Todesurteil für den Gottkönig

Vergebliche Hoffnung auf Freiheit

Wusste Atahualpa von einer legendären goldenen Stadt im Dschungel? Pizarro beschuldigte ihn, die Schätze seines Landes zu verheimlichen. Gerade einmal einen Zentner Gold hatte man bisher erbeutet. Der Spanier drohte mit der Todesstrafe.

Pizarro warf dem König vor, es sich auf Kosten der Spanier in der Gefangenschaft gut gehen zu lassen. Ein Diener übermittelte schließlich ein verzweifeltes Angebot: Um sein Leben zu retten, wollte der Inkafürst seine Gefängniszelle, einen Raum von 50 Quadratmetern, mit Gold füllen lassen, wenn man ihm dafür die Freiheit schenken würde. Pizarro war einverstanden.

Säcke voller Gold

Ein letztes Mal zeigte sich die absolute Macht des Herrschers über sein Volk. Aus allen Teilen des Landes trugen seine Untertanen das Gold für das Leben ihres Königs zusammen, Lamakarawanen transportierten einen nicht enden wollenden Strom von Schätzen nach Cajamarca. Bis heute weiß niemand, wo die unermesslichen Reichtümer verborgen waren. Drei Monate lang, Tag für Tag, Nacht für Nacht schleppten Indios Säcke voller Gold und Geschmeide in das Verließ des Sonnenkönigs.

Schwer bewacht von spanischen Soldaten türmeten sie das Lösegeld zu einem gigantischen, glänzenden Berg auf. Es war der größte Schatz, der in der "Neuen Welt" erbeutet wurde. Mit buchhalterischer Akribie ließ Pizarro seinen Anteil errechnen: Auf 1,3 Millionen Goldpesos belief sich das Vermögen des einstigen Schweinehirten aus der spanischen Provinz. Jedoch ließ sich mit keinem Verfahren errechnen, welchen Wert der gesamte Goldschatz des Inkareiches heute hätte.

Hinterhältige Begründung

Geblendet vom Glanz des Goldes wähnten sich die Konquistadoren endlich am Ziel ihrer Träume. Doch der Rausch währte nur kurz. Ein Chronist berichtet: "Es ist, als habe der Teufel die Spanier das Gold finden lassen, denn es steigert den Golddurst wie den Durst eines Mannes, in den man Salzwasser hineinpumpt." Diebstahl, Raub, Lügen und Gewalt - nun kämpften die Soldaten gegeneinander um die Beute.

Auch Atahualpa wurde der Reichtum seines Landes nun endgültig zum Verhängnis. Vergeblich hoffte er auf seine Freiheit, denn Pizarro brach sein Wort. Jetzt brauchte er den König nicht mehr. Mit der hinterhältigen Begründung, Atahualpa treibe Vielweiberei, bete immer noch seine Götzen an und plane ein Komplott verurteilte der Spanier ihn zum Tode.

In Ketten zum Schafott


Neuere Forschungen haben ergeben, dass der spanische Anführer von seinen Offizieren zur Verurteilung Atahualpas gedrängt wurde. Um seine Macht zu bewahren, musste er seinen indianischen Freund verraten. In tiefster Nacht wurde der König der Sonne am 26. Juli 1533 in Ketten zum Schafott geführt. Statt auf dem Scheiterhaufen sollte das Urteil durch die Garotte, die Würgeschlinge vollstreckt werden - wenn sich Atahualpa zum Christentum bekennen würde. Er wählte die Garotte, und während der Priester ihn auf den Namen Francisco taufte, wurde ihm bereits die Schlinge um den Hals gelegt. Dann wurde die Schlinge mit einem Stab langsam enger gezogen. Elend wie ein gewöhnlicher Verbrecher erstickte der mächtigste König des Kontinents.

Mit seinem letztem Atemzug endete die Herrschaft der Inka in Peru. In dieser Nacht öffneten sich Tausende seiner Untertanen die Pulsadern, um ihrem Gebieter schnell ins Jenseits, ins Haus der Sonne, folgen zu können.

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