Tiefer Glaube

Vom frühen Christentum der Goten

Nach ihrer Auswanderung aus Polen hatte sich der Treck um das Jahr 280 geteilt. Die Ostgoten ließen sich im Norden des Schwarzen Meeres nieder, die Westgoten zogen an die Donau, die unmittelbare Grenze des Römischen Reiches und nach Siebenbürgen.

"Als die Goten nach geeigneten Wohnsitzen suchten, kamen sie auch in das Land, welches in ihrer Sprache Oium genannt wird, was soviel heißt wie 'gutes Land' ". Dort bemächtigten sie sich des ersehnten Bodens. "Hier ist gut sein, hier lasst uns Hütten bauen." Aber viel mehr wusste Jordanes in der Goten-Saga auch nicht zu berichten. Trotzdem ist der Forschung heute einiges über die Goten bekannt: Archäologen haben in Mittel- und Osteuropa die Spuren von über 500 Siedlungen gefunden. Stumme Zeugen dafür, dass sie als Bauern und Hirten eine bleibende Heimat fanden.

Blutige Opfer

Erst einmal wurde ihnen das heutige Rumänien eine bleibende Heimat, für drei Generationen. Aus dem Hohen Norden hatten die Goten auch ihren Glauben an Gaut und Odin mitgebracht. Waldlichtungen waren die Tempel der Goten. Dort verehrten sie ihre Ahnen und ihre Götter. Sie brachten ihnen blutige Opfer dar und hängten die Eingeweide und Felle der Opfertiere in die Bäume.

Aber die alten Götter - römische wie germanische - waren verbraucht. Sie gaben keine Antworten mehr auf die Fragen der neuen Zeit. So wendeten sich viele Goten von den Göttern der Vorfahren ab und wurden zu Christen. Sie waren die ersten Germanen, die sich außerhalb des Römischen Reiches taufen ließen. Aus tiefem Glauben an den einen Gott.

Codex Argenteus

Vom frühen Christentum der Goten zeugt eines der berühmtesten, ältesten und kostbarsten Bücher der Welt: die Wulfila-Bibel, benannt nach dem ersten Bischof der Goten. Sie wird im schwedischen Uppsala aufbewahrt, dem Herkunftsland der Goten. Codex Argenteus, die Silberbibel, wird sie auch genannt: Denn das Neue Testament ist mit Silbertinte - manche Seiten gar mit Tinte aus Gold - auf purpurgefärbtes Pergament geschrieben. Ein unendlich kostbares Dokument. Die gotische Schrift entwickelte Wulfila eigens für die Bibel aus germanischen Runen und griechischen Buchstaben. Nur eine Seite ist im Original zu sehen. Alle anderen seien an einem geheimen Ort, heißt es.

Unendlich wertvoll

Mystifikationen, sagt der Historiker Lars Munkhammar, gehören zu den Sicherheitsmaßnahmen rund um die Wulfila-Bibel. Er hat das älteste und wichtigste germanische Schriftdenkmal erforscht. Aber auch er bekommt nur ein Faksimile zur Hand. Denn die alten Pergamentblätter sind brüchig und lichtempfindlich. Sie für die Nachwelt zu erhalten, ist eine Wissenschaft für sich.

Dafür ist der Konservator Per Cullhed zuständig. Einige Seiten sind nach dem Original farbig reproduziert. Der Farbstoff wird aus den Drüsen der Purpurschnecke gewonnen: 10.000 braucht man für ein Gramm. Purpur war in der Antike ausschließlich dem römischen Kaiser vorbehalten, unendlich wertvoll, gerade angemessen für die Heilige Schrift. Um das Jahr 510 wurde die Silberbibel in Ravenna in die gotische Volkssprache übertragen. Da die Schrift im Laufe der Jahrhunderte ausblich, machte man sie mit einem Röntgenfilm wieder lesbar. Die Wulfila-Bibel gehörte zum Schatz des Ostgotenkönigs Theoderich.

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