Spurensuche im Militär-Archiv

Während der Besatzungszeit verschwindet der Schatz

Die neuen Herren des Schatzes lassen die Objekte in der Altenburghöhle vor den Toren der Stadt gut verpacken, denn im neuen, bombensicheren Versteck herrscht feuchtes Klima. Neben Dutzenden anderer Wertgegenstände wird auch der Quedlinburger Domschatz in die Altenburghöhle ausgelagert.

Korte vor Archiv (Spielszene) Quelle: ZDF

Mit Pistolen vom Typ Sauer & Sohn 7,65 sollen zwei Rentner den Schatz sichern. Wenn es sein muss, auch gegen amerikanische Panzer. Allerdings gibt es Frühjahr 1945 kaum noch etwas zu verteidigen. Ein Archivar namens Gille aus dem Rathaus Quedlinburg macht einmal im Quartal Inventur im Schatzversteck. Zum letzten Mal am 12. April 1945. An diesem Tag zählt Gille insgesamt 16 Kisten samt Inhalt. Noch hat niemand den Schatz angerührt.

Chaos in der Schatzkammer

Drei Wochen später ist der Krieg vorbei und Deutschland besetzt. Archivar Gille kehrt zurück. Der Eingang zur Höhle ist aufgebrochen, wie er später notiert. In der Schatzkammer herrscht das Chaos. Mindestens vier der Kisten sind aufgebrochen. Gille vermerkt den Fehlbestand in Rot. Das Samuhel-Evangeliar und elf andere Stücke des Domschatzes sind verschwunden.

Verwüstete Höhle mit aufgebrochenen Kisten (Spielszene) Quelle: ZDF

Das Angebot des Londoner Kunsthändlers Samuel Fogg im Oktober 1988 ist die erste Spur seit dem Verschwinden im Jahre 1945. Doch Quedlinburg gehört zur DDR und die Offiziellen lehnen ab. Sie wollen einen Dieb nicht auch noch finanziell belohnen. Außerdem fehlt ihnen das Geld dazu. Ein Stück des Schatzes ist jetzt auf dem Markt - und wo ein Stück vom Schatz ist, da sind vielleicht noch mehr. Wenn irgendein Sammler das Geld aufbringt, dann verschwindet er in irgendeinem Keller. Rasches Handeln ist angesagt, und so erteilt der Oberkustos der West-Berliner Museen, Dr. Klaus Goldmann, Korten einen inoffiziellen Auftrag: Er soll mehr über den Fall in amerikanischen Archiven herauszufinden.

Korte im Archiv (Spielszene) Quelle: ZDF

Eine Sisyphos-Arbeit

In Akten und Dokumenten aus der Kriegszeit soll Willi Korte nach Spuren des Schatzes und des Diebes fahnden. Im Nationalarchiv in Washington, D.C. und in zahlreichen Außenstellen lagern Millionen freigegebener Dokumente der US-Behörden, der Regierung und nicht zuletzt des Militärs. Sie sind öffentlich zugänglich. Eine Sisyphos-Arbeit, denn Korte muss in dem gewaltigen Fundus die richtigen Dokumente entdecken und korrekt interpretieren. Die erste Frage lautet: Welche Armee-Einheit hat Quedlinburg erobert?

Die US-Armee stößt im Frühjahr 1945 in zwei großen Schwüngen nach Deutschland vor: Richtung Süden und Richtung Osten. In der Gegend um Quedlinburg ist die Situation besonders verworren. Sowohl Einheiten der Dritten wie auch der Ersten US-Armee stoßen auf die alte Kaiserpfalz vor - und werden womöglich Berührung mit dem Domschatz haben.

Das 39. Infanterie Regiment und die 4. Cavalry Group rücken in Quedlinburg ein. Im so genannten S-3-Journal, dem Kriegstagebuch der 4th Cavalry Group, befindet sich eine kurze Notiz. Der Eintrag stammt vom 20. April 1945, vier Wochen nach der Besetzung: "Höhle auf 33-95-90." Dies sind die Koordinaten der Altenburg-Höhle. GIs entdecken das Schatzversteck, vermutlich bei einer Routine-Patrouille. Weitere Einträge präzisieren die Entdeckung der Höhle durch die Streitkräfte: "Zwei Räume auf der oberen Ebene ... Ein großer Raum ... Statuen und Kisten ..." Einfache Soldaten finden das Versteck, aber dass sie auch den Schatz gestohlen haben, glaubt Korte nicht. Doch die Namen der Beteiligten geben die Akten nicht her. Die Quellen des Nationalarchivs sind ausgeschöpft.

Karte Vorstoss der Amerikaner auf Quedlinburg Quelle: ZDF

Wendezeit in Deutschland

Während Kortes Recherchen in Washington herrscht in Deutschland Wendestimmung. Die DDR hört auf zu existieren. Das hat Folgen für den verlorenen Schatz. Für den Quedlinburger Domschatz ist jetzt eine Kulturstiftung der Bundesländer zuständig. Und die kauft das gestohlene Evangeliar aus dem Domschatz für fünf Millionen D-Mark zurück. Der Druck auf den Schatzjäger wächst. Denn nach diesem erfolgreichen Deal wird der Dieb - oder seine Erben - auch die restlichen Stücke zu Geld machen wollen.

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