Tod auf dem Scheiterhaufen

Vergebliches Warten auf Rettung durch Karl VII.

Jeanne d'Arcs Ruf und ihre mitreißende Zuversicht allein reichen nicht mehr für militärische Wunder. Der Angriff auf Paris wird zum Desaster. Der vom König versprochene Truppennachschub bleibt aus.

Nach dem desaströsen Angriff auf Paris folgt Niederlage auf Niederlage. Die Moral von Jeanne d'Arcs Armee schwindet. Viele ihrer Soldaten desertieren.

Tiefer Fall

Nur acht Wochen nach der Krönung sind Jeannes Ruhm und Ehre verblasst. Sie ist geschlagen und zum ersten Mal von den eigenen Truppen in Frage gestellt. Ist es Verzweiflung, die Jeanne d'Arc bald in maßlose Selbstüberschätzung treibt? Sie fordert ihren Gott heraus: Mit nur 400 Mann nimmt sie bei Compiègne den Kampf gegen die 6000 Mann starken anglo-burgundischen Truppen auf und gerät in Gefangenschaft. Den Höhen des Triumphs folgt ein tiefer Fall.

Hätten die Engländer 100.000 Feinde erschlagen, sie hätten sich darüber nicht so gefreut wie über die Gefangennahme der Jungfrau - so heißt es zumindest in einer Chronik. Karl VII. rührt keinen Finger, um Jeanne d'Arc zu befreien. Gegen das Kopfgeld für einen König wird sie von den Burgundern an die Engländer verkauft. Nicht wie eine Kriegsgefangene, wie eine Ketzerin wird sie behandelt. Die Heilige Inquisition wird ihr im Auftrag Englands den Prozess machen.




Drohendes Urteil

Zum zweiten Mal steht Jeanne d'Arc in ihrer Mission im Mai 1431 einem kirchlichen Tribunal gegenüber. Diesesmal geht es um ihr Leben. Abzuschwören, ihre Visionen zu leugnen, sich der Kirche zu unterwerfen war Jeanne d'Arc in fünf Monaten Prozess nie in den Sinn gekommen. Die Stimmen ihrer Heiligen hatten ihr versprochen sie zu retten. Jetzt droht das Urteil der Inquisition, der Tod auf dem Scheiterhaufen, ein qualvolles Sterben.



Ein letztes Mal wird Jeanne d'Arc aufgefordert abzuschwören. Sie rettet zunächst ihr Leben. In Todesangst widerruft sie alles, was ihr heilig ist, und unterschreibt die für den Gnadenakt vorgesehene Bußformel. Fortan muss sie wieder Frauenkleider tragen. Das Todesurteil wird in lebenslange Haft umgewandelt - im Kerker ihrer Feinde. Was in den folgenden Tagen geschieht, ist nicht dokumentiert - von Folter und Vergewaltigung ist die Rede.

Todbringende Antwort

Drei Tage später zieht Jeanne d'Arc erneut Männerkleider an - das äußere Zeichen ihrer göttlichen Mission und einer der Hauptanklagepunkte im Prozess. Vor den Richtern nimmt sie ihren Widerruf zurück: "Alles, was ich getan habe, war aus Angst vor dem Feuer. Was ich widerrufen habe, war wider die Wahrheit." Nach den Regeln der Inquisition gilt sie damit als unrettbar verloren. Das Gerichtsprotokoll vermerkt zu dieser Aussage am Rand: responsio mortifera, todbringende Antwort. Die Richter des Tribunals plädieren einstimmig dafür, Jeanne d'Arc als verstockte Rückfällige der weltlichen Macht auszuliefern. Sie ist der Ketzerei für schuldig befunden.


Nach dem Gebot "Die Kirche verabscheut das Blut" wird sie den Engländern übergeben. Auf dem alten Marktplatz von Rouen wird das Urteil ohne weltlichen Richterspruch sofort vollstreckt. Ein Jahr ihres Lebens hat sie auf dem Schlachtfeld im Kampf für Frankreich verbrachte, ein Jahr lang im Gefängnis gesessen. Als sie stirbt, ist sie 19 Jahre alt. Dem Henker wird der sonst übliche Gnadenakt untersagt, den Verurteilten zu töten, bevor ihn das Feuer erreicht. Jeanne d'Arc verbrennt bei lebendigem Leib.

Geburt eines Mythos

Schon zu Lebzeiten war sie eine Legende. Auf dem Scheiterhaufen nun beginnt die Geschichte der Märtyrerin Jeanne d'Arc. Das Volk und die Herrschenden werden sich aus diesem Stoff den Mythos der Nationalheldin und Heiligen formen. Von Jeanne d'Arc selbst bleibt nur Asche.

22 Jahre nach ihrem Tod hat Karl VII. Frankreich von den Engländern befreit und sich den Titel "der Siegreiche" erworben. Doch Jeanne d'Arcs Verurteilung als Ketzerin liegt als dunkler Schatten über seiner Regentschaft. Ein von ihm einberufenes Revisionsverfahren soll diesen Makel aufheben. Der Prozess dauert mehrere Jahre. Über 80 Zeugen werden befragt. 1456 wird Jeanne d'Arc von der Kirche offiziell rehabilitiert. Die zwölf Schuldartikel, die sie verdammt hatten, werden symbolisch dem Feuer übergeben. Fast 500 Jahre später wird Jeanne d'Arc heilig gesprochen.

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