonschieferwand
Grube Messel Tonschieferwand Quelle: ZDF

Gemeinsam mit den international bekannten Experten hat Dr. Franzen zwei Jahre lang unter größter Geheimhaltung das Fossil untersucht. Die Wissenschaftler verständigen sich darauf, zunächst 30 - 40 Schlüsselmerkmale des Fossils zu untersuchen - genug für die Erstbeschreibung und Absicherung der zentralen Ergebnisse. Mit Hilfe modernster Technik haben die aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten kommenden Spezialisten die Knochenstruktur, die Zähne und selbst den Mageninhalt des Fossils analysiert. Sie fanden sogar heraus, dass es sich um ein junges Weibchen handelte, das gut klettern konnte und vermutlich auf Bäumen lebte. So tauften sie es auf den Namen "Ida" und gaben ihr den wisssenschaftlichen Namen "Darwinius Masillae".

Rekonstruktion des Kratersees in Messel
Rekonstruktion Kratersee Messel Quelle: ZDF

Tragischer Tod am See

Auch für den ungewöhnlich guten Erhalt der Versteinerung haben die Forscher eine Erklärung gefunden. Eine Verwachsung am Handgelenk weist darauf hin, dass Ida einen Knochenbruch erlitten hatte und vermutlich nicht mehr gut klettern konnte. In Bodennähe aber konnten sich gefährliche Gase ansammeln, wie sie von vulkanischen Seen immer wieder ausgestoßen werden.

Beim Trinken am See ist Ida vermutich bewusstlos geworden, ins Wasser gefallen und auf den Grund des Sees gesunken. Dort hat das Skelett ungestört gelegen und ist im Laufe der Jahrmillionen versteinert.

Lemur oder Menschenvorfahr?

Auf den ersten Blick hat das Wesen Ähnlichkeit mit Lemuren, also Halbaffen, wie sie heute noch auf Madagaskar leben. Doch die Wissenschaftler erkannten, dass ihm typische Lemuren-Merkmale fehlen - wie eine Reihe zusammen gewachsener Zähne im Unterkiefer und die so genannte Putzkralle. Das ist ein besonders gestalteter Zeigefinger, der typisch für diese Halbaffen ist. Dafür entdeckten sie andere eindeutige Merkmale, die in Richtung der Entwicklung des Menschen weisen, wie der Sprunggelenksknochen, der bei dem Fossil zu sehen ist.

Fossil-Fuß
Fossil-Fuß Quelle: ZDF

Am Ende ihrer langwierigen Untersuchung steht für sie außer Zweifel, dass Ida - wie sie das Fossil getauft haben - ganz neue Erkenntnisse für das Verständnis unserer Herkunft ermöglichen. Möglicherweise ist es sogar ein Missing Link, das zwei unterschiedliche Entwicklungslinien im Stammbaum der Primaten miteinander vereint. Über das Missing Link wird es nach Franzens Meinung noch heftige Diskussionen geben. "Da sind viele Kollegen auf der ganzen Welt, die sich über Ida auch hermachen werden und darüber heiß diskutieren werden. Aber wir können die wissenschaftlichen Debatten jetzt auf einer ganz neuen Grundlage führen."

Die Untersuchungsergebnisse wurden in dem wissenschaftlichen Online-Journal PLOSone veröffentlicht. Das Fossil wird zunächst im American Museum of Natural Science aufbewahrt, später soll es dann in London und womöglich noch in diesem Jahr auch in Deutschland zu sehen sein.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet