Namibia: Zauber der Wüstenhölle

Das karge Land beherbergt überraschenden Reichtum

Dokumentation | Terra X - Namibia: Zauber der Wüstenhölle

Namibias Farmland ist Gepardenrevier. Das führt zum Interessenskonflikt mit den Farmern, denn Nutztiere sind eine leichte Beute. Dirk Steffens hat Forscher besucht, die einen Ausweg finden wollen.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.01.2019, 12:16

Eine endlos scheinende Sandwüste, die Namib, erstreckt sich über 2000 Kilometer entlang der Küste Namibias. Hier hat der Wind hohe Dünen aufgetürmt. Es regnet fast nie, aber geologische Besonderheiten sorgen für Wasser und für Schätze, die man hier nicht vermuten würde. Das Leben hat erstaunliche Wege gefunden, Hitze und Trockenheit zu widerstehen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Wüstenhölle sogar zum Magneten für deutsche Auswanderer.

Namaqua-Chamäleon mit weißer Färbung
Das Namaqua-Chamäleon, ein Überlebenskünstler

Seit Millionen von Jahren herrscht in der Namib nichts als Dürre. In keiner anderen Wüste weltweit ist es schon derart lange und ununterbrochen trocken. Das Leben hatte somit genügend Zeit, sich an den extremen Lebensraum anzupassen. Einer der Überlebenskünstler, den Dirk Steffens in der Namib findet, ist das Namaqua-Chamäleon. Der Einzelgänger - das einzige Chamäleon, das auch Pflanzen frisst - ist in der großen Leere der Wüste ständig auf Nahrungssuche. Anders als Baumchamäleons kann es sehr schnell laufen, denn Beute ist hier selten, und wenn sie auftaucht, muss die Gelegenheit genutzt werden. Es betreibt außerdem ein effizientes Wärmemanagement: Um bei Sonnenaufgang möglichst schnell auf „Betriebstemperatur“ zu kommen, färbt sich das Reptil dunkel und fängt so die ersten wärmenden Strahlen ein. Wenn es dann heiß wird, hellt sich das Namaqua-Chamäleon auf einer Seite auf. Dadurch wird ein Teil der Sonnenstrahlen reflektiert. Steigt die Temperatur mittags auf ihr Maximum, wird das Chamäleon komplett weiß und ist nun sogar kühler als die Umgebung.

Wasser in der Wüste

Die Namib bietet aber auch Raum für viel größere Tiere, die täglich bis zu 150 Liter Wasser und bis zu 400 Kilogramm Pflanzennahrung brauchen: Elefanten. Um an Futter und Wasser zu gelangen und mit Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius fertig zu werden, haben die Dickhäuter verblüffende Strategien entwickelt.

Kleine Oasen und spärliche Wasserläufe sind Tummelplätze für viele Bewohner der Namib im Kampf ums Überleben. Aber woher kommt in einer Wüste, in der es niemals regnet, überhaupt das Wasser?

In über hundert Kilometer Entfernung liegt die Hochebene Namibias. Hier ziehen Wolken aus dem feuchten Angola herein und regnen regelmäßig ab. Das Regenwasser sammelt sich und versickert anschließend im Erdreich. Dort läuft es unterirdisch auf einer wasserundurchlässigen Tonschicht Richtung Namib. Im Boden ist es vor Verdunstung geschützt. In der Wüste tritt es an einzelnen Wasserlöchern an die Oberfläche. Etwa alle zehn Jahre kommt es durch Starkregenfälle im Hochland zu unerwarteten Sturzfluten – auch wenn in der Wüste nichts darauf hindeutet und der Himmel völlig wolkenlos ist. So gefährlich die plötzlich heranstürzenden Wassermassen für den Menschen sein können, den Tieren sichern sie das Überleben, denn sie füllen das Grundwasserreservoir wieder auf und ermöglichen Pflanzenwachstum. Dennoch ist die Namib eine der trockensten Regionen der Welt. Schuld daran ist der Ozean.

Dürre an Land, Reichtum unter Wasser

Dünen der Namib aus der Luft betrachtet
Aus der Luft sieht man, wie der Wind die Dünen durch die Wüste schiebt.

Die kalte Meeresströmung vor der Küste, der Benguelastrom, und die heiße Luft über der Wüste sorgen im Zusammenspiel dafür, dass die Feuchtigkeit vor allem über dem Meer bleibt. Denn die wärmere Luftschicht legt sich wie ein Riegel über die kühlere, mit Feuchtigkeit gesättigte Meeresluft. Es findet kein Austausch statt und daher auch keine Wolkenbildung über dem Land, die zu Niederschlägen führen könnte. Nur der Nebel erreicht einen schmalen Küstenstreifen. Über mehr als hundert Kilometer nach Osten ins Landesinnere erstreckt sich nichts als Wüste und Halbwüste. Berühmt sind die Sanddünen der Namib, die ihre Form und auch ihre Farbe, je nach Sonnenstand und Feuchtigkeitsgehalt der Luft, ständig wechseln. Sicheldünen, auch Barchane genannt, wandern auf besondere Weise. Der Wind schiebt sie alle in die gleiche Richtung vorwärts. Aus der Luft betrachtet sieht es so aus, als würden sie ihre Sichelenden hinter sich herziehen. Tatsächlich eilen die Enden dem Mittelteil voraus, da an ihnen weniger Sand umgewälzt werden muss.

Wasserwalze vor der Küste Namibias (Grafik)
Wie eine Walze transportiert die Meeresströmung Nährstoffe nach oben.

Ganz anders als in der kargen und fast leeren Namib findet sich vor der Küste ein üppiges Paradies. Hier leben gigantische Kolonien von Flamingos, an den Stränden tummeln sich weit über eine Million Robben. Jede frisst pro Tag im Durchschnitt vier Kilogramm Fisch. Woher kommen die vielen Fische, von denen sich die Robben ernähren? In der Tiefe vor der Küste fließt kaltes und sehr nährstoffreiches Wasser, das aus der Antarktis kommt. Der Benguelastrom bildet eine Walze und transportiert die Nährstoffe nach oben. Sie stehen am Anfang einer reichen Nahrungskette: vom Zooplankton über kleinere Krebse und Fische bis zu Meeressäugern. Die kalte Strömung ist ein Segen für die Tiere – und ein Fluch für die Schifffahrt: Etwa hundert Schiffswracks säumen die Küste von Namibia, die Skelettküste. Den Kapitänen wurde der Nebel, der durch die kalte Strömung entsteht, zum Verhängnis.

Vergangenheit als deutsche Kolonie

Wie viele Menschen hier ihr Leben ließen, ist unbekannt. Dennoch zog es immer wieder deutsche Auswanderer hierher. Jenseits der Namib erstreckt sich fruchtbares Gras- und Farmland mit riesigen Weideflächen und viel Großwild. Für die deutschen Einwanderer war das Ende des 19. Jahrhunderts das Land der Träume. Denn im Kaiserreich wurde es infolge der Industrialisierung immer enger. In nur 30 Jahren wuchs die Bevölkerung um mehr als 15 Millionen Menschen. Umso verlockender klang die Idee von einem „Platz an der Sonne“ – dem Anspruch an Kolonialbesitztum, den der Außenpolitiker Bernhard von Bülow 1897 in die heute noch bekannten Worte fasste. Zu einer Zeit, da vor allem England und Frankreich längst die am meisten Profit versprechenden Regionen der Welt unter sich aufgeteilt hatten, setzten die Deutschen ihre Hoffnung auf eine Region im Südwesten Afrikas: Deutsch-Südwestafrika.

Eine Farm in Afrika, das versprach Freiheit, Abenteuer und die Chance auf ein neues Leben. Selbst einfache Leute konnten hier Großgrundbesitzer werden. Doch der erste Eindruck war für die meisten Auswanderer ein Schock. Statt satten Weiden erwartete sie bei ihrer Ankunft nichts als Wüste. Nur mit beschwerlichen Ochsentrecks konnten sie das fruchtbarere Hinterland erreichen. Erst durch den Bau einer Eisenbahnstrecke konnte dieses Hinterland erschlossen werden. Sie führte von der Küstenstadt Lüderitz nach Aus – mitten durch die Wüste. Niemand ahnte, welche Schätze sich in der Unwirtlichkeit verbergen. Dabei lagen sie zum Aufsammeln im Sand herum: Diamanten.

Und dennoch – in vielerlei Hinsicht war die Kolonialgeschichte der Deutschen in Namibia ein Fiasko. Das Land bot nur wenig fruchtbare Flächen für Farmen, und auch die Handelsmöglichkeiten waren begrenzt. Der Traum vom Neubeginn in Afrika wurde für viele zu einem Alptraum. 1904 ereignete sich ein Drama, dessen Folgen bis heute nicht aufgearbeitet sind: die grausame Niederschlagung des Herero-Aufstandes. Die Deutschen stürzten ein ganzes Volk ins Verderben, nur um ihre Macht zu demonstrieren. Schon bald war es dann vorbei mit dem kurzen kolonialen Traum. Der Einmarsch südafrikanischer Truppen im Ersten Weltkrieg beendete die deutsche Herrschaft in Deutsch-Südwest endgültig.

Das Rätsel der Feenkreise

Am Rand der Namib, wo die Wüste in die Savanne übergeht, stößt man auf ein Naturwunder, sogenannte Feenkreise – runde Flecken mitten im Grasland, in deren Mitte nichts wächst, an den Rändern aber umso üppiger. Auf Luftaufnahmen reihen sich diese Flecke zu Tausenden aneinander. Was steckt hinter diesem mysteriös aussehenden Naturschauspiel?

Eigentlich ist der Name „Feenkreise“ irreführend. Er wurde den Himba, dem hier ansässigen Volk, zugeschrieben. Die Kreise sollen Fußstapfen der Feen sein. Doch glauben die Himba weder an Feen, noch haben sie mit der Entstehung der Kreise zu tun. Hinter den Feenkreisen steckt etwas anderes. Sie sind kein Werk der Magie, sondern ein Wunder der Wissenschaft.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet