Teurer als Gold

Die blauen Steine der Pharaonen

Die Lapislazuli-Vorkommen in Afghanistan waren auch Marco Polo bekannt. Im Mittelalter war das aus Lapislazuli gewonnene Ultramarin ein gefragter Farbstoff.

Marco Polo durchquerte im Jahr 1272 in Begleitung seines Vaters und seines Onkels Afghanistan. Die Polos, eine venezianische Händlerfamilie, standen allesamt im Dienst des mongolischen Herrschers Kublai Khan. Marco Polo konnte ein volles Jahr seinen Verpflichtungen gegenüber seinem Herrn nicht nachkommen, weil er sich im Hindukusch von einer schweren Krankheit erholen musste. Er schrieb in seinem berühmten Reisebericht "Milione" über diese Gegend: "Die Luft in jener Bergeshöhe ist rein und gesund. Wenn daher die Leute in den nahen Tälern von irgendeinem Fieber gepackt werden, suchen sie Ruhe in den Bergen; ihre Krankheit klingt ab, und sie werden wieder gesund." Bei der Überquerung des Hindukush stellte er fest, dass durch die dünne Luft das Feuer nicht heiß genug wurde, um das Essen richtig zuzuberereiten.

Lapislazuli von allerbester Qualität

"Auf einem Berg dieses Landes" schrieb Polo, "findet man Lapislazuli von allerbester Qualität." Offenbar wusste der Venezianer von den Edelsteinvorkommen auf den entlegenen Gipfeln Afghanistans. Die Minen beschreibt er allerdings nicht in seinen Aufzeichnungen. Obwohl er sich lange im Norden des Landes aufgehalten hatte, scheint er sie nie besucht zu haben. Neuere Forschungen ziehen die Reisen Polos bis nach China ohnehin in Zweifel und lassen nur den ersten Teil seines Berichts als Augenzeugenbericht gelten. Nach seiner eigenen Schilderung reiste er bis nach China weiter und kehrte erst 1295 nach Europa zurück.

Tiefblaue Malerei

Die Herstellung

In Mittelalter und Renaissance wies der christliche Glaube den Weg zu den blauen Steinen. Das Blau des Lapislazuli wurde für die Malerei entdeckt. Vor allem der Mantel der Maria erstrahlte in dem prächtigen, intensiven Ton. Auch für Buchmalerei wurde das Lapispigment Ultramarin verwendet: "Ultra mare", über das Meer, kam der teure Farbstoff seit dem frühen Mittelalter von Afghanistan nach Europa. Zu Michelangelos Zeiten war Ultramarin teurer als Gold. Er nutzte es für seine berühmten Fresken auf der Altarwand und Decke der Sixtinischen Kapelle. Um sich nicht zu ruinieren, ließen sich die Maler die blaue Farbe von ihren Auftraggebern stellen.
Das blaue Gold war schwierig herzustellen und erforderte viel Zeit und Geschick. Zermahlen und gereinigt, muss der blaue Staub tagelang in klarem Wasser ausgewaschen werden. Der Ertrag ist gering: Ein Kilogramm Stein ergibt nach einer Behandlungszeit von einem halben Jahr lediglich 40 Gramm Ultramarin. Bis in die Moderne blieb es ein besonders wertvolles Pigment, denn alle natürlichen blauen Farbstoffe verblassen unter Lichteinwirkung. Seit der Wende zum 20. Jahrhundert ist Lapislazuli für die moderne Farbherstellung ohne Bedeutung, denn chemisch produzierte Pigmente übernahmen seine Rolle. Künstler wie Van Gogh machten exzessiven Gebrauch von den neuen Chemiefarben.

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