Jagd nach dem Goldenen Vlies

Die griechische Argonautensage und die Gier nach Gold

Dokumentation | Terra X - Jagd nach dem Goldenen Vlies

Schon lange diskutieren Wissenschaftler über den Wahrheitsgehalt der Argonautensage: Sie erzählt von der ersten Entdeckungsreise der Menschheit ins Schwarze Meer und der Suche nach Gold.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.01.2020, 19:30

Gold faszinierte die Menschen zu jeder Zeit. Für die alten Griechen stand das "Goldene Vlies" der Kolcher im Mittelpunkt ihrer Begierden - von der Suche nach diesem heiligen Widderfell erzählt jedenfalls der griechische Mythos. Hinter der Argonautensage steckt aber vermutlich ein Funke Wahrheit: Vermutlich erzählte sie von den Vorstößen der Griechen zu den Goldquellen am Schwarzen Meer.

Jeder Mythos hat seinen Helden. In der griechischen Argonautensage ist es der Prinz Jason. Angestachelt von seinem Onkel Pilias, dem König von Jolkos (heutiges Volos), macht sich Jason auf die abenteuerliche Suche nach dem Goldenen Vlies, das das Volk der Kolcher im Kaukasus besitzt. Er weiß, wenn er das heilige Widderfell wohlbehalten in seine Heimatstadt zurückbringt, warten auf ihn nicht nur Ruhm und Ehre, sondern auch der Königsthron.

Fahrt ans Ende der bekannten Welt

Buchseite: Originalabschrift der Argonautika
Originalabschrift der Argonautika Quelle: ZDF,Rüdiger Kortz

Die antike Landschaft der Kolchis lag damals im heutigen Westgeorgien, zwischen dem Kleinen Kaukasus und der Ostküste des Schwarzen Meeres. Die griechische Legende berichtet, dass niemand zuvor in das fremde Gefilde vorgedrungen ist. Jason und seine 50 Mann aber riskieren die abenteuerliche Fahrt. Für den Trip lässt der junge Heroe eine gewaltige Galeere bauen, die mehr Ruderplätze als Schiffe zuvor besitzt. Er tauft sie "Argo" - nach dem Erbauer des Ruderboots.

Der Legende nach machen sich Jason und seine Crew um 1400 vor Christus von der griechischen Hafenstadt Jolkos auf. Ihre mehr als zweijährige Fahrt führt sie bis zur Hauptstadt Kolchis am Fluss Phasis. Dort, wo die Argonauten vermutlich einst ankerten, liegt heute die Hafenstadt Poti.

Filmszene: Jason raubt das Goldene Vlies.
Jason raubt das Goldene Vlies (Filmszene) Quelle: ZDF,Mustafa Kocak

Mythos oder Reisebericht?

Schon lange diskutieren Wissenschaftler über den Wahrheitsgehalt der antiken Sage. Sie gehen davon aus, dass hinter dem Mythos die erste dokumentierte Entdeckungsreise der Menschheit ins Schwarze Meer steht. Sie bezweifeln, dass tatsächlich ein Mann namens Jason den Bosporus bezwungen hatte - vielmehr verkörpert der Held verschiedene Abenteurer und Entdecker der Bronzezeit, die erfolgreiche Expeditionen in ferne Gefilde unternahmen.

So verschmolzen in der Sage Erzählungen von den Helden auf See mit den tatsächlichen Reiseberichten. Um sie zu verstehen, muss man sich auch die antike Weltsicht vor Augen führen: Nach damaliger Vorstellung war die Erde eine Scheibe, umgeben von einem Ringfluss und blutrünstigen Ungeheuern. An den Rand der bekannten Welt vorzudringen, kam einem Himmelfahrtskommando gleich. Seefahrten, von denen Helden zurückkehrten, boten allerlei Stoff für Seemannsgarn.

Gold als Haupttriebfeder

Eingang zur Goldmine im georgischen Sakdrissi
Goldbergwerk im georgischen Sakdrissi Quelle: ZDF,Rüdiger Kortz

Doch die Sage weist auch darauf hin, dass es immer wieder zu gewaltsamen Übergriffen von Königen gekommen ist. Hauptmotivation für sie mag die Gier nach Gold gewesen sein, das sie um jeden Preis wollten und das in den Flüssen und Bergwerken im heutigen Georgien vorkam - nicht aber in großem Maße in Griechenland.

Vermutlich schickten die Herrscher mutige Männer auf hohe See - um die Handelswege des Goldes aus dem Kaukasus zu kontrollieren. Nur so konnten sie das edle Metall in rauen Mengen importieren, ohne dafür gigantische Summen aufzubringen.

Bezugsquellen für Gold aus Georgien?

Die These stützen Schmuck und andere Kostbarkeiten aus dem 11. Jahrhundert vor Christus, die Archäologen in Jolkos aus einem untergegangenen Palast holten. Lange zweifelten die Gelehrten, ob die Region des Kaukasus eine Goldquelle für die Griechen gewesen sein könnte.
Im Jahr 2004 schließlich brachten Dr. Andreas Hauptmann und seine Kollegen vom Deutschen Bergbaumuseum Bochum Licht ins Dunkel. Das Team entdeckte in Georgien das älteste Goldbergwerk der Welt. Die Sensation war perfekt, als unterschiedliche Forscher einige der Fundstücke aus Griechenland per Elementaranalyse mit Gold aus Georgien verglichen - und Übereinstimmungen entdeckten.

Nautische Fähigkeiten

Argonauten rudern auf der Galeere
Galeere der Argonauten Quelle: ZDF,Mustafa Kocak

Von der Beweisführung renommierter Forscher erzählt die Terra X-Dokumentation "Jagd nach dem Goldenen Vlies". Sie zeigt, wie Wissenschaftler versuchen, die historischen Fakten hinter dem Mythos aufzudecken. Zur Rekonstruktion der Zusammenhänge gehört auch ein Nachbau der "Argo". In einem Experiment belegten die Wissenschaftler, dass das bronzezeitliche Schiff durch eine technologische Revolution in der Lage war, die Strecke vom griechischen Hafen Jolkos bis nach Georgien zurückzulegen - und sogar den Bosporus zu bezwingen, der noch heute wegen seiner Strömungen eine der gefährlichsten Meerengen ist.

Somit ist die Argonautensage nicht nur ein Bericht über die Jagd nach Bodenschätzen am Schwarzen Meer, sondern auch über den Fortschritt im Schiffsbau und die nautischen Fähigkeiten der frühen Seefahrer.

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