Tierische Attacken

Die Wärme lockt Vögel und Wildtiere in die Städte

In Rom fanden die Menschen Europas schon früh Geschmack am urbanen Leben. Vor zweitausend Jahren war dies die einzige Metropole des Kontinents. Heute leben drei von vier Europäern in Städten. Und sie sind nicht allein.

Auf eine Million Menschen kommen in Italien 500.000 Autos. Und in Rom fast ebenso viele motorisierte Zweiräder. Roms Leben spielt sich zu allen Jahreszeiten auf der Straße ab. Ein Vergnügen, das nicht immer ohne Risiko ist. Dunkle Wolken am Himmel zeugen von der Ankunft fliegender "Touristen" aus ganz Europa.

Ätzender Starenkot

Die Auguren der Antike lasen aus dem Flug der Stare das Schicksal des Reiches. Heute aber muss kein Römer hellsehen, um zu wissen, dass diese Wolken Unheil bringen. Der Kot von Staren ist extrem ätzend, denn er frisst den Lack von Autos und Löcher in die Wäsche. Er zersetzt Fassaden und macht Straßen zu gefährlichen Rutschbahnen. Drei Millionen Stare kommen jedes Jahr im Herbst in die heilige Stadt, denn dort sind die Temperaturen viel angenehmer als draußen auf dem Land.

Rom ist ein wahrer "Hot Spot". Städte verheizen Unmengen Brennstoff, Straßen und Gebäude speichern die Sonnenwärme. Und selbst der Smog über einer Stadt wirkt wie eine Heizdecke. Jeden Abend, wenn die Stare eintreffen, regnet es Tonnen von stinkendem Kot. Doch der Mensch setzt sich mit Truppen von freiwilligen Helfern zur Wehr: Legionen in dichter Schutzkleidung schwingen grelle Scheinwerfer. Aus Lautsprechern schrillen Warnschreie von Staren. Die Botschaft ist nicht zu überhören. Aber wie lange lassen sich die Stare davon beeindrucken?

Felsbewohner in urbanen Räumen

Stare sind nicht die einzigen Wildtiere, die es regelmäßig in die Stadt zieht. Mitten in Wien steht der Stephansdom, eine von Europas schönsten Kathedralen: 850 Jahre alt. Gleichermaßen massiv und filigran - ein Meisterwerk der Baukunst. Schon immer eine Attraktion für viele Besucher - und einige tierische "Bewohner". Die gotische Architektur hat manches gemein mit den Felswänden der nahen Alpen. Turmfalken fühlen sich genau wie Tauben in unseren Städten zuhause, weil sie von Natur aus Felsbewohner sind und ihre Nester in unzugänglichen Höhen bauen. Auch Fledermäuse finden hier ein ideales Quartier.

Ebenso huschen nachts Jäger durch das Turmgebälk: Steinmarder. Nicht die Fledermäuse ziehen sie an, sondern Taubennester. Von den Türmen des Stephandoms bis zur Prager Karlsbrücke streifen Nacht für Nacht Hunderttausende Steinmarder durch Europas Städte. Ungesehen, aber alles andere als spurlos.

Tausende Marder-Opfer

Tausende von Menschen werden zu Opfern, denn die Marder haben eine Leidenschaft für Autos. Der Motorraum ist warm und sicher, und es gibt eine Menge zu kauen. In München hat ein einziger Marder in einer Nacht einhundert Autos beschädigt. Auch wenn den nächtlichen Besucher kaum jemand zu Gesicht bekommt, spätestens wenn das Auto am nächsten Morgen nicht mehr anspringen will, merkt man, wenn er da war. Andererseits tut ein autofreier Tag nicht nur der Umwelt gut: Die Marder fördern die Fitness und den öffentlichen Nahverkehr.

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