Superbauten (2/3): Schloss Neuschwanstein

Traumschloss mit Raffinessen

Dokumentation | Terra X - Superbauten (2/3): Schloss Neuschwanstein

Es scheint einem Märchen der Gebrüder Grimm entsprungen und steckt doch voll Technik: das Schloss Neuschwanstein. Die Geschichte des weißen Prachtbaus ist eine Geschichte von Träumen und Illusionen.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.07.2017, 04:40
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2010
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Es scheint einem Märchen der Gebrüder Grimm entsprungen und steckt doch bis unter die Dachzinnen voll Technik: das Schloss Neuschwanstein bei Füssen im südlichen Bayern. Seine Geschichte ist eine von Träumen und Illusionen, vom Sieg der Technik und vom Verlust der Macht.

Thronsaal im Schloss Neuschwanstein
Thronsaal im Schloss Neuschwanstein Quelle: ZDF

Es sollte ein Fluchtort werden, an dem sich Ludwig II. seinen Fantasien hingeben konnte - mittelalterlichen Legenden und Heldensagen, in denen er sich schon als Kind gerne hineingeträumt hatte. In Blickweite eines seiner Lieblingsorte - dem Sommerschloss Hohenschwangau - ließ der König von Bayern auf einem zugänglichen Felsen, der "Jugend", eine Bergspitze absprengen. Hier schuf er den Platz für seine Vision eines Schlosses.

Zentralheizung und Aufzug

"Neue Burg Hohenschwangau" taufte Ludwig II. sein Traumschloss - Neuschwanstein sollte es nach seinem Tod heißen. Inspiriert von Ritterburgen des Mittelalters, der Sagenwelt des Komponisten Richard Wagner und der zu der Zeit restaurierten Wartburg begann er 1869 mit dem Bau. Entsprechend prunkvoll und reich an Details ließ Ludwig die Räume ausgestatten - von einer künstlichen Kalksteingrotte, mittelalterlichem Sängersaal bis hin zum sakral wirkenden Thronsaal.

Ludwig II. nutzte die Möglichkeiten, die ihm das industrialisierte Bayern damals bot: Er zog begabte Konstrukteure und Ingenieure für seine Vorhaben heran und ließ für seinen prunkvollen Thronsaal Stahlkonstruktionen verfügen, wie sie noch nie bei einem solchen Bauwerk verwendet wurden. Der König hatte ein Faible für technische Raffinessen: Zentralheizung, Telefonanlage, Toilettenspülung, Speiseaufzug - die Anlagen waren zum Zeitpunkt der Errichtung topmodern und versetzten die Menschen in Staunen.

Schein und Wirklichkeit

Sängersaal im Schloss Neuschwanstein Quelle: ZDF

Doch Schein und Wirklichkeit liegen bei diesem Superbau nahe beieinander: Während das Schloss vor fundierter Technik strotzt, ist vieles nur aus Gips und Pappe - nicht mehr als eine Kulisse für die Fantasien ihres Erbauers.

Auch ein Thron steht bis heute nicht in Schloss Neuschwanstein. Denn Ludwig ging an seinen übergroßen Plänen und am Unverständnis seiner Umgebung zugrunde. Er versank in einer Welt von germanischen Heldensagen und Märchen, kleidete sich wie ein absolutistischer Fürst. Während er die Staatskasse wieder und wieder plünderte, um noch wahnwitzigere Bauverfügungen zu erlassen, planten seine politischen Gegner die Entmachtung.

Ludwig sah sein Schloss nie vollendet

Neuschwanstein und andere Fantastereien Ludwigs boten der bayrischen Staatsregierung die willkommene Gelegenheit, den König für geisteskrank erklären zu lassen und zu entmündigen. Sein mysteriöser Tod im Starnberger See beendete sein Lieblingsprojekt. Neuschwanstein wurde in einer abgespeckten Version fertig gestellt und nur sechs Wochen nach Ludwigs Tod 1886 für Besucher geöffnet. Dabei hatte der König verfügt, dass kein Normalsterblicher die Traumwelt Neuschwansteins je betreten solle: "Der Blick des Volkes würde sie entweihen und besudeln."

Altes Foto vom Schloss Neuschwanstein Quelle: ZDF

Inzwischen ist es das im Ausland bekannteste deutsche Bauwerk und dürfte milliardenfach fotografiert worden sein. Schließlich gibt das weiße Prachtschloss auf dem Bergplateau ein ideales Motiv ab. Es zieht bis zu 6000 Menschen täglich aus aller Welt an.

Die Terra X-Doku eröffnet Zuschauern Orte, die Touristen sonst verschlossen bleiben und bietet einen neuen Blick auf das Lieblingsprojekt König Ludwigs II. Der Schauspieler Sebastian Koch nimmt die Zuschauer mit und erzählt die dramatische Geschichte des Schlosses. Aufwändige 3D-Animationen und Spielszenen ergänzen eines der ungewöhnlichsten Kapitel deutscher Architekturgeschichte.

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