Tierischer Torpedo

Besonderes Jagdverhalten des "Monsters"

Für Jörn Hurum ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen: Er hat einen Saurier gefunden, sogar einen größeren als den T. Rex - gefährlicher, tödlicher als jedes andere Tier in den Weltmeeren. Mit seinen vier Flossen ist der Pliosaurier der ultimative Räuber der Ozeane. Wie aber jagte dieses Monster seine Beute?

Konvergenz und Divergenz

Schwimmender Pliosaurier (Computeranimation)
Schwimmender Pliosaurier (Computeranimation) Quelle: ZDF

Untersuchungen eines Pliosaurier-Schädels mit Hilfe der Computer-Tomographie wecken eine Vermutung in den Forschern. Das dreidimensionale Modell zeigt genau die Stelle, an der das Gehirn sich befunden hat. Seine Lage und Größe kommen dem Spezialisten für Meeresreptilien Patrick Druckenmiller bekannt vor: Sie sind absolut vergleichbar mit dem Gehirn des größten Meeresräubers heutiger Zeit, dem weißen Hai.
Beide Gehirne sind vergleichsweise klein - das des Pliosauriers macht nur etwa ein Prozent der Körpermasse aus - und besitzen eine Art "optische Kugeln", die auf eine hohe Sehkraft schließen lassen. Dies deutet darauf hin, dass der Pliosaurier wie Haie zu den visuellen Räubern gehört, beide müssen ihre Beute sehen. Aus dieser Erkenntnis und der Tatsache, dass die frühen Meeresreptilien über vier riesige Flossen verfügen, ziehen die Forscher den Schluss, dass Pliosaurier und Haie die gleiche Jagdstrategie verfolgen: Am Meeresgrund belauern sie ihre Beute; sobald diese sich in greifbarer Nähe befindet, starten sie eine senkrechte Attacke, beschleunigen innerhalb kürzester Zeit auf Höchstgeschwindigkeit und greifen ihre Opfer von unten an.

"Twist feeding"

Bei aller Ähnlichkeit unterscheiden sich die Tierarten doch auch in wesentlichen Details. Zunächst ist ein Pliosaurier, wie ihn Jörn Hurum entdeckt hat, natürlich deutlich größer und schwerer. Dessen 15 Metern und 45 Tonnen stehen "nur" maximal fünf Meter und vier Tonnen bei weißen Haien gegenüber. Eine genauere Betrachtung der Zähne erlaubt Rückschlüsse auf weitere Jagdeigenheiten.
Beide Gebissreihen sind gleichermaßen Furcht erregend, doch differieren sie in einem entscheidenden Detail: Haizähne sind nicht nur sehr spitz und scharf, sie verfügen auch an einer Seite über sägeblattähnliche Strukturen. Hat ein Hai sich in sein Opfer verbissen, bewegt er den gesamten Kopf heftig hin und her und zersägt so mit diesen speziell ausgestatteten Zähnen seine Beute.

Das Gebiss des Pliosauriers entbehrt dieser Sonderausstattung. Doch wie zerteilt das "Monster" seine Beute? Der Blick auf seine Schädelform und die Ausgestaltung der Kiefer zeigen deutliche Ähnlichkeit zu denen heutiger Krokodile. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass die Meeresriesen sich in ihrer Beute fest beißen und dann sich schnell und mehrfach um die eigene Achse drehen. Mit dieser Form des "twist feeding" zerteilen sie ihre Nahrung in mundgerechte Stücke - genauso wie es heute noch die Krokodile praktizieren.

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