Tod am Galgen

In einem Schauprozess wird der Prophet als Ketzer verurteilt

In der Nacht zum 7. April 1498 wird auf der Piazza della Signoria in Florenz erneut ein riesiger Scheiterhaufen errichtet. Tausende Einwohner der Stadt strömen herbei. Ihr Prophet hat ihnen noch einmal ein Wunder angekündigt.

Vom Papst in die Enge getrieben, greift Savonarola zu einem letzten, verzweifelten Mittel. Unversehrt will der Gesandte des Herrn einen Gang durch 30 Meter lange Flammenwände überstehen. Ein Gottesurteil, das die Anhänger zurückgewinnen soll, die sich abgewendet haben. Doch vor den Augen des Volkes zögert Savonarola. Er wartet Stunde um Stunde auf das göttliche Zeichen - vergebens.

Schmerzlicher Beweis



Das Wunder findet nicht statt. Das Volk fühlt sich betrogen. Nach Stunden des Wartens bricht ein schweres Gewitter über die Stadt herein und löscht die Flammen. Für Savonarola schmerzlicher Beweis, dass Gott ihn endgültig verlassen hat. Der schwarze Prophet hat alles riskiert - und alles verloren. Am nächsten Morgen schlägt die Stimmung in Florenz endgültig um. Noch vor kurzem haben die Menschen dem Mönch zugejubelt. Jetzt zerren sie ihn hasserfüllt durch die Straßen der Stadt, die enttäuschte Menge würde ihren einstigen Heiland am liebsten an Ort und Stelle lynchen.

Offene Wunde

Doch der Papst braucht einen Schauprozess. Savonarola wird gefoltert. Er bekennt, was die Henker von ihm hören wollen: Ketzerei und Teufelspakt. Und widerruft. Die Folter wird wochenlang verschärft wiederholt. Am Ende steht das Geständnis, auf das der Papst ungeduldig gewartet hat. Nur so kann er den Propheten mit seinen Wundergaben vor aller Welt entzaubern.


Im Kloster von San Marco in Florenz empfindet Prior Sbaffoni noch heute den Umgang des Papstes mit Savonarola als einen Verrat. Für ihn ist die Verurteilung Savonarolas eine offene Wunde, die auch nach 500 Jahren nicht geheilt ist.

Scheinbarer Sieg

Inmitten einer entfesselten Menge wird Savonarola am 23. Mai 1498 zum Galgen geführt. Man zwingt ihn, diesen letzten Gang ohne sein Mönchsgewand als Dominikaner anzutreten. Noch der letzte Rest seiner Würde soll ihm genommen werden, bevor ihm der Henker den Strick um den Hals legt. Seine Leiche wird zusammen mit den Körpern von zwei Gefolgsleuten auf dem Platz der Signoria verbrannt. Als einige Frauen versuchen, Leichenteile des Propheten als Reliquien zu sammeln, wird die Piazza geräumt. 24 Stunden brennt das Feuer auf dem gespenstisch menschenleeren Zentrum von Florenz, bis der Körper zu reiner Asche verbrannt ist.


Sein Name soll für immer ins Vergessen sinken. Seine Schriften werden vernichtet. Kein Grab darf an ihn erinnern - Savonarolas Asche wird in den Arno geworfen. Der Papst hat scheinbar für immer gesiegt. Und doch wird der aufrührerische Mönch die Welt nachhaltig ändern.

"Ich verehre Savonarola als einen Heiligen", bekennt nur wenige Jahre nach dem Tod des schwarzen Propheten ein anderer Mönch: Martin Luther. Er wird das Werk Savonarolas vollenden und die alte Welt für immer zerschmettern.

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